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11:00–17:00 Uhr

Humboldts Papagei

Audiovisuelle Ausstellung

  • La Caja, Centro Cultural Chacao, Caracas

Rap Guarani e Kaiowa Paulo Nazareth

Mit rund achtundzwanzig Millionen Menschen bilden die einheimischen indigenen Völker derzeit fast sechs Prozent der gesamten Bevölkerung Lateinamerikas. Ihre indianischen Sprachen, von denen es fast sechshundert verschiedene gibt, sind auf die zwanzig lateinamerikanischen Staaten verteilt - mit Ausnahme von Kuba, Haiti und der Dominikanischen Republik. Diese Sprachen repräsentieren zehn Prozent der bekannten Sprachen auf der ganzen Welt; allerdings sind fast ein Drittel davon vom Aussterben bedroht und ungefähr genauso viele befinden sich in einer sehr kritischen Situation.
 
Eine Vielzahl, nämlich fast 85 Prozent, der um das Jahr 1500 gesprochenen Sprachen, ist bereits verschwunden. Im Hinblick auf diese dramatische Realität wirkt der gegenwärtig aufblühende Indigenismus ermutigend - der sich in vielen Ländern Lateinamerikas mit verschiedenen indianischen Lebensarten und Traditionen auseinandersetzt und versucht, diese zu fördern und zu erhalten.
 
In den letzten Jahren ist eine beachtenswerte Zuwendung der zeitgenössischen Kunst hin zum Kulturerbe zu vermerken. Die Künstler scheinen sich nicht mehr auf sich selbst allein zu verlassen, wenn es um die Auseinandersetzung mit den dringenden Fragestellungen der Gegenwart geht, sondern beziehen sich vielmehr auf eine Art Geheimabkommen mit den alten Meistern, deren Einfluss und Nachklang über Jahrhunderte anhält.  Auf diese Weise hat die Kunst einen neuen und treuen Wegbegleiter gewonnen, und der Mensch ist hier nicht nur auf das eigene Denken angewiesen. Gleichzeitig profitiert die Gegenwartskunst aber auch von den modernsten Errungenschaften, indem sie sich die neuesten Techniken und Verfahren der Naturwissenschaften erschließt, um Material zu sammeln, zu archivieren und zu klassifizieren.
 
TONINSTALLATION
 
Die Toninstallation umfasst zwölf einheimische Sprachen aus Lateinamerika. Bei der Auswahl der vertretenen Sprachen wurde zum einen ihre historische und kulturelle Relevanz, sowie die der entsprechenden ethnischen Gruppe in Betracht gezogen; zum anderen wurde aber auch berücksichtigt, inwiefern die Sprachen vom Aussterben bedroht sind und ebenso jeweils der ästhetische Wert ihrer Klänge betrachtet. Die Künstler, die an diesem Projekt beteiligt sind, wurden ausgewählt, weil sie eine klare Affinität zum indigenen Spracherbe hegen. Sie durften die Themen der Installation aussuchen, sowie die ausgestellten Texttypen festlegen: Dichtung, Fabeln, religiöses Gebet, etc.
 
Die radikale Reduzierung der Installation auf Ton und Klang verlangt vom Besucher einen hohen Grad der Aufmerksamkeit. Je tiefer der Zuhörer bereit ist, in den Kosmos der selten gehörten Sprachen einzutauchen, desto weniger wird er auch die visuellen Elemente vermissen.

KÜNSTLER
Brasilien:
Adriana Barreto; Ellen Slegers – Uruguay: Gustavo Tabares – Argentinien: Sofía Medici & Laura Kalauz – Chile: Rainer Krause – Bolivien: Sonia Falcone & José Laura Yapita – Peru: José Huamán Turpo – Venezuela: Muu Blanco – Paraguay: Javier López & Erika Meza – Ecuador: Fabiano Kueva – Guatemala: Sandra Monterroso – Costa Rica: Priscilla Monge
 
KURATIERT VON
Alfons Hug