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18:30–21:30 Uhr
Was können wir von Adenauer für unser heutiges Europa lernen?
Podiumsdiskussion | 150 Jahre Konrad Adenauer
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Vertretung des Landes Nordrhein-Westfalen bei der Europäischen Union, Brüssel
- Teil der Reihe: 150 Jahre Konrad Adenauer – Europa gestalten damals und heute
Auf gemeinsame Einladung des Goethe-Instituts Brüssel und seines Programms Europanetzwerk Deutsch, des Europabüros der Konrad-Adenauer-Stiftung sowie der Vertretung des Landes Nordrhein-Westfalen bei der Europäischen Union kamen am 13. Oktober 2026 zahlreiche Gäste in der Landesvertretung NRW in Brüssel zusammen, um eine ebenso historische wie aktuelle Frage zu diskutieren: Was können wir von Konrad Adenauer für unser heutiges Europa lernen?
Nach Grußworten von Nathanael Liminski, Minister für Bundes- und Europaangelegenheiten, Internationales sowie Medien des Landes Nordrhein-Westfalen, und Dr. Beatrice Gorawantschy, Leiterin des Europabüros der Konrad-Adenauer-Stiftung, eröffnete Dr. Tim Geiger vom Institut für Zeitgeschichte München-Berlin den Abend mit einem Impulsvortrag zu Adenauers europapolitischem Wirken.
Grußworte: Nathanael Liminski, Minister für Bundes- und Europaangelegenheiten, Internationales sowie Medien des Landes Nordrhein-Westfalen, und Dr. Beatrice Gorawantschy, Leiterin des Europabüros der Konrad-Adenauer-Stiftung | © Cédric Puisney
Wie aktuell Adenauers Politik war, zeigt sich auch daran, dass viele zentralen Fragen von Adenauers Europapolitik heute erneut auf der Tagesordnung stehen: Wie eng soll Europa zusammenarbeiten? Wie viel Eigenständigkeit braucht Europa gegenüber den USA? Können einzelne Mitgliedstaaten vorangehen, wenn nicht alle mitziehen? Und wie behauptet sich Europa in einer Welt, in der Großmächte wieder zunehmend machtpolitisch handeln?
Impulsvortrag: Dr. Tim Geiger Institut für Zeitgeschichte München – Berlin, Leiter Edition „Akten zur Auswärtigen Politik der Bundesrepublik Deutschland“, Auswärtiges Amt | © Cédric Puisney
Dabei ist Adenauer auch für Jean-Claude Juncker ein Politiker, dessen Wirken weit über seine Zeit hinausreicht: „Adenauer ist eigentlich ein Staatsmann des 21. Jahrhunderts.“ Seine Überzeugungen zur europäischen Einigung, zur deutsch-französischen Aussöhnung und zu den transatlantischen Beziehungen seien heute aktueller denn je.
Podiumsdiskussion: vlnr. Dr. Tim Geiger, Prof. Dr. Hélène Miard-Delacroix, Jean-Claude Juncker, Nathanael Liminski MdL, Helga Schmidt | © Cédric Puisney
vlnr. Dr. Tim Geiger, Prof. Dr. Hélène Miard-Delacroix, Helga Schmidt | © Cédric Puisney
Besondere Aufmerksamkeit erhielt auch Adenauers sicherheitspolitisches Denken. Nathanael Liminski erinnerte an eine bemerkenswerte Aussage aus Adenauers letztem Fernsehinterview mit Günter Gaus im Jahr 1965. Auf die Frage nach seiner größten politischen Enttäuschung antwortete Adenauer ohne Zögern: das Scheitern der Europäischen Verteidigungsgemeinschaft (EVG) im Jahr 1954.
Gerade dieser historische Rückblick gewann vor dem Hintergrund aktueller europäischer Sicherheitsdebatten besondere Relevanz. Adenauers Antwort auf die sicherheitspolitischen Herausforderungen seiner Zeit sei, so Liminski, nicht die nationale Armee gewesen, sondern die europäische. Deutsche Soldaten sollten Teil einer gemeinsamen europäischen Streitmacht sein, eingebettet in eine supranationale Struktur. Dass die EVG letztlich am Widerstand der französischen Nationalversammlung scheiterte, verdeutlicht zugleich, dass europäische Integration nie ein geradliniger Prozess war. Rückschläge gehörten schon immer zur Geschichte Europas.
Vor diesem Hintergrund erhielt auch Adenauers Blick auf die transatlantischen Beziehungen neue Aktualität. Dankbarkeit gegenüber den Vereinigten Staaten sei für ihn wichtig gewesen, habe jedoch niemals strategisches Denken ersetzt. Bereits 1953 warnte er: „Wer sich versichern lassen will, der muss eine Prämie zahlen. Wer glaubt, Europa sei bei Amerika prämienfrei versichert, befindet sich in einem verhängnisvollen Irrtum.“ Seine Überzeugung lautete: Europa muss selbst handlungsfähig sein, wenn es ein verlässlicher Partner der Vereinigten Staaten bleiben will. Daran knüpfte Nathanael Liminski an, als er betonte, dass Adenauer stets von zwei tragfähigen Pfeilern des Westens ausging. Je geeinter Europa sei, desto verlässlicher seien auch die transatlantischen Beziehungen. Gelinge es Europa heute, Verteidigung als gemeinsame Aufgabe zu begreifen, Fähigkeiten gemeinsam aufzubauen sowie Beschaffung und Planung stärker zu koordinieren, werde Europa zu einem Partner, auf den Verlass sei.
vlnr. Jean-Claude Juncker, Nathanael Liminski MdL, Helga Schmidt | © Cédric Puisney
Wie Dr. Beatrice Gorawantschy hervorhob, besteht die Herausforderung heute darin, immer wieder neu zu vermitteln, warum Europa wichtig ist, welche Werte die Europäerinnen und Europäer verbinden und warum es sich lohnt, für den europäischen Zusammenhalt einzutreten. Oder, in ihren Worten: „Das europäische Erbe Adenauers zu bewahren, bedeutet für uns vor allem, Verantwortung für die Zukunft Europas zu übernehmen.“
Schlusswort: Dr. Julia Sattler, Leitung und Europa-Beauftragte des Goethe-Institut Brüssel | © Cédric Puisney
Podiumsdiskussion: vlnr. Dr. Tim Geiger, Prof. Dr. Hélène Miard-Delacroix, Jean-Claude Juncker, Nathanael Liminski MdL, Helga Schmidt | © Cédric Puisney
Ein herzlicher Dank gilt allen Podiumsgästen, Kooperationspartnern und Gästen für die vielfältigen Perspektiven und den inspirierenden Austausch.
Gäste | © Cédric Puisney
Panelisten
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Jean-Claude Juncker ist ein luxemburgischer Politiker und ehemaliger Präsident der Europäischen Kommission. Nach einem Jurastudium in Straßburg begann er seine politische Karriere in der CSV und stieg früh in die luxemburgische Regierung auf. Von 1995 bis 2013 war er Premierminister Luxemburgs und prägte als Vorsitzender der Eurogruppe die europäische Finanzpolitik. Als überzeugter Europäer wirkte er maßgeblich an der europäischen Integration und der Entwicklung der Wirtschafts- und Währungsunion mit.
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Tim Geiger leitet seit Juni 2025 die Editionsabteilung des Instituts für Zeitgeschichte München-Berlin im Auswärtigen Amt und verantwortet die renommierte Dokumentenedition Akten zur Auswärtigen Politik der Bundesrepublik Deutschland (AAPD). Seit 2005 gehört er dem Herausgeberteam an und hat zahlreiche Editionsbände sowie grundlegende Arbeiten zur deutschen Außenpolitik und Zeitgeschichte veröffentlicht. Sein Forschungsschwerpunkt liegt insbesondere auf der Außen-, Europa- und Sicherheitspolitik der CDU/CSU in der Ära Adenauer und ihren Nachwirkungen; seine Dissertation über die außenpolitischen Konflikte innerhalb der Union wurde mit dem Deutsch-Französischen Parlamentspreis ausgezeichnet. Damit zählt er zu den profiliertesten Kennern der außen- und europapolitischen Grundlagen, die Konrad Adenauers Wirken bis heute prägen.
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Prof. Dr. Hélène Miard-Delacroix ist seit 2008 Professorin für Deutschlandstudien und Neuere Geschichte an der Sorbonne Université in Paris. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland, den internationalen Beziehungen sowie den deutsch-französischen Beziehungen im europäischen Kontext. Sie hat zahlreiche vielbeachtete Publikationen zur europäischen Integration und zur deutsch-französischen Zusammenarbeit veröffentlicht, zuletzt (bisher nur auf Französisch erschienen) Les Émotions de 1989. France et Allemagne face aux bouleversements du monde. Darüber hinaus ist sie Mitglied mehrerer wissenschaftlicher Beiräte, Mitherausgeberin der Akten zur Auswärtigen Politik der Bundesrepublik Deutschland (AAPD) und eine gefragte Kommentatorin aktueller Entwicklungen in Deutschland und Frankreich.
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Nathanael Liminski ist seit Juni 2022 Minister für Bundes- und Europaangelegenheiten, Internationales sowie Medien des Landes Nordrhein-Westfalen sowie seit Juni 2017 Chef der Staatskanzlei des Landes Nordrhein-Westfalen. Seit November 2025 ist er Mitglied des Landtags Nordrhein-Westfalen. Zuvor war er Geschäftsführer der CDU-Landtagsfraktion Nordrhein-Westfalen, Referent für Reden und Grundsatzfragen im Bundesministerium des Innern und im Bundesministerium der Verteidigung und arbeitete in der Hessischen Staatskanzlei als Referent für die Reden des Hessischen Ministerpräsidenten. Nathanael Liminski studierte Mittelalterliche und Neuere Geschichte, Politische Wissenschaft und Öffentliches Recht (Staatsrecht) an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn.
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Erste journalistische Gehversuche bei der East Anglian Daily Times, in der Redaktion der Children's Page. Dann freie Mitarbeiterin bei der Rheinischen Post. Studium der Geschichte, Politikwissenschaft und Philosophie in Köln und Bordeaux. Volontariat beim WDR, anschließend Reporterin und Moderatorin im Zeitfunk, unter anderem beim WDR 5 Morgenecho. Später Leitung Politik und Zeitgeschehen, stellvertretende Programmchefin WDR 5, Leitung Story & Recherche, stellvertretende Chefredakteurin.
Heute arbeitet Helga Schmidt als Moderatorin: bei Podiumsdiskussionen, Panels und Gesprächsformaten rund um europäische Politik.
Ort
Rue Montoyer 47
1000 Brüssel
Belgien