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19:00 Uhr

Goethe-Kino: Mascha Schilinski - In die Sonne Schauen

Film|Goethe-Kino (Kinovorführung)

  • Goethe-Institut London, London

  • Preis Preis: £6, £3 ermäßigt und für Goethe-Institut Sprachkursteilnehmer*innen & Bibliotheksmitglieder.
  • Teil der Reihe: Goethe-Kino 2026

Eine Gruppe von Menschen in altmodischer Kleidung ist von der Seite zu sehen, wie sie nach rechts blicken. In der Mitte schaut ein kleines Mädchen, auf das das Licht fällt, den Betrachter an. Mascha Schilinski. In die Sonne Schauen© MUBI

Eine Gruppe von Menschen in altmodischer Kleidung ist von der Seite zu sehen, wie sie nach rechts blicken. In der Mitte schaut ein kleines Mädchen, auf das das Licht fällt, den Betrachter an. Mascha Schilinski. In die Sonne Schauen© MUBI

Mascha Schilinskis in Cannes mit dem Jurypreis ausgezeichneter Film erzählt auf sinnlich-atmosphärische Weise die von Gewalt und Unterdrückung geprägten Geschichten vier junger Frauen, die zu verschiedenen Zeiten im Laufe eines Jahrhunderts auf einem abgeschiedenen Hof leben  in Ostdeutschland leben.

Ein abgeschiedener Hof in der Altmark in Sachsen-Anhalt ist der Ankerpunkt dieses Films, der von vier Frauen erzählt, die im Laufe eines Jahrhunderts hier ihre Kindheit oder Jugend verbringen: Die vor dem Ersten Weltkrieg aufwachsende Alma fürchtet sich aufgrund einer Totenfotografie eines kleinen Mädchens auch als Kind zu sterben; Erika, die in den 1940er-Jahren auf dem Hof lebt, entwickelt eine seltsame Faszination für ihren versehrten Onkel; in den 1980er-Jahren erlebt Angelika zur Zeit der DDR auf dem Hof ihr sexuelles Erwachen und eine zunehmende Todessehnsucht; in der Gegenwart ist es Nelly, die mit ihrer Familie aus Berlin aufs Land gezogen ist und deren scheinbar idyllisches Leben durch Träume und ein sich wiederholendes Unglück aus der Vergangenheit erschüttert wird.
 

Ein Garten, in dem link im Hintergrund jemand im Gartenstuhl sitzt und im Vordergrund ein junges Mädchen einen Handstand gegen einen Baum macht. Mascha Schilinski. In die Sonne Schauen© MUBI


All dies wird nicht chronologisch erzählt. Vielmehr durchbrechen die Zeitebenen immer wieder einander. So verbinden sich die vier Lebensgeschichten auf subtil‑fließende Weise: Ängste, Sehnsüchte und Verletzungen scheinen wie durch Osmose durch die Zeit zu wandern und wirken unterschwellig lange nach. Tod und Gewalt in unterschiedlichen Formen durchziehen die Schicksale dieser vier Frauen, deren Erfahrungen wir ganz aus ihrer Perspektive nachvollziehen – über ihre Sinneseindrücke, die durch den virtuosen Einsatz von Sound und Lichteffekten unmittelbare Präsenz gewinnen und uns ihre physische Verletzlichkeit spüren lassen.
 

Eine Frau mit blonden Haaren und Brille hält sich das rechte Auge zu und blickt mit dem anderen Auge auf ein Blatt mit zwei Symbolen, dass von einer in das Bild hinein reichenden Hand hochgehalten wird. Mascha Schilinski. In die Sonne Schauen© MUBI

Mascha Schilinskis zweiter Spielfilm war nach acht Jahren der erste deutsche Beitrag im Wettbewerb von Cannes 2025 und erhielt den renommierten Preis der Jury. Im gleichen Jahr wurde der Film als deutscher Beitrag zu den 98. Oscar‑Verleihungen in der Kategorie „Best International Feature Film“ nominiert, gewann aber nicht. Ähnlich erging es Maren Ade mit Toni Erdmann, der 2016 in Cannes im Wettbewerb lief, den Preis der Filmkritik erhielt und dann für den Oscar ins Rennen geschickt wurde. Beide Filme könnten kaum unterschiedlicher sein, doch zeigen sie auf jeweils ganz eigene Weise eine starke filmische Vision.

Deutschland 2025, Farbe, 154 Min. Mit englischen Untertiteln.
Regie: Mascha Schilinski. Mit Hanna Heckt, Lea Drinda, Lena Urzendowsky, Laeni Geiseler, Susanne Wuest u. a.

 

Mascha Schilinski

Mascha Schilinski wurde 1984 in Berlin geboren. Sie arbeitete zunächst in einer Kinder- und Jugendcasting-Agentur für Film und Fernsehen in Potsdam Babelsberg, bevor sie mehrere Jahre auf Reisen ging und Kurzgeschichten schrieb. Sie absolvierte die Masterclass für Drehbuchschreiben an der Filmschule Hamburg und arbeitete als Autorin. Anschließend begann Mascha Schilinksi ihr Regiestudium an der Filmakademie Baden-Württemberg. Ihr preisgekrönter Kurzfilm Die Katze entstand bereits im zweiten Studienjahr. Im dritte Die Tochter ihren ersten Spielfilm. Der Film mit Helena Zengel in der Hauptrolle feierte 2017 seine Weltpremiere auf der Berlinale in der Sektion Perspektive Deutsches Kino und wurde für den GWFF Award – Best First Feature nominiert. Die Tochter lief auf zahlreichen Filmfestivals, wurde mehrfach international ausgezeichnet und kam 2018 in die Kinos.