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Die Traditionshäuser Madrids
Erfolg oder Herausforderung?

Fassade des Geschäftes „Capas Seseña”
Fassade des Geschäftes „Capas Seseña” | © Carla Gutiérrez Hierro

Es ist wie ein Hindernislauf: die Inhaber von Jahrhunderte alten Lokalen klagen über das Ausbleiben von Unterstützung und die Erhöhung der Steuern vonseiten der Stadtverwaltung. Dennoch sind sie erfolgreich – sie öffnen uns die Türen und reden über ihre Strategien.

Von Danae Morillo, Lucia Blanco, Lixian Li und Carla Gutiérrez

Danae Morillo, Lucia Blanco, Lixian Li, Carla Gutiérrez
Man muss nur einen Schritt in diese Lokale tun, schon spürt man etwas Mysteriöses. Ihre Wände bergen zahlreiche Geheimnisse, denn sie haben illustre Persönlichkeiten vorbeiziehen sehen. Schauspieler und Toreros, ranghohe Politiker und normale Kundschaft.
 
Unter den vielen Schätzen, die die Stadt beherbergt, befinden sich auch die langlebigsten Geschäfte, Familienunternehmen, von Generation zu Generation vererbt, mitten im urigsten Madrid.
 
Sie haben den Spanischen Bürgerkrieg und all seine Folgen überstanden, und einige waren sogar Schauplatz der entfesselten Nächte der Madrider Movida.

Capas Seseña in Diensten von Ava Gardner

Ein Beispiel dafür wäre Capas Seseña. Es ist ein Geschäft, das seit 1901 besteht, und Marcos, Mitglied der vierten Generation der Familie, die den Laden führt, versichert uns, dass dieses Schaufenster das gesamte 20. Jahrhundert gesehen hat, einschließlich Bürgerkrieg und sehr vieler Bauarbeiten in der zentralen Calle de la Cruz.
  Schaufenster des Geschäftes Capas Seseña Schaufenster des Geschäftes Capas Seseña

Spezialisiert auf maßgeschneiderte Capas, haben sie früh Märkte im Ausland erschlossen,  denn seit 1998 betreiben sie auch einen Online-Shop und liefern frei Haus, deutlich früher als viele große Handelshäuser. Marcos Seseña erzählt, wie mit der Öffnung des Franquismus auch Stars aus Hollywood nach Spanien kamen. Unter ihnen waren Gary Cooper und die vergötterte Ava Gardner, die jetzt in der Movistar-Serie Arde Madrid Auferstehung feiert, beide waren Kunden des Ladens. In den letzten Jahren wurde die Modellpalette erneuert, angepasst an unterschiedliche Geschmäcker und Altersstufen, zuvor war man ausschließlich auf klassische Formen fixiert. Marcos Seseña hat das verändert und neue Designformen eingeführt.

Innenraum des Ladens Capas Seseña Innenraum des Ladens Capas Seseña

Viva Madrid, das Zentrum der Movida

Von der Calle de la Cruz gehen wir zum Haus Nr. 7 in der Straße Manuel Fernández y González, wo sich die schon mythische Bar Viva Madrid befindet, mitten im Literatenviertel. Seit 1856 waren ihre Wände Zeugen der Zeit, zum Beispiel in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts, aber deutlich später auch der Movida, wie ihr jetziger Betreiber, Ricardo García, erklärt: „Das war ein angesagter Ort, hier gab es Drogen, Spaß, gute Musik und vor allem eine gute Stimmung. Das ist kein Familienunternehmen, wir haben die Sache erst vor Kurzem übernommen. Man musste es neu ausrichten, in den letzten Jahren ging das den Bach runter, die Stadt war nicht mehr so recht präsent, es war eine Geschichte für Touristen.“
 
Und so versucht dieses Lokal, sein angestammtes Publikum wieder zu gewinnen und so etwas wie einen Kultstatus zu erhalten, der nicht nur für Madrider attraktiv ist, sondern auch für jene, die woanders leben und „nur auf Zeit zurückkehren“.
  Fassade von 'Viva Madrid' Fassade von 'Viva Madrid'

Obwohl es auf mehr als 150 Jahre Geschichte verweisen kann, hat sich Viva Madrid doch auch erneuert, sowohl in seinem Äußeren als auch in der Arbeitsweise. Ins Auge springt das üppige Angebot an Cocktails, zu denen auch der sehr traditionelle und wieder in Mode gebrachte Wermut gehört.
 
Auf die Frage, wie sehr sich die Krise ausgewirkt hat, sagt Ricardo García, dass die Rezession in der Branche wie ein großes Sieb gewirkt hat. Die Jahre 2017 und 2018 waren geprägt von vielen Neuigkeiten und Investitionen, das Angebot hat sich vergrößert. Natürlich sind auf der anderen Seite auch viele Projekte auf der Strecke geblieben.
 
In jeder Branche ist es um die Nachfrage anders bestellt. Der Angestellte in einem anderen Geschäft mit mehr als hundertjähriger Tradition, dem 1882 eröffneten Guitarras José Ramírez, erzählt, dass der Verkauf von Instrumenten in Schüben erfolgt, unabhängig von Krisen. Sein Publikum ist sehr vielfältig, es gibt sehr spezialisierte Kunden, aber auch Anfänger.

Das Problem der Gentrifizierung

Ob ein Geschäft eine lange Lebensdauer hat, hängt von sehr vielfältigen Faktoren ab. Auch wenn einige dieser prägenden Gebäude wie Viva Madrid oder Licores Cabello von der Stadt Madrid unter Denkmalschutz gestellt wurden, mussten andere ihre Pforten schließen. Nach Angaben ihrer Inhaber gibt es weder Hilfe noch Unterstützung durch die Stadtverwaltung. Pilar Losa, die Inhaberin von Antigüedades Peña in der Calle del Prado, beschreibt, wie sie ihr kleines Geschäft in Gang hält: „Die Stadtverwaltung hat die Grundsteuer und die Abgaben für die Müllabfuhr stark erhöht. Hinzu kommt, dass in dieser Straße weder gespritzt und auch sonst nie gereinigt wird. Das wirkt sich auf das Bild des Viertels und damit auch des Geschäfts aus. Sie erhöhen die Steuern, aber im Gegenzug gibt es keine Leistung.“

Innenraum von Licores Cabello

Die Mehrzahl der Straßen des Literatenviertels sind inzwischen Fußgängerzonen oder Bereiche mit eingeschränktem Fahrzeugverkehr, was für die Geschäfte im Viertel eine weitere Einschränkung bedeutet. Sowohl Pilar Losa als auch David Cabello, der Inhaber von Licores Cabello, machen deutlich, dass diese Beschränkungen beim Zugang zu ihren Geschäften sie wirklich behindern, denn dadurch wird die Anlieferung von Waren erschwert, was am Ende die Kundschaft fern hält.
 

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