Schule des unbeabsichtigten Zuhörens

Schule des unbeabsichtigten Zuhörens 1200x1200 © Zorica Milisavljević

Die Schule des unbeabsichtigten Zuhörens ist ein einjähriges Mentoring- und Forschungsprogramm des Goethe-Instituts in Belgrad, das sich an Künstlerinnen und Künstler in einer frühen Phase ihrer beruflichen Entwicklung richtet, die in den Bereichen Musik, Klang und bildende Kunst tätig sind.

Über das Programm

Sich in einer Stadt nicht zurechtfinden heißt nicht viel. In einer Stadt sich aber zu verirren, wie man in einem Walde sich verirrt, braucht Schulung.
Walter Benjamin, Berliner Kindheit um neunzehnhundert

Die Schule des unbeabsichtigten Zuhörens ist ein einjähriges Mentoring- und Forschungsprogramm des Goethe-Instituts in Belgrad, das sich an Künstlerinnen und Künstler in einer frühen Phase ihrer beruflichen Entwicklung richtet, die in den Bereichen Musik, Klang und bildende Kunst tätig sind. Das Programm zielt auf die Entwicklung des Zuhörens als künstlerische, perzeptive und kritische Praxis und geht von dem Verständnis aus, dass Zuhören nicht ausschließlich ein sinnlicher, sondern auch ein kognitiver und reflexiver Akt ist, und dass, wie Theodor W. Adorno seinerzeit betonte, das Zuhören ein aktives Verhältnis zum Kunstwerk sowie zu seinem gesellschaftlichen und materiellen Kontext voraussetzt.

Ziel dieses Programms ist die Entwicklung einer originellen audiovisuellen künstlerischen Arbeit, die durch den Prozess des unbeabsichtigten Zuhörens inspiriert ist und durch die Zusammenarbeit von drei Künstlerinnen bzw. Künstlern aus unterschiedlichen Disziplinen - Klangkunst, bildende Kunst und Musik - entsteht.

Das Programm dauert ein Jahr und umfasst einen strukturierten Prozess künstlerischer Forschung, Produktion und Reflexion, begleitet durch Mentoring sowie durch den Austausch mit Künstlerinnen und Künstlern, Theoretikerinnen und Theoretikern und Fachleuten aus verschiedenen Bereichen. Zu den Programminhalten gehören regelmäßige Treffen, Hörsitzungen, praktische Workshops, Gruppendiskussionen und Präsentationen von Arbeiten. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf interdisziplinären und experimentellen Ansätzen sowie auf der Entwicklung künstlerischer Projekte, die durch aufmerksame Beobachtung und das bewusste Hören der eigenen Umgebung entstehen. In diesem Sinne stützt sich das Programm auf das Verständnis perzeptiver Aufmerksamkeit als eines zentralen Elements künstlerischer Praxis, das Walter Benjamin als Grundlage eines kritischen Verhältnisses zur Gegenwart erkannte.

Die Schule des unbeabsichtigten Zuhörens misst dem Forschungsprozess, der Kontinuität der Arbeit sowie der Entwicklung einer individuellen künstlerischen Position im Rahmen eines kollektiven Dialogs und Austauschs besondere Bedeutung bei. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer werden dazu ermutigt, die Beziehungen zwischen Klang, Bild, Raum und Technologie zu erforschen, einschließlich jener Erfahrungsdimensionen, die jenseits von Absicht und Kontrolle entstehen. Dieser Ansatz knüpft an das künstlerisch-theoretische Erbe von John Cage an, der auf die Bedeutung der Offenheit gegenüber unvorhersehbaren Dimensionen der Klangerfahrung durch unbeabsichtigtes Zuhören hinwies.

Das Programm schließt mit einer öffentlichen Präsentation der gemeinsamen künstlerischen Arbeit und der Forschungsprozesse der Teilnehmerinnen und Teilnehmer ab, in Form einer Ausstellung, einer Performance, einer Installation oder einer anderen öffentlichen Veranstaltung, die entsprechend der Natur und den Ergebnissen des Programms entwickelt wird. In der Galerie „Wechselstube“ des Goethe-Instituts wird neben der Präsentation der gemeinsamen Arbeit auch ein Künstlercafé mit jungen Künstlerinnen und Künstlern organisiert.

Die Schule des unbeabsichtigten Zuhörens hat zum Ziel, einen institutionellen Rahmen für experimentelles Arbeiten, kritische Reflexion und die professionelle Entwicklung junger Künstlerinnen und Künstler zu schaffen, die an der Schnittstelle von künstlerischen Disziplinen und Forschungspraktiken tätig sind.

Mentor*innen

Kontakt

Folgen Sie uns