Die Ausschreibung in Zusammenarbeit mit dem Museo Nacional del Prado ermöglicht Forschungsaufenthalte für Akademiker:innen und Forscher:innen auf dem Gebiet der Kunstgeschichte oder verwandter Disziplinen.
Die Forschungsaufenthalte, die nach dem bedeutenden Kunsthistoriker und Professor Martin Warnke (1937-2019) benannt sind, einem Kenner der Werke von Künstlern wie Rubens, Velázquez und Goya, die auch in den Sammlungen des Prado vertreten sind, wurden vom Museo Nacional del Prado in Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut Madrid ins Leben gerufen, um Akademikern und Forschern, die ihren Wohnsitz in einem Land der Europäischen Union haben, kurze Studienaufenthalte zu ermöglichen.
Das Programm sieht den Aufenthalt eines Forschers für vier aufeinanderfolgende Wochen vor.
Die Aufenthaltsdauer ist auf den Zeitraum vom 1. bis 30. September festgelegt. In Ausnahmefällen kann auch ein anderer Zeitraum innerhalb des Herbstquartals 2025 in Betracht gezogen werden, der in der Bewerbung angegeben werden muss, damit er von der Jury berücksichtigt werden kann.
Der ausgewählte Stipendiat erhält einen Platz zum Arbeiten im Centro de Estudios des Museo del Prado, spezielle Zugangszeiten für die erweiterte Nutzung der Bibliothek, der Archive und der Dokumentation, Zugang zu den Datenbanken und zu den Verwaltungs- und Dokumentationssystemen der Sammlung des Museo del Prado, die ausdrücklich für die Durchführung seiner/ihrer Studien genehmigt werden, direkten Kontakt mit der akademischen Gemeinschaft des Museums und Zugang zum Campus des Prado.
Während des einmonatigen Aufenthalts kann der ausgewählte Forscher kostenlos in einer vom Goethe-Institut Madrid zur Verfügung gestellten Wohnung wohnen, wo er auch Zugang zu einem Arbeitsraum hat, falls er zusätzlichen Platz zum Arbeiten benötigt.
Vom 1. Februar bis zum 30. April 2025
Vom 1. bis zum 30. September 2025
Die Bewerbungsfrist läuft vom 1. Februar bis zum 30. April.
Die Bewerbung erfolgt durch das Ausfüllen des Bewerbungsformulars.
Dem Formular sind eine Kopie des Personalausweises oder Reisepasses, ein kurzer Lebenslauf und eine Zusammenfassung des Forschungsprojekts mit maximal 400 Wörtern beizufügen.
Es werden nur Bewerbungen berücksichtigt, die die im Formular geforderten Unterlagen enthalten.
Die Bewerbungen werden im Laufe des Monats Mai beantwortet.
Bewerben können sich Forscher, die an ihrer Doktorarbeit arbeiten oder bereits einen Doktortitels haben.
Berücksichtigt werden Forschungsarbeiten auf dem Gebiet der Kunstgeschichte oder verwandter Disziplinen, deren Projekte einen Bezug zu den Sammlungen des Museo del Prado haben oder sich mit Themen befassen, die mit diesen verbunden sind.
Es gibt keine Altersgrenze.
Diejenigen, die bereits einen solchen Aufenthalt genossen haben, können sich erneut bewerben.
Voraussetzung für die Beantragung des Aufenthalts ist der dauerhafte Wohnsitz in einem Land der Europäischen Union.
Bewerbungen können in den folgenden Sprachen eingereicht werden: Spanisch, Englisch und Deutsch.
Der ausgewählte Forscher muss für die Dauer seines Aufenthalts über eine Kranken-, Unfall- und Haftpflichtversicherung verfügen.
Eine Jury, die sich aus Vertretern des Museo del Prado und des Goethe-Instituts Madrid zusammensetzt wird eine einheitliche und unwiderrufliche Auswahl treffen.
Text von Karin Hellwig, Kunsthistorikerin und Autorin aus München, die im Oktober 2023 die erste Residentin des neu aufgelegten Programms Martin Warnke war.
Martin Warnke (1937–2019) war eine der herausragenden Persönlichkeiten der deutschen Kunstgeschichte des 20. Jahrhunderts. Als Professor, erst an der Universität Marburg von 1971 bis 1978 und anschließend an der Universität Hamburg bis zu seiner Emeritierung 2003, hat er in seinen Studien aufgezeigt, dass Kunst bzw. Kunstwerke immer in politische Kontexte unter Berücksichtigung kultureller, historischer und gesellschaftlicher Konstellationen eingebunden sind. Damit hat er das Fach um Perspektiven erweitert, die in der deutschen Nachkriegskunstgeschichte bis zu bis zu diesem Zeitpunkt vermieden worden waren. Bereits 1964 hatte der damals Siebenundzwanzigjährige als Berichterstatter der Stuttgarter Zeitung über den Auschwitz-Prozess in Frankfurt am Main Zeichen gesetzt. Mit seinen Schriften hat Warnke seit den 1980er Jahren die Forschungen zum Hamburger Gelehrten Aby Warburg (1866–1929) geprägt, dessen kulturwissenschaftlicher Ansatz seinem eigenen kritischen Denken nahe kam.
Auf Warnkes Initiative hin hat die Stadt Hamburg 1993 das ehemalige Gebäude der 1933 nach London emigrierten Kulturwissenschaftlichen Bibliothek Warburg erworben, das heute unter dem Namen Warburg-Haus als interdisziplinäres Forum für Kunst- und Kulturwissenschaften dient. Mit seinem Interesse für die Vertreibung der Kulturwissenschaftlichen Bibliothek Warburg aus Hamburg wie für die Generation der Emigranten und deren Vermächtnis insgesamt machte Warnke Hamburg zum Zentrum für Forschung zur Kunstgeschichte im Exil.
Seine Affinität zur iberischen Welt wurzelt in seiner Biographie, denn geboren und aufgewachsen ist Martin Warnke in Brasilien. Die Sprachen wie die Kulturen der Iberischen Halbinsel und Lateinamerikas waren ihm vertraut. Als einer der ersten deutschen Kunsthistoriker der Nachkriegszeit wandte er sich der Erforschung der spanischen Barockmalerei zu. Archivstudien für seine Dissertation über Peter Paul Rubens (1577–1640) führten ihn 1960/61 mit einem DAAD-Stipendium in das Spanien Francos. Es wirkt schlüssig, dass sich Warnke in seiner Arbeit auf die Freiheit zur Kritik, und damit auf einen politischen Aspekt im Werk des Barockmalers konzentrierte, der sich zweimal am Hof der spanischen Habsburger aufgehalten hat. Schließlich klingt auch in seiner Monographie über Diego Velázquez (1599–1660) (spanische Ausgabe „Velázquez. Forma y reforma“, Madrid: CEEH 2007) das Thema des Hofkünstlers und dessen künstlerischer Freiheit an. Denn die Maler – so Warnkes, die damals gängige Deutungen revolutionierende Sicht – waren in den bürgerlichen Zunftverbänden Zwängen unterworfen, die sie am Hof abzustreifen vermochten.
Es war Martin Warnke, der 1988 die Initiative zur Gründung der Carl Justi-Vereinigung e.V. ergriff und damit ein Forum für deutschsprachige WissenschaftlerInnen schuf, die sich der Erforschung spanischer, portugiesischer und iberoamerikanischer Kunst widmen. Ziel war es, damit an die im 19. Jahrhundert von Carl Justi (1832–1912) betriebenen Studien zur Kunst der Iberischen Halbinsel anzuknüpfen und diese inhaltlich wie methodisch zu aktualisieren. Mit seinen weitreichenden Kontakten förderte Warnke den Dialog mit den KollegenInnen im iberischen und iberoamerikanischen Raum, der sich in Form von Kolloquien und Publikationen niederschlägt, z.B. der von ihm ab 1995 mitherausgegebenen Reihe ARS IBERICA ET AMERICANA (Madrid/Frankfurt: Iberoamericana Vervuert, bisher 23 Bände).