Rentsendorj Bazarsukh „Dokumentarfotografie ist das Auge der Gesellschaft“

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Eines der größten Probleme in Ulan Bator: Die starke Luftverschmutzung | © B. Rentsendorj

Rentsendorj Bazarsukh arbeitet seit 18 Jahren als professioneller Fotograf. Im April 2018 veröffentlichte er eine Auswahl seiner Arbeiten unter dem Titel „Mongolei +-40°C“. Im Interview spricht er über seinen Fotoband, die Luftverschmutzung in Ulan Bator und die Aufgaben der Dokumentarfotografie.

Lieber Herr Rentsendorj, gerade ist Ihr Fotoband „Mongolei +- 40°C“ erschienen. Warum gerade dieser Titel?

Der Titel bezieht sich zunächst auf die klimatischen Bedingungen in der Mongolei: Im Sommer steigen die Temperaturen auf +40 Grad Celsius, während das Thermometer im Winter auf -40 Grad Celsius fällt. Doch diese Extreme betreffen nicht nur das Klima der Mongolei, sondern auch die Gesellschaft insgesamt. Die letzten zehn Jahre waren durch instabile politische und wirtschaftliche Verhältnisse geprägt. Mein Fotoband beleuchtet, was diese extremen Schwankungen für das Leben der Menschen in der Mongolei bedeuten.

Was für ein Bild zeichnen Sie damit von der Mongolei?

Wenn man an die Mongolei denkt, stellt man sich blauen Himmel und unendliche Weiten vor – vor allem im Ausland. Ich möchte mit meiner Dokumentarfotografie jedoch Einblicke in das „echte“ Leben geben. So erzähle ich in meinem Fotobuch auch dunkle Geschichten, die viel mehr zeigen als nur schöne Landschaften und Natur. 

Wissen Sie immer schon vorher, wie Sie ein Thema angehen?

Als Fotograf habe ich immer eine Vorstellung davon, wie ich ein bestimmtes Thema fotografieren möchte – schon bevor ich anfange Fotos zu machen Aber die Realität sieht dann natürlich oft anders aus. Während ich fotografiere kommen immer wieder neue Herausforderungen auf mich zu, die das Bild noch einmal vollkommen verändern können.

Eine Ihrer Fotoserien dokumentiert die Luftverschmutzung in Ulan Bator. Wie kam es dazu?

Ich denke, das ist eines der größten Probleme in Ulan Bator. Durch die Luftverschmutzung waren die Kinderkrankenhäuser in den Wintermonaten überfüllt und stark belastet. Die Eltern gingen deshalb auf die Straße und haben demonstriert. Trotz der Gefahren tragen viele Menschen immer noch keine Atemschutzmasken, obwohl ihnen klar ist, wie giftig der Smog ist. Mit meinen Fotos möchte ich den Menschen die Gefahren des Smogs klarmachen.


Welche Rolle spielt die Dokumentarfotografie in der Gesellschaft?

Einmal sehen statt tausendmal hören, sagt man. Die Dokumentarfotografie ist wie ein Auge für die Gesellschaft. Sie gewährt Einblicke in gesellschaftliche Probleme und bringt Informationen an die Öffentlichkeit. Dokumentarfotografie kann Beiträge zu Debatten liefern und die Menschen zu Diskussionen anregen.

Wie ist es, professioneller Fotograf in der Mongolei zu sein?

Die enormen Veränderungen in der mongolischen Gesellschaft bieten Dokumentarfotografen interessante Möglichkeiten. Doch leider ist der Markt für Fotografie klein. Er ist begrenzt auf Zeitungen und Zeitschriften und Fotoserien sind teuer, bringen aber wenig Umsatz. Daher kann die Dokumentarfotografie ihre gesellschaftliche Sprengkraft nur schwer entfalten. Mein Fotobuch soll ein kleiner Beitrag dazu sein, die Dokumentarfotografie in der Mongolei zu stärken!

Die Fragen stellten Ben Rangnick und Michael Heinst.