Die Themenbereiche
Entstehung
Die deutsche Sprache gehört zur indoeuropäischen Sprachfamilie. Schriftliche Zeugnisse belegen die über 1.200 Jahre alte Geschichte. Das Althochdeutsche (750– 1050 n. Chr.) ist die älteste Sprachstufe. Ab Mitte des 12. Jahrhunderts entsteht das Mittelhochdeutsche.Die Bibelübersetzung Martin Luthers von 1534 fördert die Vereinheitlichung des Deutschen. Der Buchdruck trägt dazu bei, das Frühneuhochdeutsche zu verbreiten. Das Wort „deutsch“ hat seinen Ursprung in dem Adjektiv „theodisk“. Es bedeutet „zum Volk gehörig“. „Deutsch“ heißt also „Sprache des Volkes“.
Deutsch von Außen
Unterschiedliche Klischees prägen die Sicht des Auslands auf die deutsche Sprache. Vielen scheint ihr Klang zu hart und zu trocken. Andere loben ihre Schönheit und bezeichnen sie als die „Sprache der Dichter und Denker“. Deutsche Literatur ist weltberühmt. In den vergangenen Jahrhunderten war Deutsch wichtige Sprache der Wissenschaft.
Viele Vorurteile haben ihren Ursprung in der deutschen Vergangenheit. Seit der Zeit des Nationalsozialismus gilt Deutsch als „Sprache der Täter“. Sie scheint besonders geeignet für Befehle. Grammatik, die Artikel „der, die, das“, Aussprache und die Umlaute „ä, ö, ü“ machen es vermeintlich schwer, Deutsch zu lernen. Trotz der genannten Vorbehalte ist Deutsch heute als Fremdsprache beliebt. Zwischen 50 und 60 Millionen Europäer sprechen diese Sprache neben ihrer Muttersprache.
Sprache lebt!
Aktuelle Diskussionen thematisieren den Zustand der deutschen Sprache: Drohen ihr Niedergang und Verfall oder verändert sie sich nur? Kritiker beklagen ihren Bedeutungsverlust als Wissenschaftssprache von internationalem Rang und als Arbeitssprache der Europäischen Union. Auch die häufig übertriebene Verwendung englischer oder „denglischer“ Begriffe gilt als Gefahr für die Zukunft des Deutschen.
Andere Stimmen mahnen zur Besonnenheit: Der deutsche Wortschatz sei schon immer durch andere Sprachen bereichert worden, die Beeinflussung verlaufe nicht einseitig. Etliche teils unübersetzbare deutsche Wörter sind weltweit in viele Sprachen eingewandert.
Die deutsche Sprache ist dynamisch und passt sich im täglichen Gebrauch neuen gesellschaftlichen Gegebenheiten an.
Sprache und Integration
Sprache ist der Schlüssel zur Integration. Millionen von Zuwanderern leben in Deutschland. Sie müssen Deutsch als Fremdsprache lernen, um am öffentlichen Leben teilzuhaben. Gleichzeitig erkennt man in Deutschland erst Langsam, welchen Schatz Zuwanderer mit ihrer Mehrsprachigkeit besitzen.
Viele Ausländer kommen als „Gastarbeiter“ seit Mitte der 1950er-Jahre nach Deutschland, bleiben und holen später ihre Familien nach. Das Angebot an Sprachkursen ist anfangs gering. Viele Deutsche begegnen ihnen mit Vorurteilen.
Politik und Öffentlichkeit erkennen erst spät, wie notwendig die Sprachförderung ist. In Stadtteilen mit hohem Ausländeranteil verliert die deutsche Sprache im Alltag an Bedeutung. „Parallelgesellschaften“ sorgen teilweise für Probleme, besonders betroffen sind jugendliche Zuwanderer. Das neue Zuwanderungsgesetz von 2005 verpflichtet zum Besuch staatlich finanzierter Deutschkurse. Werden Kinder aus Zuwandererfamilien gefördert, bietet ihnen ihre Zweisprachigkeit viele Chancen.
Kauf mich!
Werbung soll zum Kauf von Produkten veranlassen. Originelle, teils aggressive Werbebotschaften konkurrieren um das Interesse der Verbraucher.Sprachwitz, Verfremdung oder Tabuverletzungen in Werbesprüchen machen aufmerksam. „Hochwertwörter“ wie „frisch“, „jung“ oder „gesund“ wecken Gefühle und Wünsche der Verbraucher.
Englische Wendungen werden gerne verwendet, da sie modern und weltläufig klingen, führen aber oft zu Missverständnissen. Einprägsame Werbesprüche gehen häufig als „geflügelte Worte“ in die Alltagssprache ein.
Jugendsprache
Jugendliche entwickeln einen eigenen Wortschatz. Von den Erwachsenen wollen sie sich abgrenzen und Gruppenzugehörigkeit demonstrieren. Jede Generation hat ihre eigene Jugendsprache. Keine Variante des Deutschen ist so kurzlebig, wandlungsfähig und flexibel. Typisch für die Sprache der Jugend sind Worterfindungen und Bedeutungsverschiebungen.Jugendsprache ist stets Teil einer Jugendkultur. Von den „Halbstarken“ der 1950er-Jahre bis zur heutigen „Hip-Hop-Szene“ dokumentieren Sprache, Kleidung und Verhaltensweisen individuelle Akzente und Gemeinschaft.
Jugendliche Ausdrucksformen werden häufig als Zeichen allgemeinen Sprachverfalls kritisiert. Sprachwissenschaftler sind sich jedoch einig: Kreative Wortschöpfungen Heranwachsender verändern und bereichern das Standarddeutsch. Viele Wendungen wie „Hallo“ oder später „geil“ gehen in die Umgangssprache über.
Politik
Politiker nutzen die Sprache, um für ihre Ideen und Vorhaben zu werben. Schlagworte, vage Aussagen und Gemeinplätze wirken jedoch häufig unglaubwürdig. Sprache ist zentrales Mittel politischer Debatten. Viele bedeutende politische Reden geben gesellschaftlichen Entwicklungen wichtige Impulse. Im Bundestag, im Wahlkampf und in Talkshows werben Politiker für ihre Überzeugung. Sie werten ihren eigenen Standpunkt auf und setzen den politischen Gegner unter Druck.
Begriffe wie Gerechtigkeit und Freiheit gehören zum vieldeutigen Vokabular aller Parteien. Beschönigende oder ungenaue Formulierungen verschleiern unangenehme Sachverhalte und lassen am Gehalt politischer Aussagen zweifeln.
In der politischen Debatte und Berichterstattung gibt es extreme Beispiele sprachlicher Entgleisungen. Eine Jury wählt meist aus diesen das „Unwort“ des Jahres.
Schönheit
Ausdruckskraft und Gestaltungsreichtum zeichnen auch die deutsche Sprache aus. In vielen Werken der deutschsprachigen Literatur tritt sie besonders kunstvoll in Erscheinung. Gedichte, Dramen, Romane und Lieder aus vier Jahrhunderten zeugen von einer lebendigen, bildreichen deutschen Sprachkunst. In Kinderbüchern und humorvollen Texten fesseln fantasievolle und eindringliche Beschreibungen.
Verse aus Liebesbriefen und Gedichten zeigen eine unverzichtbare Funktion der Sprache: Gefühle in Worte fassen, sie anderen mitteilen.
Welches ist das schönste deutsche Wort? Bei einem internationalen Wettbewerb sind Liebe, Heimat und Glück die häufigsten Antworten.
Brutalität
Sprache kann verletzen, demütigen und aufhetzen, ohne zwangsläufig hart oder bedrohlich zu klingen. Historische und aktuelle Beispiele dokumentieren den brutalen und erniedrigenden Gebrauch von Sprache. Vor allem Diktaturen missbrauchen Sprache: Sie prägen Wortschatz und Sprachgebrauch, um ihr menschenverachtendes Weltbild in Umgangssprache und Denkweise zu verankern. Nach 1933 veranlassen die Nationalsozialisten Sprachregelungen in Presse und Rundfunk. Bis heute werden damals verwendete Begriffe wie „abartig“ oder „ausmerzen“ genutzt – oft ohne Bewusstsein für ihre Bedeutung in der nationalsozialistischen Propaganda.
Sprache in der DDR
Nach Gründung der deutschen Teilstaaten 1949 entwickeln sich Unterschiede in der Sprache der Bundesrepublik und der DDR. Politische Lenkungsmaßnahmen in der DDR sowie der allgemeine gesellschaftliche Wandel verursachen die sprachliche Auseinanderentwicklung. Den DDR-Wortschatz prägen unter anderem Begriffe aus dem wirtschaftlichen oder politischen Bereich wie „Kollektiv“, „Brigade“ oder „Jungpionier“.Fachbegriffe wie „Plaste“ oder „Broiler“ und russische Lehnwörter wie „Datsche“ gehen in den ostdeutschen Sprachgebrauch über. Nach der deutschen Wiedervereinigung 1990 kommt es in der Ost-West-Kommunikation immer wieder zu Missverständnissen. Im Laufe der Zeit übernehmen Ostdeutsche zunehmend westdeutsche Wendungen.


















