In bestehenden und neuproduzierten Zeichnungen, Textilbildern und Objekten entwickeln die Künstlerinnen Mariandrie, Nurtane Karagil und Sophie Utikal, teils in subtiler-sinnlicher, teils in direkter oder gar humorvoller Weise Perspektiven, die von Zerrissenheit, Entfremdung und Verletzlichkeit erzählen, aber auch von Fürsorge, Achtsamkeit und Solidarität. So entstehen Räume, die Widersprüche und Differenzen zulassen, die empowern und zugleich andere Formen des Erzählens ermöglichen. Mit Blick auf die politische (Teilungs-)Geschichte Zyperns mit ihren traumatischen Folgen, die nur ein symptomatisches Bespiel unter vielen weltweit beschreibt, wird deutlich, wie dringend Akte des respektvollen Begegnens und des gegenseitigen Zuhörens sind.
So bringt die Ausstellung Between Imagination and Hope mit Mariandrie und Nurtane Karagil explizit Künstlerinnen der griechisch-zypriotischen und der türkisch-zypriotischen Community mit der in Berlin lebenden Künstlerin Sophie Utikal zusammen. Aus ihren jeweiligen Erfahrungshintergründen sprechend, nähern sich alle drei Positionen drängenden Zukunftsfragen unserer Zeit, die sich transnational formulieren und sich glokal manifestieren.
Nurtane Karagil setzt sich in Zeichnungen und Text, vor dem gesellschaftspolitischen Hintergrund Zyperns, nicht nur mit persönlichen Erinnerungen auseinander, sondern auch mit den enormen ökologischen Herausforderungen und entwickelt spekulative Visionen für ein zukünftiges Miteinander. Humor zieht sich dabei wie ein roter Faden durch ihre Arbeiten und eröffnet damit selbst für bittere Erzählungen Blickwinkel, die hoffnungsvoll schimmern.
Mariandrie nutzt sowohl geerbte, gefundene als auch selbst hergestellte Stoffe für ihre künstlerische Praxis. Ihre skulpturalen und installativen Textilarbeiten fordern vermeintlich Gegensätzliches heraus und durchkreuzen damit binäre Vorstellungen von männlich und weiblich, eigen und fremd, vergangen und gegenwärtig. In ihren hybriden Werken widmet sie sich Fragen nach Identität, Erinnerung, Zugehörigkeit und kulturellem Erbe.
Sophie Utikal schafft großformatige Textilbilder, die verschiedene Schichten durch Applikationen vereinen. Sie erzählen von Mutter- bzw. Elternschaft und Gemeinschaft, aber auch von Einsamkeit, Schmerz, transgenerationalen Traumata sowie der Entfremdung vom eigenen Körper in Bezug zu weißer Normativität. Sie bieten zugleich poetische Antworten für Möglichkeiten der Heilung, der Geborgenheit und des Empowerments durch das Teilhaben an Community.
Das Zusammenbringen der künstlerischen Positionen eröffnet einen Horizont, der von der Kraft des Gemeinsamen zeugt und Angebote schafft für Verständnis und Akzeptanz, die emotionale und psychische Heilung ermöglichen sowie für visionäre Zukunftsentwürfe: Im besten Fall erzeugen diese Momente der Hoffnung und Zuversicht in einer zunehmend herausfordernden Gegenwart.
Ein Rahmenprogramm mit Artist Talk, Workshop, Filmabenden mit Diskussionen sowie Ausstellungsführungen in Griechisch, Türkisch und Englisch begleitet die Ausstellung, um die Themenkomplexe im Austausch zwischen Künstlerinnen, Kuratorin, Expert*innen sowie dem Publikum zu erweitern und zu vertiefen und die Fäden begonnener Dialoge weiterzuknüpfen.
Die Ausstellung ist Teil des Parallelprogramms des Vima Art Fair (Limassol Mai 2026).