Über die Residenz
„Consonants“ ist eine choreografische Auseinandersetzung, inspiriert vom hypnagogischen Zustand – einem Wahrnehmungsphänomen, das in der Übergangsphase zwischen Wachsein und Schlaf auftritt, wenn die Gehirnfrequenzen von Beta (12,5–30 Hz) zu Alpha (8–12 Hz) wechseln. Während sich die Gedanken vom objektiven in den subjektiven Rhythmus verschieben, kann unser sensorischer Körper diese neurologische Veränderung in Form halluzinatorischer Bilder, Klänge oder körperlicher Empfindungen übersetzen. Anders als in Träumen, in die man vollständig eintaucht, erscheinen hypnagogische Visionen wie aus der Distanz beobachtet – der Mensch wird zum/zur Zuschauer*in seiner eigenen Wahrnehmung.
Das Projekt versteht Hypnagogie nicht nur als Thema, sondern spiegelt ihre Wahrnehmungsqualitäten im performativen Raum wider. Es entsteht ein dynamisches Zusammenspiel aus Klang, Ästhetik und Choreografie, das gezielt mit der Interpretation der Zuschauer*innen spielt, sie destabilisiert und irritiert. Indem es die wechselhafte Natur der Hypnagogie aufgreift, hinterfragt „Consonants“ binäre Deutungen von Realität und eröffnet neue Perspektiven auf zwischenmenschliche Beziehungen.
Im Zentrum steht die Komplexität von 1:1-Verbindungen: Das Projekt lädt das Publikum ein, sich mit semantischer Instabilität auseinanderzusetzen – einem Zustand, in dem Bedeutung und Beziehung ständig im Wandel sind.
Die Recherche entwickelt eine choreografische Bewegungssprache zwischen zwei Performer*innen, die sowohl bildhafte Assoziationen erzeugt als auch mit Rhythmus, Groove und Symmetrie spielt, um das Spannungsfeld zwischen Konsonanz und Dissonanz zu erforschen.
„Consonants“ entsteht parallel zu Fernanda Libman's Masterstudium am DAS Choreography (Amsterdam), das im September 2024 begonnen hat und im Juni 2026 endet. Die Produktionsphasen, Studio-Showings und Abschlusspräsentationen orientieren sich am Kalender des Studiengangs und an weiteren Partnerresidenzen wie Workspace Brussels und Espaço Desterro (Rio de Janeiro).
Im kommenden September zeigt die Künstlerin eine erste Studiopräsentation am DAS. Während ihres zehntägigen Aufenthalts am Goethe-Institut Madrid arbeitet sie gemeinsam mit dem Performer Víctor Conto, der aus Madrid stammt und zwischen Madrid und Amsterdam lebt, auf diese Präsentation hin.
Die Abschlusspräsentation von „Consonants“ findet im April 2026 am DAS Choreography statt und markiert das Ende der Kreationsphase.