Gästebuch Bastian Sick

Bastian Sick
© Till Gläser

In unserem Gästebuch stellen wir Ausschnitte aus dem Reisebericht von Bastian Sick vor. Er ist Vielen bekannt durch sein Buch „Dativ ist dem Genitiv sein Tod“ und trat in Tallinn auf der Jahrestagung der Deutschlehrer auf.

„Den Esten wird nachgesagt, dass sie schweigsam seien und sehr zurückhaltend, aber wenn es ums Singen geht, dann gibt es für sie kein Halten mehr. Womöglich sind sie das sangesfreudigste Volk der Erde. Und ihre Leidenschaft wirkt ansteckend. Als Schüler oder Student wäre es mir vermutlich peinlich gewesen, Volkslieder zu singen; jetzt genoss ich es.“
 
„Das Land habe eine große Brotbacktradition, erfahre ich, und es sei wieder groß in Mode, sein Brot zu Hause selbst zu backen. Die Esten sollten ihr Brot in alle Welt exportieren, schlage ich vor.“
 
„Der Abschied stimmte mich fast ein wenig wehmütig, denn in diesen vier Tagen war mir Tallinn sehr ans Herz gewachsen. Vielleicht, weil es ebenso eine Marzipanstadt ist wie meine Geburtsstadt Lübeck. Vielleicht, weil die Stadt die Anmut vergangener Jahrhunderte mit der kühnen Eleganz moderner Architektur zu verbinden versteht, ohne dass es wie ein unversöhnlicher Gegensatz wirkt. Vielleicht, weil dort Jugendliche mitten auf dem Marktplatz spontan einen Volkstanz aufführen. Bestimmt wegen der estnischen Küche, die so ist, wie ich mir die deutsche oft wünsche. Ganz sicher aber wegen der Menschen, die mir mit einer Herzlichkeit, Höflichkeit und Liebenswürdigkeit begegneten, die mich tief beeindruckt hat. Dass es in Estland meistens ein paar Grad kühler ist als in Deutschland, sagt nichts über das wahre Temperament seiner Bewohner aus – denn wenn die Esten singen – und das tun sie sehr oft –, kann es draußen noch so kühl sein: im Herzen ist Sommer.“
 
Der komplette Text ist unter http://bastiansick.de/auslandsauftritte/tallinn/ zu finden.