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19:00–20:30 Uhr

Wege aus der Abhängigkeit von BigTech

Vortrag|Die Debatte um Digitale Souveränität in Deutschland

  • Bibliothek des Goethe-Instituts Tokyo, Tokyo

  • Sprache Deutsch mit japanischer Simultanübesetzung

Markus Beckedahl auf der re:publica 2025 © Stefanie Loos/re:publica https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/deed.ja

Markus Beckedahl auf der re:publica 2025 © Stefanie Loos/re:publica https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/deed.ja

Social-Media-Apps, Lieferdienste und Kartenanwendungen sind längst fester Bestandteil unseres Alltags.
Was auf den ersten Blick bequem erscheint – dass wir alle dieselben Plattformen nutzen – hat auch eine Schattenseite: Unsere digitale Lebenswelt wird zunehmend von wenigen großen Tech-Konzernen wie Google, Apple, Meta & Co. dominiert. Die Kontrolle über unsere Daten, unsere Kommunikation und unsere Informationsräume liegt in den Händen einiger weniger.


Wie kann ein selbstbestimmter, gerechter Umgang mit Technologie aussehen – jenseits der Abhängigkeit von Big Tech?

Markus Beckedahl – Journalist, Aktivist und Gründer des Zentrum für Digitalrechte und Demokratie – gibt Einblicke in die aktuellen Debatten rund um digitale Souveränität in Deutschland und der EU. Als Mitgründer der re:publica, Europas größter Konferenz zur digitalen Gesellschaft, bringt er nicht nur fundiertes Wissen, sondern auch jede Menge Inspiration mit, die auch für Japan interessant sein könnten.

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Deutschland ist die größte Volkswirtschaft der EU – digital jedoch nur Mittelmaß.
Die Verwaltung arbeitet oft noch analog, der Glasfaserausbau stockt seit Jahren.

Wo der Staat besonders aktiv ist, ist bei der Überwachung des Internets: Immer wieder kommen neue Sicherheitsgesetze, die anschließend vom Bundesverfassungsgericht kassiert werden – sie verletzten Grundrechte.

Gleichzeitig ist Deutschland in zentralen digitalen Infrastrukturen stark abhängig von US-Konzernen: Cloud-Dienste, Software, Plattformen – ob in Schulen, Behörden oder Unternehmen, überall dominiert Big Tech aus den USA.

Doch das Bewusstsein wächst. Zum ersten Mal gibt es ein eigenes Digitalministerium. Und angesichts geopolitischer Veränderungen wird klar: Digitale Abhängigkeit ist ein Risiko.

Das Schlagwort der Stunde: digitale Souveränität.
Gemeint ist die Fähigkeit Europas, eigene technologische Grundlagen zu schaffen – unabhängig von den USA oder China.

Dieser Vortrag zeigt, wie Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft in Deutschland diesen Wandel gestalten wollen:
– mit neuen EU-Gesetzen wie dem Digital Services Act und dem Digital Markets Act
– mit Investitionen in Open Source und europäische Alternativen
– und mit einer klaren Vision: demokratische Kontrolle statt Konzernmacht.

Ein kompakter Überblick für alle, die wissen wollen, wohin Deutschland digitalpolitisch steuert – und warum das auch für Japans Zukunft relevant ist.

Vortragender

Markus Beckedahl

Markus Beckedahl beobachtet, analysiert und erklärt seit über 25 Jahren wie das Internet und entscheidende digitaltechnologische Entwicklungen unsere Gesellschaften, kulturellen Praktiken und politischen Entscheidungen prägen.
Er hat damit ein neues Politikfeld maßgeblich mitgeprägt: die Digital- und Netzpolitik.

Als prominenter, politischer Publizist mit IT-Hintergrund ordnet er kritisch, tagesaktuell und mit Weitsicht die Auswirkungen der Digitalisierung ein und fordert Entscheidungsträger:innen aller Ebenen dazu heraus, digitale Gesellschaften gerechter, nachhaltiger und mutiger zu denken.

Der Blogger der ersten Stunde gründete mit netzpolitik.org eines der einflussreichsten gemeinwohlorientierten journalistischen Medien in Deutschland und wurde als Chefredakteur mit zahlreichen Auszeichnungen geehrt.

Mit der re:publica hat Markus 2007 die wichtigste Veranstaltungsplattform für die digitale Gesellschaft in Europa mitgegründet und verantwortet als kuratorische Leiter das jährliche inhaltliche Programm.

Aktuell hat er das Zentrum für Digitalrechte und Demokratie gegründet. Damit setzt er sich für eine stärkere Regulierung von Big Tech - Unternehmen ein und untersucht Wege in die digitale Souveränität.