Gästebuch Stephanie Stremler

Stephanie Stremler Foto: Susanne Tessa Müller
Foto: Susanne Tessa Müller

Über ihre Eindrücke spricht Schauspielerin Stefanie Stremler („Die Spielwütigen“, „Staub auf unseren Herzen"), die Ende Oktober 2015 im Rahmen unseres Großprojekts SPIELTRIEB! zu Besuch in Tallinn war.

In Estland hat mich ...
... als erstes der Fernsehturm überrascht. Aus dem Flugzeugfenster sah ich den Fernsehturm in einer grünen, einsamen Landschaft stehen. Erst dachte ich zu träumen, dann landeten wir aber sehr bald in dem schönen, besonders wohnlichen Flughafen von Tallinn. Ich war sehr neugierig auf die Aufbruchsstimmung und die fortschrittliche IT Landschaft in dem Land, über die ich in der Zeitung erfahren hatte. Und ich war sehr begeistert, zu einer „Reality und Virtuality“ Konferenz eingeladen zu sein, ein super Thema. Von dem kurzen Aufenthalt kann ich sagen, dass eine Vielfalt von geschichtlichen Prägungen direkt spürbar ist und auch noch gelebt wird. Assoziationen zum Leben in einer mittelalterlichen Hafen- und Handelsstadt stellen sich ein, begleitet von Merkmalen der dänischen, deutschen, schwedischen und russischen Besatzung, kombiniert mit einer sehr starken heutigen, offenen, eigenen Identität.

An Deutschland erinnert mich in Tallinn ...
... alles, was mit dem Mittelalter zu tun hat, Gebäude, Mauern, Kirchen. Die sozialistischen Bauten erinnern mich natürlich an Ostdeutschland, sie stehen genauso leer da, wie in Deutschland nach der Wende. Den Gebäuden merkt man natürlich noch viel extremer den politischen Wandel an, zum Teil auch den Horror der Unterdrückung. Ich hatte das Gefühl, dass etwas sehr spannendes Neues entsteht, die Gebäude werden spontan für Kultur genutzt. In Tallinn scheint ein sehr offener, mutiger Wind zu wehen, auch in der Kombination von Alt und Modern. Was den Veranstaltungsort Kultuurikatel betrifft, so ist er einer der speziellsten Veranstaltungsorte, die ich je gesehen habe. Ein riesiges ehemaliges Kraftwerk, in dem das technische Innenleben an den Wänden erhalten worden ist. So eine Art Technik-Kathedrale.

Ich habe für mich entdeckt ...
... dass ich Länder nicht vergleichen kann, auch wenn sie Gemeinsamkeiten in verschiedenen Abschnitten der Geschichte haben. Dass die Prägung und der Freiheitswille einfach individuell sind. Mir wurde erzählt, dass die Unabhängigkeit der baltischen Staaten unter anderem durch eine singende Menschenkette durch die drei Länder hervorgerufen wurde. Und dass aus diesem Grund das Singen in dem Land einen wichtigen Stellenwert hat. Tatsächlich gibt es an jeder Ecke Live Musik. Außerdem finde ich die Kombination von Alt und Modern in der Architektur sehr mutig und schön!! Und das Projekt „Empowering Spaces“, in dem mit Unterstützung durch das Goethe-Institut leerstehenden Bauten Leben eingehaucht wird, finde ich extrem spannend. Gerne komme ich zurück nach Tallinn, mich würde auch interessieren, wie es dort im Sommer ist.