Christen in der Corona-Krise
„Der Glaube an Gott ist kein Antibiotikum“

Die katholische St. Bonifatius-Kirche im südbadischen Lörrach, sieben Tage vor Ostern 2020. Foto: © Daniel Ryba

Die notwendige soziale Isolierung veränderte das Leben von Einzelnen, Familien und auch ganzer Staatengemeinschaften. Gläubige nehmen die fehlende physische Nähe zu anderen Mitgliedern ihrer Glaubensgemeinschaft besonders empfindlich wahr.

„Umarmungen sind gut fürs Immunsystem“, hört man aus einigen christlichen Kreisen in Süddeutschland. Oder: „Jetzt brauchen wir Gottesdienste und gemeinsame Gebete mehr als je zuvor.“ Kirchen, wie auch Moscheen und Synagogen bleiben jedoch im ganzen Land geschlossen.

Eine katholische Aktivistin in Deutschland kann sich nicht mit dem Verbot der Heiligen Messen abfinden. Sie hält dies für eine übertriebene säkulare Reaktion und einen Sieg der Wirtschaft über den Glauben. Proteste gegen das Verbot öffentlicher religiöser Veranstaltungen und Versammlungen führte zu vereinzelten – und bisher wenig erfolgreichen – Klagen gegen den Staat.

Große amerikanische Medien stellen einen hartnäckigen Widerstand der dortigen Evangelikalen gegen die Einschränkungen des religiösen Lebens fest. Die New York Times beschuldigt in einem Kommentar die religiöse Rechte, die staatlichen Anordnungen zum Coronavirus zu unterwandern.

Noch angespannter ist die Situation in Israel, wo gerade ultraorthodoxe Religionsgemeinschaften zu Ansteckungsherden werden. Durchschnittlich ist die Zahl der Corona-Infizierten bei ihnen bis zu zehnmal höher als unter den übrigen Einwohnern. Die staatlichen Behörden müssen die traditionellen Religionsgemeinschaften vor sich selbst schützen.

Auch in der Slowakei steht die säkulare Gesellschaft einigen kirchlichen Aktivitäten kritisch gegenüber. Aufregung gab es in den ersten Tagen nach Beschluss der Maßnahmen gegen die Pandemie hauptsächlich aufgrund von Bemühungen, Massenrituale wie religiöse Prozessionen trotzdem abzuhalten.

Dass der Generalvikar der Diözese Nitra in einem Privatflugzeug mit der Reliquie eines von Christi Blut getränkten Tuches über die Slowakei flog, kam einem Teil der Öffentlichkeit bizarr vor. Für seine Absicht, „einen Segen zur Abwendung der Coronavirus-Epidemie zu spenden“ erntete der Priester in den sozialen Netzwerken viel Spott und Gelächter.

Wie nehmen die slowakischen Christen selbst jedoch die staatlich angeordneten Einschränkungen auf? Sind sie „gehorsamer“ als ihre Brüder und Schwestern in Deutschland?

Über das alltägliche Leben von Gläubigen in Zeiten der Pandemie sowie ihre Meinung zu den staatlichen Maßnahmen sprachen wir mit einem evangelischen Dorfpfarrer, einem Pastor einer evangelischen Gemeinde in Süddeutschland, einem katholischen Priester und Theologen und einem im städtischen Umfeld wirkenden Prediger.
 

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