Berlinale-Blogger Was kostet die Welt?

„Als wir träumten“ von Andreas Dresen
„Als wir träumten“ von Andreas Dresen | Foto: Peter Hartwig © Rommel Film

Andreas Dresen verfilmt mit „Als wir träumten“ Clemens Meyers gleichnamigen Roman über die wilde Jugend einer Clique von Jungs im Leipzig der Nachwendezeit. Rico, Mark, Paul und Daniel saufen und klauen, fahren geknackte Autos schrottreif und gründen einen Techno-Underground-Club. Sie greifen zu den Sternen, und sie stürzen ab.

Die großen Kämpfe

Dani (Merlin Rose) läuft. Schnell. Und immer schneller. Durch abgeranzte Straßen, über Bahnschienen, an Hauseingängen vorbei. Aber es wird ihm nichts bringen, denn irgendwann kriegen sie ihn, die Nazis – zehn, fünfzehn Mann –, und dann prügeln sie auf ihn ein, bis er völlig zerschlagen am Boden liegt und das alles nur wegen Estrelita (Ruby O. Fee) oder „Sternchen“, wie sie alle nennen. Erst sehr viel später wird Dani seine große Liebe von einst wiedersehen, als er gerade aus dem Knast entlassen worden ist und sein bester Kumpel Rico (Julius Nitschkoff), der Boxer, einfährt. Die beiden Freunde verbringen einen letzten Abend zusammen, in einer Tabledance-Bar, und eines von den Mädchen, die sich dort lasziv um die Stange drehen, ist Sternchen.

Exzess und Entgrenzung

Schon in Clemens Meyers Roman kämpften die Figuren brutal und zärtlich um so etwas wie Glück und machten den Stadtrand von Leipzig zum Nabel der Welt. Andreas Dresen unterlegt diese Sehnsucht nach Exzess und Entgrenzung mit Disconebel, Stroboskopgewittern und treibenden Technobeats. Es ist ein schöner Film geworden, ein melancholischer natürlich, aber Dresen zeigt auch immer wieder witzige Situationen, Momente voller Leichtigkeit und Glück, in den Rückblenden etwa, die – wie im Roman – die Kindheit in den Blick nehmen. Wolfgang Kohlhaase, der das Drehbuch geschrieben hat, erklärt, warum es ihm wichtig war, gerade diese unbändige Kraft zu zeigen, die in der Kindheit, aber vor allem in der Jugend steckt. „Dieser wunderbare Augenblick der Anarchie. Man fragt sich: Was kostet die Welt? Und irgendwann dann merkt man, dass die Welt schon verkauft ist.“