Fotografie „Ich suche in fremden Ländern das Vertraute“

Selbstportrait_Ausstellung_UB_2015
Foto: Yanjinlkham Munkhbat

„Frauen in der mongolischen Gesellschaft“: Mit diesem Thema beschäftigten sich die Teilnehmerinnen eines Fotografie-Workshops in Ulan Bator. Geleitet wurde der Workshop von Jordis Schlösser von der Agentur Ostkreuz. Im Interview spricht sie über die Ausstellung, die jetzt in Berlin gezeigt wird.


Liebe Frau Schlösser, im Dezember 2015 wurde die Ausstellung „Frauen in der mongolischen Gesellschaft“ in Ulan Bator eröffnet, ein Jahr später ist sie in Berlin zu sehen. Wie waren die Reaktionen?
 
Es gab viel Zustimmung. Manche der Besucher waren selbst schon in der Mongolei gewesen und sagten, die Fotos hätten ihnen einen tieferen Einblick ermöglicht. Andere, die das Land überhaupt nicht kannten, sagten, die Bilder hätten sie neugierig gemacht. Es waren auch einige Journalisten da, etwa von der Berliner Zeitung.
 
Die Ausstellung ist im Rahmen eines Fotografie-Workshops für mongolische Fotografinnen entstanden. Was hat Sie an der Zusammenarbeit am meisten beeindruckt?
 
Einige der mongolischen Fotografinnen in meinem Workshop hatten bis dahin wenig oder keine Erfahrungen im Bereich der Reportage. Umso mehr erstaunte mich, dass sie alle sehr schnell spannende Themen entwickelt und sie in kürzester Zeit relativ professionell umgesetzt haben.
 
Im Workshop ging es um Dokumentarfotografie. Was sind die Herausforderungen der fotografischen Reportage?
 
 
Es geht nicht darum bloße Handlung oder einfach die „Wirklichkeit“ abzubilden. Sondern man sollte eine eigene Haltung zum Thema entwickeln, die man natürlich an der Realität überprüft.
 
Was haben Sie durch den Workshop über Frauen in der mongolischen Gesellschaft gelernt?
 
Dass sie viel Spaß am Fotografieren haben, durchaus mit kritischem Blick auf ihr Land.
 
Wonach suchen Sie, wenn Sie mit der Kamera unterwegs sind?
 
Ich suche in fremden Ländern nicht die Exotik, sondern das Vertraute, das sich dort in anderen Gesichtern zeigt.
 
Sie waren für Magazine wie Geo, Stern, National Geographic und Spiegel in nahezu allen Teilen der Welt unterwegs. Was haben Sie in der Mongolei gesehen, was Sie so anderswo noch nicht gesehen haben?
 
Im Grunde genommen habe ich von der Mongolei selbst relativ wenig gesehen, da ich von morgens bis abends den Workshop im Goethe-Institut in der Innenstadt von Ulan Bator gegeben habe. Allerdings habe ich in dieser Zeit wahrscheinlich mehr von dem Land mitbekommen, als wenn ich dort wochenlang unterwegs gewesen wäre. Die Diskussionen über Themen und soziale Realitäten und danach das gemeinsame Editieren der entstandenen Bilder haben es mir ermöglicht, einen Querschnitt des mongolischen Alltagslebens kennenzulernen.

 
Die Fragen stellten Anujin Ganbold und Michael Heinst