Culinary Dialogue Ein kulinarischer Dialog zwischen Indonesien und Deutschland

Culinary Dialogue
© Goethe-Institut Indonesien

Gastrodiplomatie ist zu einer beliebten Methode geworden, um den kulturellen Austausch zwischen verschiedenen Ländern zu fördern. Das Goethe-Institut Indonesien folgt diesem Beispiel mit dem Projekt „Wanderlust Küche“, das eine indonesische Köchin und einen deutschen Koch zusammenbringt, um gemeinsam kulinarische Magie zu kreieren.  
 


Wie ein altes Sprichwort sagt, ist Essen der einfachste Weg, Verstand und Herz eines Menschen zu verzaubern. Essen ist ein integraler Bestandteil jeder Kultur, und eine gemeinsame Mahlzeit bedeutet, eine gemeinsame Erfahrung zu machen und später auf eine gemeinsame Erinnerung zurückblicken zu können.

„Gemeinsam etwas Gutes essen ist sicherlich einer der besten Wege, Menschen unterschiedlicher Herkunft und Biografien zusammenzubringen“, sagt Anna-Maria Strauß, Leiterin der Programmabteilung am Goethe-Institut Indonesien, die das indonesische Standbein des  Projekts „Wanderlust Küche“ organisiert und damit das Thema Essen ins Rampenlicht rückt.

„Für uns ist das Thema so interessant, weil es auch unsere Arbeit verkörpert“, fährt sie fort. „Über das gemeinsame Kochen, Essen und Erleben entstehen neue Beziehungen. Man entdeckt sofort Gemeinsamkeiten.“
 

Pop-up Restaurant in Menteng

Das vielschichtige Projekt des Goethe-Instituts Indonesien hat zum Ziel, die Esskulturen Deutschlands und Indonesiens zusammenzubringen, und endet mit einem exklusiven Abendessen in einem Pop-Up-Restaurant in den Räumlichkeiten des Instituts in Menteng, Jakarta. Zu diesem Anlass werden Helge Hagemann von den Hamburgern Werteköchen ​​und Petty Elliott, gefeierte indonesische Köchin und Food Writer, zusammenarbeiten, um das Beste aus beiden Küchen miteinander zu verbinden. Das Ergebnis ihrer Zusammenarbeit wird schließlich in einer Reihe von Fusionsgerichten zu bewundern sein, die einer ausgewählten Gruppe von geladenen Gästen präsentiert werden.

„Ich habe mich schon immer für das Kochen und vor allem Essen begeistern können, aber erst mit Anfang zwanzig eine Ausbildung zum Koch absolviert. Diese Entscheidung habe ich glücklicherweise nie bereut und bin dankbar, Teil dieses Projekts sein zu dürfen“, sagt Helge Hagemann, der für die Werteköche bereits an verschiedenen Orten der Welt zu unterschiedlichsten Anlässen gekocht hat.

Laut Helge kombinieren die Werteköche Wissen und Fähigkeit, teilen ihre Liebe zum Kochen und inspirieren andere, „mit Verantwortung und Bewusstsein für die Herkunft unserer Zutaten.“
 

Chefs as Culinary Ambassadors

Die Werteköche arbeiten als kulinarische Botschafter Deutschlands und sind in dieser Funktion international unterwegs, um auf Messen und bei Showkochen den Gästen einen besseren Eindruck von der deutschen Küche zu vermitteln. Helges Reise nach Indonesien ist dennoch ein Novum für ihn, da er zuvor noch nie dort gewesen ist. „Ich bin zum ersten Mal in Indonesien und freue mich sehr auf das Land und besonders auf die Zusammenarbeit mit Petty“, erklärt Helge. „Da ich bislang so gut wie keine Erfahrungen mit der indonesischen Küche sammeln konnte, bin ich sehr auf die Zutaten, Aromen und Zubereitungsarten, die diese Küche zu bieten hat, gespannt.“

Während Indonesien Neuland für Helge ist, konnte Petty Elliott sich in der Vergangenheit bereits ein wenig mit Deutschland und den kulinarischen Traditionen des Landes vertraut machen.

„In den Jahren 2014, 2015 und 2017 habe ich an der Frankfurter Buchmesse teilgenommen und auch in der Villa Kennedy und dem Steigenberger Hotel in Frankfurt gekocht“, sagt Petty, die den deutschen Weihnachtsstollen zu ihren Lieblingsgerichten zählt. „Dort habe ich gesehen, dass die deutsche Küche, wie jede andere auch, einen Wandel von traditionell zu modern durchläuft, basierend auf den verschiedenen Einflüssen aus aller Welt. Es gibt in Deutschland viele junge Köche, die es ganz wunderbar verstehen, lokale Zutaten neu und modern zu interpretieren.“

Die beiden Chefköche werden nicht nur gemeinsam das „Magic Hour“ Dinner vorbereiten, sondern planen auch, traditionelle Märkte in Jakarta zu besuchen und einen lebhaften Austausch zu Rezepten, Zutaten und Kochmethoden zu führen.
 
„Ich freue mich sehr auf unseren Dialog und auf den Kreativitätsprozess“, sagt Petty. „Wir standen bereits in regem Austausch zu ganz unterschiedlichen Rezepten, und nachdem wir uns ein wenig besser kennengelernt hatten, konnten wir gemeinsam entscheiden, welche Gerichte am besten die Esskultur unserer beiden Herkunftsländer hervorheben.“

Laut Anna-Maria Strauß hat der intensive Austausch zwischen Petty und Helge zu einem Menü geführt, das die indonesische und deutsche Küche vereint. „Es geht uns um genau diese Dinge, um den Austausch zwischen den beiden und darum, diesen Dialog dann auf die Teller aller Gäste zu bringen“, erklärt sie. „Im besten Falle entsteht ein Menü, das alle an etwas erinnert und gleichzeitig neugierig macht auf Neues.“ Helge sieht seine Rolle im Projekt ähnlich. „Ich bin gespannt welche Unterschiede, aber vor allem welche Gemeinsamkeiten wir entdecken werden“, sagt er. „Essen – egal woher – verbindet, bringt Menschen zusammen und war und ist kultureller Mittelpunkt einer Gesellschaft. Das wird durch dieses Projekt erneut unterstrichen.“
 

Fotoausstellung “Indonesian Culinary Photography”

Als Vorgeschmack auf das Dinner „Magic Hour“ hat das Goethe-Institut einen Fotowettbewerb auf Instagram ausgerufen und Benutzer dazu aufgefordert, Indonesiens kulinarischen Reichtum auf Fotos festzuhalten. 321 Bilder mit detaillierten Hintergrundinformationen wurden auf dem sozialen Netzwerk hochgeladen, aus denen eine Jury 15 Fotos für eine Ausstellung ausgewählt hat. Die Fotos sind bis zum 30. November 2018 in einer Ausstellung im Goethe-Institut zu sehen, aber auch online in einer virtuellen Galerie unter www.goethe.de/fotokuliner zu bewundern.

Obwohl das Goethe-Institut nicht – oder, besser gesagt, noch nicht – für seine Ausflüge in die kulinarische Welt bekannt ist, glaubt Anna-Maria Strauß, dass dieses Projekt nur der Anfang ist.
„Das Thema Essen wird uns insgesamt sicherlich weiter begleiten – es gibt einfach so viele interessante, wichtige und drängende Fragen in diesem Zusammenhang“, erläutert sie. „Unser jährliches Programm Science Film Festival, in dem es um Bildung in den Naturwissenschaften geht, dreht sich in diesem Jahr unter dem Motto ‚Food Revolution’ übrigens auch ums Essen. Gleichzeitig sind Essen und alle damit verbundenen Aspekte – Landwirtschaft, Ressourcennutzung, Gesundheit, Klimabelastung, Umgang mit Tier und Mensch – natürlich extrem wichtige Themen im Hinblick auf die globalen Herausforderungen.“