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19:00 Uhr
Goethe-Kino: Die bitteren Tränen der Petra von Kant von Rainer Werner Fassbinder + Intro
Film | Kinovorführung
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Goethe-Institut London, London
- Preis Preis: £6, £3 ermäßigt und für Goethe-Institut Sprachkursteilnehmer*innen & Bibliotheksmitglieder.
- Teil der Reihe: Goethe-Kino 2026
Wir freuen uns, im Rahmen unserer Goethe-Kino-Reihe in Kooperation mit Aurora Metro Books, Rainer Werner Fassbinders gefeierte Verfilmung seines eigenen Bühnenstücks in zu zeigen. Der Vorführung geht eine Einführung voraus.
Über den Film
Petra von Kant ist eine erfolgreiche und selbstbewusste Modedesignerin, die sich nach zwei Ehen mit Männern in Karin verliebt, eine jüngere Frau aus einem ganz anderen sozialen Umfeld. Karin zieht bei Petra ein und nimmt deren finanzielle und emotionale Unterstützung an, bleibt jedoch unnahbar und pflegt neben ihrer Beziehung mit Petra weiterhin Beziehungen zu Männern. Die zunehmend unausgewogene Beziehung entfaltet sich unter den wachsamen Blicken von Petras schweigsamer Assistentin Marlene, deren Hingabe lediglich mit Demütigung und Vernachlässigung beantwortet wird. Als Karin schließlich zu ihrem Ehemann zurückkehrt, zerbricht Petras sorgsam aufrechterhaltene Fassade, und sie stürzt in Verzweiflung. Der Film, in dem Männer nur off-screen präsent sind, erschafft eine hoch stilisierte weibliche Welt von wechselnder Machtverhältnisse, Begehren und emotionaler Abhängigkeiten.
Die auf Rainer Werner Fassbinders eigenem Theaterstück basierende Verfilmung Die bitteren Tränen der Petra von Kant wurde von westdeutschen Kritikern positiv aufgenommen und mit Deutschen Filmpreisen für die schauspielerischen Leistungen von Margit Carstensen und Eva Mattes sowie für die Kameraarbeit von Michael Ballhaus ausgezeichnet. Der Film bleibt der Theaterfassung weitgehend treu, spielt vollständig in Petras Wohnung und bewahrt die Fünf-Akt-Struktur des Stücks. Zugleich verwandeln Fassbinder und Ballhaus den begrenzten Raum durch expressive Kameraführung, sorgfältig komponierte Interieurs, extravagante Kostüme und wiederkehrende visuelle Motive in einen zutiefst filmischen Erfahrungsraum. Die Wohnung wird dabei zum Spiegel von Petras Gefühlswelt und ihres zunehmenden Gefangenseins. Während einige feministische Kritikerinnen dem Film vorwarfen, negative Klischees lesbischer Beziehungen zu reproduzieren, betonte Fassbinder selbst, dass es ihm nicht um Sexualität an sich gehe, sondern um die Mechanismen von Liebe, Macht und emotionaler Ausbeutung.
BRD, 1972, Farbe, 124 Min. Mit englischen Untertiteln. Regie und Drehbuch (nach dem gleichnamigen Theaterstück): Rainer Werner Fassbinder. Mit Margit Carstensen, Hanna Schygulla, Irm Hermann, Katrin Schaake, Eva Mattes und Gisela Fackeldey.
Wer das Stück lesen möchte, kann es bei Aurora Metro Books in einer zweisprachigen Ausgabe erwerben, die zusätzlich das Stück Blut am Hals der Katze (Blood on the Neck of the Cat) enthält. Die Übersetzung stammt von Anthony Vivis, das Vorwort von Martin Hall.
Rainer Werner Fassbinder
Rainer Werner Fassbinder (1946–1982) war Filmemacher, Dramatiker, Schauspieler und Theaterregisseur und zählt zu den prägenden Figuren des westdeutschen Nachkriegskinos. Bekannt für sein kompromissloses und enorm produktives Schaffen, setzte er sich in seinen Werken mit Themen wie Macht, Entfremdung, Begehren und gesellschaftlicher Unterdrückung auseinander und legte dabei immer wieder de Widersprüche der deutschen Nachkriegsgesellschaft Offen. Nachdem er die Schule im Alter von sechzehn Jahren verlassen hatte, schloss sich Fassbinder dem experimentellen Münchner Action-Theater an, wo er begann, eigene Stücke zu schreiben, Regie zu führen und zu spielen. Als die Gruppe 1968 von den Behörden geschlossen wurde, gründete er gemeinsam mit anderen Mitgliedern das Kollektiv antiteater, dessen Ensemble viele seiner wichtigsten Weggefährtinnen und Weggefährten werden sollten.1969 drehte Fassbinder seinen ersten Spielfilm. In den folgenden dreizehn Jahren realisierte er mehr als vierzig Filme sowie zahlreiche Theaterinszenierungen und etablierte sich als einer der produktivsten und einflussreichsten Regisseure seiner Generation. Zu seinen wichtigsten Werken zählen Katzelmacher (1969), Die bitteren Tränen der Petra von Kant (1972), Angst essen Seele auf (1974) und In einem Jahr mit 13 Monden (1978), die menschliche Beziehungen durch die Perspektiven von Klasse, Geschlecht, Sexualität und Macht untersuchen. Zu seinen größten Leistungen gehört die berühmte BRD-Trilogie: Die Ehe der Maria Braun (1979), Lola (1981) und Die Sehnsucht der Veronika Voss (1982), die gemeinsam ein scharfes Porträt der Bundesrepublik Deutschland der Nachkriegszeit zeichnen. Darüber hinaus adaptierte Fassbinder Alfred Döblins Berlin Alexanderplatz 1980 zu einem wegweisenden 14-teiligen Fernseh-Epos. Fassbinder starb 1982 im Alter von nur 37 Jahren in München und hinterließ eines der einflussreichsten Werkkomplexe des europäischen Kinos.
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