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19:00 Uhr

Kunstcafé: Von Bildern erzählte Geschichten

Buchpräsentation|Ein Buch von Neva Lukić

  • Online Online | Goethe-Institut Belgrad, Bibliothek, Beograd

  • Sprache Kroatisch/Serbisch

Neva Lukić: Pripovijedanje slika 1200x1200 © Neva Lukić / Design: ivanklis.studio

Neva Lukić: Pripovijedanje slika 2300x1000 © Neva Lukić / Design: ivanklis.studio

Beim Durchblättern des Buches Von Bildern erzählte Geschichten entsteht der Eindruck, dass nahezu der gesamte zeitgenössische jugoslawische Kunstraum präsent ist, in dem Bilder und Sprache geschickt ineinander greifen. Diese Textsammlung oder auch Sammlung vielfältiger Erfahrungen und erinnernder Ansichten beginnt daher nicht zufällig mit der Arbeit von Vlado Martek: „USA-Balkan” (1996), in der die Vereinigten Staaten von Amerika durch einen einfachen Umbenennungsprozess in eine Karte des Balkans transformiert werden, und sie endet mit der Ausstellung von Lala Raščić Das Kupfer brennt (2023), in der, unter anderem, die regionale osmanische Tradition des „Tepsijanje“ problematisiert wird - ein alter Brauch, bei dem hauptsächlich Frauen singen und zugleich an einer Kupferpfanne drehen. Zwischen diesen beiden Polen sind Künstler vertreten, die zweifellos Spuren in demselben kulturellen Raum hinterlassen haben: Boris Bućan, Dalibor Martinis, Goranka Matić und auch Künstler*innen der mittleren Generation, die unentwegt die Narrative der uns umgebenden Bilder hinterfragen, wie: Vladimir Nikolić, Sanja Latinović, Ana Mušćet, Boris Burić und einige andere. Inmitten all dieser Worte und Vorstellungen steht in dieser Monografie die Kunsthistorikerin und Schriftstellerin Neva Lukić.

Außer Neva Lukić wird auch Milena Jokanović von den Bildern erzählen. Sie ist eine langjährige Kollegin und Mitarbeiterin, die mit ihrer Autorenstimme in einem der Texte dieses Buches präsent ist – ebenso wie durch verschiedene andere Kooperationen.
In Neva Lukićs Buch Von Bildern erzählte Geschichten entfaltet sich eines der möglichen Panoramen der zeitgenössischen kroatischen Kunst – geprägt von ihrer persönlichen Perspektive als Autorin sowie von den zentralen Interessen und der Sensibilität, die sich im Verlauf ihrer fünfzehnjährigen nomadischen Karriere als Kritikerin entwickelt haben. Was wir als Erstes aus ihnen herauslesen, ist das ausdrückliche Vertrauen in die Fähigkeit der Sprache, Ideen und Bilder zum Leben zu erwecken, die dem visuellen Bereich angehören. Dieses Vertrauen gründet sich zwar teilweise auf ihre literarische Praxis – Lukić ist Autorin mehrerer Gedicht- und Kurzgeschichtenbände –, doch noch stärker bestätigt und vertieft es sich durch die bewusste Auswahl ihrer Themen: Sie schreibt fast ausschließlich über Künstlerinnen und Künstler, in deren Arbeiten sie jene Liebe zum Text, zum Wort und zur Erzählung wiederfindet – oder, wenn wir die Perspektive umkehren, über die Fähigkeit der bildenden Kunst zur Reflexion und zum Dialog.

Aus dem Vorwort des Buches „Von Bildern erzählte Geschichte“, verfasst von Marko Golub
Wenn wir uns auf den stilistischen Ansatz konzentrieren, den Neva Lukić in ihren Texten verfolgt, erkennen wir eine Autorin, die durch das Schreiben vor allem bestrebt ist, die Werke, über die sie schreibt, zu analysieren und zu verstehen – und sie als offenes Interpretationsfeld wahrnimmt. Es sind bereits etwa fünfzig Jahre vergangen, seit Germano Celant über das Modell einer akritischen Kritik schrieb und Susan Sontag sich in ihrem Essay Against Interpretation gegen die Überinterpretation wandte. Auch Neva nähert sich den Kunstwerken aus einer ähnlichen Haltung heraus: nicht mit dem Anspruch zu werten, sondern mit dem Bemühen, sie zu verstehen und zu interpretieren.

Aus der Rezension des Buchs „Von Bildern erzählte Geschichte“, verfasst von Igor Loinjak

Über die Gesprächsteilnehmerinnen

  • Neva Lukić

    Neva Lukić absolvierte ein Magisterstudium in Kunstgeschichte und Archäologie an der Philosophischen Fakultät in Zagreb sowie in Theorie der modernen und zeitgenössischen Kunst an der Universität Leiden in den Niederlanden. Sie ist als Kuratorin, Autorin und Kunstkritikerin tätig. Regelmäßig veröffentlicht sie Ausstellungskritiken und Interviews mit Künstlern und Künstlerinnen in Zeitungen und Fachzeitschriften. Als unabhängige Kuratorin organisierte sie zahlreiche Einzelausstellungen und war Autorin oder Ko-Autorin mehrerer thematisch konzipierter Gruppenausstellungen. Mit ihrem interdisziplinären Ansatz in den Bereichen Bildende Kunst, Literatur und Ausstellungsgestaltung verbindet Neva Lukić ihr Schreiben häufig mit kuratorischer Praxis sowie mit der Schaffung von Kunstwerken, die an Film, Theater und literarische Performances grenzen – oft in Zusammenarbeit mit anderen Künstlerinnen und Künstlern. Ihr Hauptinteresse gilt den Themen „Narrativ“, „Identität“ und insbesondere der „Sprache“.

  • Milena Jokanović

    Milena Jokanović ist wissenschaftliche Oberassistentin an der Philosophischen Fakultät der Universität Belgrad, am Institut für Kunstgeschichte und am Zentrum für Museologie und Heritologie der Abteilung für Kunstgeschichte. Sie ist ständige Mitarbeiterin des Museums der Geschichte Jugoslawiens. Ihre Forschungsinteressen umfassen Erinnerungskulturen und die Konstruktion von Identitäten durch künstlerische und sammlerische Praktiken, das Verhältnis von Museen und Alltagskulturen der Gemeinschaften sowie die Interpretation von Kulturerbe in neuen Medien. Sie ist Autorin der Monografie „Das Kuriositätenkabinett in der Kunstwelt“ sowie zahlreicher wissenschaftlicher und fachlicher Beiträge und war Kuratorin mehrerer Ausstellungen. Gemeinsam mit Neva Lukić reflektiert sie gerne und erzählt von Bildern.

Partner

  • Kunstorganisation Maximum
  • ULUPUH
  • Spende der Stiftung Adris
  • Stadt Zagreb