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Vereinigtes Königreich London

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10:45–12:15 Uhr

KinoTage: Lotte Reiniger - Die Abenteuer des Prinzen Achmed

Film|Allgemeines Publikum - Familienmatinée

  • Goethe-Institut London, London

  • Preis Preis: £6, £3 ermäßigt und für Goethe-Institut Sprachkursteilnehmer*innen & Bibliotheksmitglieder.
  • Teil der Reihe: KinoTage - Deutsches Kino Erleben

Scherenschnittbild, das die Silhouette eines Bogenschützen vor grünem Hintergrund zeigt L. Reiniger: Die Abenteuer des Prinzen Achmed © Primrose Productions

Scherenschnittbild, das die Silhouette eines Bogenschützen vor grünem Hintergrund zeigt L. Reiniger: Die Abenteuer des Prinzen Achmed © Primrose Productions

Anlässlich des hundertjährigen Jubiläums von Lotte Reinigers Die Abenteuer des Prinzen Achmed freuen wir uns sehr, ihr wunderbares Meisterwerk präsentieren zu dürfen. Inspiriert von den Geschichten aus Tausendundeiner Nacht entführt uns Reinigers zauberhafte Silhouettenanimation in eine faszinierende Welt voller fliegender Pferde, böser Zauberer, kühner Hexen, prunkvoller Paläste und wilder Landschaften.

Am Tage, als in der Stadt des großen Kalifen dessen Geburtstag gefeiert wird, erscheint der mächtige Zauberer und stellt sein Wunderwerk vor: ein Pferd, das durch die Lüfte fliegen kann. Der Kalif möchte dieses Zauberpferd unbedingt besitzen, aber als Gegengabe soll er seine bezaubernde Tochter Dinarsade dem hässlichen Zauberer zur Frau geben. Das erzürnt Dinarsades Bruder Achmed. Er jagt den zudringlichen Zauberer fort, doch der versteht es, den Prinzen auf das verhängnisvolle Pferd zu locken. So beginnt Achmeds abenteuerliche Reise.

Mit Die Abenteuer des Prinzen Achmed schuf Lotte Reiniger den ersten abendfüllenden Trickfilm der Filmgeschichte. Technik und Ästhetik dieser Filmgattung entwickelte sie bereits in den 1920er Jahren zur künstlerischen Perfektion. Ihr Stil knüpft an die chinesischen Schattenspiele an, die sie durch die technischen Möglichkeiten des Films erweiterte. Reiniger schnitt alle Figuren, Tiere und Hintergründe detailgenau aus schwarzem Karton mit einer kleinen Schere aus. Die beweglichen Gliedmaßen der Figuren verband sie untereinander mit feinen Drahtgelenken und Fäden, damit sie diese Bild für Bild verstellen konnte. Drei Jahre dauerte es, den Film fertigzustellen. 250.000 Einzelbilder wurden gedreht, von denen am Ende nur 100.000 verwendet wurden.

Reinigers Inspirationsquellen, darunter das chinesische Schattentheater und die Geschichten aus Tausendundeiner Nacht, sowie ihr Wunsch, eine märchenhafte und exotische Welt zu erschaffen, führten dazu, dass sie Elemente verschiedener Kulturen miteinander vermischte und kulturelle Stereotype aufgriff. Aus ihrer Faszination für das Fremde heraus romantisierte sie diese Kulturen entsprechend den damals verbreiteten Vorstellungen von Asien und dem Nahen Osten und reproduzierte dabei auch negative Klischees. Andererseits gestaltet sie eine alte Hexe als positive Figur, ohne deren entschlossenes Eingreifen die Abenteuer des Prinzen möglicherweise kein gutes Ende genommen hätten. Zudem zeigt der Film wohl einen der ersten Küsse zwischen zwei Männern auf der Leinwand. Diese Widersprüchlichkeiten lassen uns den Film heute, 100 Jahre nach seiner Premiere, anders betrachten und seinen Zauber vielleicht anders wahrnehmen. Doch seine Wirkung hat er bis heute behalten.

Deutschland 1926, farbiger Silhouetten-Animationsfilm, 65 Min. Mit englisch untertitelten Zwischentiteln.
Regie: Lotte Reiniger. Mit der Originalmusik von Wolfgang Zeller.


Im Anschluss an den Film beiten wir den von Lotte Reinigers Silhouetten-Animation inspirierten Workshop für Kinder im Alter von 7 - 12 Jahren  an. Mehr Informationen finden sie hier.


Über Lotte Reiniger

Lotte Reiniger wurde 1899 in Berlin geboren und starb 1981 in Dettenhausen bei Tübingen. Die ausgebildete Silhouettenkünstlerin stieg mit Paul Wegeners Der Rattenfänger von Hameln (1918) ins Filmgeschäft ein. Mit ihren zahlreichen Kurzfilmen begründete sie das neue Genre der Silhouettenfilme. Die Abenteuer des Prinzen Achmed (1923–1926) war das Ergebnis dreijähriger Arbeit und wurde zum ersten Animationsspielfilm der Filmgeschichte.
Zu einer Auswahl ihrer weiteren Filme gehören: Aschenputtel (1922), die drei Teile von Dr. Dolittle und seine Tiere (1928), Harlekin (1931), Carmen (1933), Papageno (1935), Das tapfere Schneiderlein (1954), Der Heuschreck und die Ameise (1954), Jack und die Bohnenranke (1955), Der verlorene Sohn (1974) sowie Aucassin und Nicolette (1976). (Quelle: filmportal.de)