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Vereinigtes Königreich

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18:30–22:00 Uhr

KinoTage: Ildikó Enyedi - Silent Friend + Q&A

Film|Allgemeines Publikum

  • Goethe-Institut London, London

  • Preis Preis: £6, £3 ermäßigt und für Goethe-Institut Sprachkursteilnehmer*innen & Bibliotheksmitglieder.
  • Teil der Reihe: KinoTage - Deutsches Kino Erleben

Ein Mann steht mit dem Rücken zu uns und schauft auf einen großen Baum vor ihm. © Pandora Film

Ein Mann steht mit dem Rücken zu uns und blickt auf einen gigantischen Baum © Pandora Film

Eine visuell atemberaubende, ein Jahrhundert umspannende Reflektion über die verborgenen Verbindungen zwischen Mensch und Natur, erzählt anhand der Begegnungen dreier Personen mit Pflanzen.

Wir freuen uns sehr, dass die Regisseurin des Film, Ildikó Enyedi, nach der Vorführung für ein Gespräch bei uns zu Gast sein wird.
Im Botanischen Garten der mittelalterlichen Universitätsstadt Marburg wird ein jahrhunderte alter Ginkgo Baum Zeuge entscheidener Momente im Leben dreier Menschen: Jahr 2020 kommt der Neurowissenschaftler Professor Wong just zum Beginn des COVID-19-Lockdowns in Marburg an und richtet seine Aufmerksamkeit von der Erforschung des Bewusstseins von Babys auf diesen uralten Baum. Im Jahr 1972 beginnt Hannes, Literaturstudent und Sohn eines Bauern, der Pflanzen eigentlich immer hinter sich lassen wollte, einer Kommilitonin zuliebe eine Geranie zu pflegen, und ist schon bald von dieser fasziniert. Im Jahr 1908 entdeckt Grete, die erste weibliche Studentin der Universität, mithilfe der Fotografie verborgene Muster in der Natur. So isoliert wie der einzelne weibliche Gingko Baum selbst entwickeln alle drei ihre eigenen Methoden, mit Pflanzen in Verbindung zu treten, und werden von diesen sinnlichen Begegnungen mit einer anderen Spezies tiefgreifend verändert.

Angeregt durch die Idee ihres Produzenten, einen Film über Pflanzen zu machen, entwickelte die ungarische Regisseurin Ildikó Enyedi daraus eine vielschichtige Auseinandersetzung mit den grundverschiedenen Arten, wie Menschen und Pflanzen die Welt wahrnehmen und dennoch miteinander in Beziehung treten. Der Film ist zugleich eine Reflexion über unterschiedliche Erfahrungen und Rhythmen der Zeit. Während die Protagonistinnen und Protagonisten, ihre wissenschaftlichen Interessen und ihre Methoden von den jeweiligen historischen Epochen geprägt sind, in denen sie leben, überdauert der Ginkgobaum sie alle. Die Atmosphäre jeder Zeit wird durch einen eigenen visuellen Stil eingefangen: Schwarzweiß-Aufnahmen auf 35-mm-Film für das frühe 20. Jahrhundert, körniger, warm getönter 16-mm-Film für die 1970er Jahre und eine digitale Bildästhetik für die Gegenwart. Zur Schönheit und immersiven Sinnlichkeit des Films tragen zudem Vogelperspektiven, Nahaufnahmen und Zeitraffersequenzen bei, die die Wahrnehmungen und Reaktionen des Ginkgobaums erfahrbar machen.
Der Baum, den Enyedi bereits aus der Zeit kannte, als ihr Ehemann, der deutsche Autor und Übersetzer Wilhelm Droste, in Marburg studierte, ist zweifellos der eigentliche Star des Films. Doch auch die menschliche Besetzung kann sich sehen lassen: Neben den international renommierten Schauspielstars Tony Leung und Léa Seydoux sind die deutschsprachigen Nachwuchsdarsteller Luna Wedler und Enzo Brumm mit wunderbar erfrischenden schauspielerischen Leistungen dabei.

Deutschland, Frankreich, Ungarn, China 2025, Farbe, 147 Min. Mit englischen Untertiteln.
Drehbuch und Regie: Ildikó Enyedi. Mit Tony Leung Chiu-wai, Luna Wedler, Enzo Brumm, Yun Huang, Sylvester Groth, Martin Wuttke, Johannes Hegemann, Rainer Bock und Léa Seydoux.


Festivals

Auswahl: Internationale Filmfestspiele von Venedig, Italien, Hauptwettbewerb (2025); Seminci – Internationale Filmwoche Valladolid, Spanien, Offizielle Sektion (2025); Chicago International Film Festival, USA, Internationaler Wettbewerb (2025); Internationales Filmfestival Thessaloniki, Griechenland, Sondervorführungen (2025); Seattle International Film Festival, USA, Offizielle Auswahl (2026).


Auszeichnungen

FIPRESCI-Preis, Marcello-Mastroianni-Preis für die beste Nachwuchsschauspielerin, Premio CinemaSarà, Edipo-Re-Preis, Green Drop Award, Leoncino d’Oro Award – Cinema of UNICEF (Internationale Filmfestspiele von Venedig 2025); Großer Jurypreis, Internationaler Wettbewerb (Internationales Filmfestival La Roche-sur-Yon 2025, Frankreich); Silver Hugo für die Beste Kamera (Chicago International Film Festival 2025); Silberne Ähre (Silver Ear), Green Spike Award (Internationale Filmwoche Valladolid 2025, Spanien); Sloan Science on Screen Award (San Francisco International Film Festival 2026).

Über Ildikó Enyedi

Ildikó Enyedi wurde 1955 in Budapest geboren und begann ihre künstlerische Laufbahn als Konzept- und Medienkünstlerin. Von 1977 bis 1985 war sie Mitglied der Künstlergruppe Indigo. Anschließend arbeitete sie im Béla-Balázs-Studio, dem einzigen unabhängigen Filmstudio Osteuropas vor 1989, sowie im Studio Junger Künstler. Ihr erster Spielfilm, Mein 20. Jahrhundert (1989), wurde in Cannes mit der Caméra d'Or für das beste Spielfilmdebüt ausgezeichnet. Ihr nächster Film, Der Freischütz (1994), lief im Wettbewerb der Internationalen Filmfestspiele von Venedig. Es folgten Tamás und Juli (1997), der in Venedig in einer Sondervorführung gezeigt wurde, sowie Simon der Magier (1999), der beim Filmfestival von Locarno mit einem Sonderpreis ausgezeichnet wurde. 
Nach einer längeren Pause vom Spielfilm, während der sie für das ungarische Fernsehen arbeitete und die HBO-Ungarn-Serie Terápia inszenierte, kehrte sie mit Körper und Seele (2017) zum Kino zurück. Der Film gewann den Goldenen Bären bei den Internationalen Filmfestspielen Berlin und wurde als ungarischer Beitrag für den Oscar eingereicht. 2021 war sie mit Die Geschichte meiner Frau im Wettbewerb der Filmfestspiele von Cannes vertreten. Zu ihren zahlreichen internationalen Tätigkeiten gehört die Mitgliedschaft in den Hauptjurys der Internationalen Filmfestspiele Berlin (1990 und 2021) sowie der Filmfestspiele von Venedig (2018). 2024 war sie Präsidentin der Kurzfilmjury in Cannes. Enyedi ist Mitglied der Academy of Motion Picture Arts and Sciences sowie der Europäischen Filmakademie. Sie ist mit dem deutschen Autor und Übersetzer Wilhelm Droste verheiratet und lebt in Budapest.