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19:00 Uhr

Elfi Mikesch: Was soll'n wir denn machen ohne den Tod + Online Gespräch mit Elfi Mikesch

Film|Kinovorführung + Online-Gespräch

Blick in einen Flur, an dessen Ende wir die Silhouette einer alten Frau gegen den Hintergrund des hellen Zimmers hinter ihr sehen E. Mikesche: Was soll'n wir machen ohne den Tod © Deutsche Kinemathek, Bild: E. Miksch

Vier Personen, ältere und jüngere, sitzen um einen Tisch, auf dem eine große Obstschale steht. E. Mikesch - Was soll'n wir denn machen ohne den Tod © Deutsche Kinemathek, Bild: E. Mikesch

Elfi Mikeschs poetischer Dokumentarfilm über ein unkonventionelles Pflegeheim in Hamburg Ende der 1970er Jahre entführt uns in einen traumhaften Raum zwischen Leben und Tod, in dem Humor und Melancholie, zärtliche Zweisamkeit und Einsamkeit nebeneinander existieren. Gegenstände und Hände entwickeln ein Eigenleben, eingefangen von einer sanft neugierigen Kamera, die durch den Raum gleitet, während Stimmen plaudern, liebekosen, nachdenken und aus Tagebüchern oder Fernsehzeitschriften vorlesen.

Wir freuen auf ein Gespräch mit Elfi Mikesch im Anschluss an den Film.

BRD1979, 101 Min., mit englischen Untertiteln.
Buch, Regie und Kamera: Elfi Mikesch.


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Elfi Mikesch zum Film: „Wie sonderbar sind diese Wesen, die, was nicht deutbar, dennoch deuten – was nie geschrieben wurde, lesen – Verworrenes beherrschend binden und Wege noch im ewig Dunklen finden.“* Dieser Satz, zitiert von der über siebzigjährigen Käthe, der als Fragment ihres ganzen Lebens auftaucht, ist auch der Leitsatz des Films „Was soll’n wir denn machen ohne den Tod“. Im Film wird von Geschichten alter Leute erzählt, die von der Außenwelt wenig wahrgenommen werden. Auch die Geschichte zweier alter Frauen, die sich in diesem Altersheim gefunden haben. Dazu kommt ein junges Paar, Barbara, Steven und ein Kind, für unbestimmte Zeit in dieses Altenhotel in Hamburg, um die Pensionäre zu betreuen. Trotz mancher Fehler bewältigen sie ihre Aufgabe mit viel Herzlichkeit und Witz. Die Zuschauer erhalten Einblick in den üblichen Tagesablauf eines Altenheims, der allerdings auch durch die unkonventionelle Unterstützung der Leiterin aus dem Rahmen des Normalen fällt. Durch den freundlichen und zärtlichen Umgang der „Neuen“ mit den „Alten“ beginnt eine Kommunikation, die normalerweise in Heimen wegen Personalmangels oder Desinteresse nicht anzutreffen ist. Im Film hat die Melancholie, ausgelöst durch die Konfrontation mit der „alltäglichen“ Hinfälligkeit, den gleichen Stellenwert, wie die klaren Momente der Stärke und Lebensfreude. Ein Plädoyer für die Möglichkeiten individueller Selbstverwirklichung jenseits aller Altersgrenzen. (Quelle: Elfi Mikesch)

*Das Zitat stammt aus dem Einakter Der Tor und der Tod (1893) von Hugo von Hofmannsthal, ist aber leicht verändert. So heißt es im Original: „Wie wundervoll sind diese Wesen“. In dem Stück geht es um eine Begegnung zwischen dem Tod und einem oberflächlichen Edelmann, der erst in der Stunde seines Todes den Wert tieferer menschlicher Bindungen realisiert. Die zitierten Zeilen spricht der Tod zum Abschluss des Stücks.

BRD 1979, 101 Min., Farbe & s/w, digital (Originalformat: 16mm), 101 Min., mit englischen Untertiteln.
Buch, Regie und Kamera: Elfi Mikesch, Schnitt: Renate Merck, Elfi Mikesch, Ton: Katharina Geinitz, Assistenz: Anke-Rixa Hansen, Produktion: Oh Muvie Film Berlin und Laurens Straub im Auftrag des ZDF, Redaktion: Maya Constantin, Uraufführung: Februar 1980, Internationale Filmfestspiele Berlin, Internationales Forum des jungen Films.
Mit Frau Käthe, Frau Traute und Bewohnerinnen und Bewohner einer Altenpension in Hamburg, Angestellte und Besucher, Barbara Gold, Edith London, Steven Adamczewski, Soma und Christa Weisenseel.