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19:00 Uhr

Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt

Filmvorführung und Gespräch|nach dem Film Gespräch mit Jan Künemund und Tetsuya Shibutani

Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt © missing FILMs

Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt © missing FILMs

BRD, 1971, 67 min., FSK 16, Deutsch mit japanischen Untertiteln

Daniel und Clemens verlieben sich, ziehen zusammen und versuchen, die bürgerliche Ehe zu kopieren. Als die Beziehung nach vier Monaten endet, taucht Daniel immer mehr in die schwule Berliner Subkultur ein, arbeitet bei einem Homosexuellen-Café, besucht schwule Parks und Toiletten. Schließlich trifft er in einer Transvestitenkneipe Paul, der ihn in seine schwule Wohngemeinschaft mitnimmt, wo über alternative schwule Lebensmodelle gesprochen wird. 
Praunheims ätzende Tirade gegen die selbstverschuldete Unsichtbarkeit der Schwulen im öffentlichen Leben ist eines der wenigen Beispiele für einen Film mit direkter gesellschaftspolitischer Wirkung. Mehr als 50 Aktionsgruppen gründeten sich nach den ersten Vorführungen und waren Ausgangspunkt für die moderne deutsche Schwulenbewegung.

Zunächst stumm gedreht und später mit einem ironischen Kommentar versehen, verbinden sich in Praunheims Film Spiel- und Dokumentarfilmszenen, Pamphlet und Essay, gefolgt von einem direkten Appell zur Selbstorganisation. Die experimentelle, offene Form des Films ist dabei genauso herausfordernd wie seine in alle Richtungen schießende Kritik.

Regie: Rosa von Praunheim
mit Bernd Feuerhelm, Beryt Bohlen, Ernst Kuchling u.a.
 

Nach dem Film Gespräch mit Jan Künemund und Tetsuya Shibutani

Jan Künemund (Online-Teilnahme)
Jan Künemund arbeitet als freier Kulturjournalist und leitet die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Schwulen Museums in Berlin. Er schreibt über Film in verschiedenen Medien, ist in der Auswahlkommission des Filmfestivals DOK Leipzig und unterrichtet unter anderem an der Filmhochschule DFFB. Zuletzt erschien von ihm in Co-Herausgeberschaft das Buch Queer Cinema Now! (Berlin 2023).

Tetsuya Shibutani
Geboren 1965. Professor am College of Humanities and Sciences der Nihon University. Seine Fachgebiete sind deutscher Film und Kulturen visueller Repräsentation. Er veröffentlichte zahlreiche Texte zu Themen des deutschen Films mit einem besonderen Schwerpunkt auf Rainer Werner Fassbinder. Zudem übersetzte er Fassbinders Theaterstücke „Die Bremer Freiheit“ und „Müll, Stadt, Tod“ ins Japanische und schuf japanische Untertitel für eine große Zahl deutscher Filme.