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Graffiti im Hof
Einer für alle, alle für einen: 140 ideas

Street art am Goethe-Institut Bulgarien - 140ideas
„Nocturne meeting“ heißt das Werk von 140 ideas im Hof des Goethe-Instiuts Bulgarien. | Foto: © Goethe-Institut Bulgarien

140 ideas / One For All Ideas sind Ivo Iliev und Ventzislav Josifov. Die beiden Graffiti-Künstler erzählen über die Vorteile auf Wände zu malen und warum sich der Künstler an seinem fertigen Werk nicht festhalten sollte.

Warum habt Ihr euch für die Wand, statt für die Leinwand entschieden?

Ventzislav Josifov: Die Wand hat ihre Vorteile: unterschiedliche Textur, Ausstrahlung und nicht zuletzt die Umgebung.
Ivo Iliev: Die Wände haben mir die Tür für die Leinwände geöffnet. Das Bemalen von Wänden war die Tätigkeit, die in mir die Liebe zur Kunst kultiviert und entwickelt hat, und das schon während meiner Schulzeit. Jede Wand befindet sich an einem unterschiedlichen Ort, die Bedingungen sind anders, das wirkt sich jedes Mal sehr belebend aus.

Fühlt man sich schuldig, wenn man Objekte mit Graffiti bemalt?

VJ: Das denke ich nicht. Das Zeichnen von Graffiti ist ein kreativer Prozess, kein Verbrechen gegen die Menschlichkeit.
II: Man fühlt sich frei.

Was haltet Ihr von der Vergänglichkeit der Graffitis?

VJ: Die Vergänglichkeit ist ein sehr gutes und erzieherisches Phänomen, das den Künstler anregt, den Moment zu nutzen, der ihm hier und jetzt gegeben wird.
II: Alles existiert im „Jetzt“, der Rest ist eine Frage des „Zufalls“. Es könnte so passieren, dass eines Tages irgendein Gebäude, das irgendwo begraben ist, das älteste Kunstobjekt wird.

Was für einen Teil der Graffiti macht Ihr spontan bzw. geplant?

VJ: In letzter Zeit erstellen wir einen Großteil unserer Projekte nach einem Plan, da die Maßstäbe und unsere Themen dies erfordern. Die spontanen Malereien mit Freunden sind sehr angenehm, aber sie sind definitiv nicht überwiegend.
II: Wie bei den meisten Menschen hat die Zeit, die der Arbeit gewidmet ist, Vorrang vor der Freizeit, daher verläuft ein Großteil unserer Malerei-Projekte nach Plan.

Wie fühlt Ihr euch, wenn Ihr seht, dass euere Graffitis von Kollegen „entehrt“ wurden?

VJ: Es ist für niemanden angenehm zu sehen, dass etwas, woran man gearbeitet hat, verhöhnt wurde. Leider wissen unsere jüngeren Kollegen nicht ihre Vorgänger zu schätzen, daher kommt es zu solchen Eigenartigkeiten.
II: Es war ja gerade die Rede von der Vergänglichkeit. Natürlich ist es nicht angenehm, besonders wenn man darin mehr Zeit investiert hat, aber eine der Sachen, die jeder Künstler weiß, ist, sich an das fertige Werk nicht zu binden, denn der Prozess der Anfertigung ist wichtig.

Könnt Ihr uns einen Jargon-Begriff aus der Graffiti-Welt und seine Bedeutung nennen?

VJ: „Hall of Fame“ – legale Wände, wo Graffiti gemalt werden (solche gibt es in unserer Stadt leider nicht).
II: Crew / krew / cru – Zusammenschluss von Künstlern, die zusammen malen. Oft bilden Freunde, die ein gemeinsames Interesse an Graffiti haben, eine Crew, die sich dann um neue Mitglieder erweitern kann.
 
Was ist das Ziel: von allen gesehen zu werden, oder eher nicht?

VJ: Es ist nicht wichtig, von den Leuten gesehen zu werden. Das, was man zurückgelassen hat, ist viel wichtiger.
II: Ich denke, dass in der öffentlichen Kunst das Werk und nicht der Autor im Vordergrund stehen sollte, da sie Teil des Alltags von den Einwohnern und den Gästen der Stadt wird.

Welche Idee steckt hinter Ihrem Graffiti im Hof des Goethe-Instituts?

Wir lassen unsere Idee und Botschaft jedem Einzelnen zur freien Interpretation. Das Werk stellt die Vergangenheit und Zukunft gegenüber, sowie die Tatsache, dass man weltoffen sein muss und sich nie zufriedengeben soll.

Der Titel des Graffitis heißt Nocturne meeting. Nachts begegnen wir uns mit Träumen, Ängsten, Bedauern, Hoffnungen, Erinnerungen. Jeder kann selbst entscheiden, welche Bedeutung das Graffiti in sich trägt. Gleichzeitig deutet das Werk auf die Vergänglichkeit und die Freiheit der Träume hin.
 

  • „Unnatural Rituals“, 2017, „We all write“ Graffiti Festival Foto: © privat
    „Unnatural Rituals“, 2017, „We all write“ Graffiti Festival in Аhtopol, Bulgarien
  • „DayDreaming“, 2015, Fassade der 51. Schule „Elisawaeta Bagryana“ in Sofia, Bulgarien Foto: © Marin Kafedzhiyski
    „DayDreaming“, 2015, Fassade der 51. Schule „Elisawaeta Bagryana“ in Sofia, Bulgarien
  • „Endangered Species“, 2015, Fassade der Schule „Gebrüder Miladinowi“ in Burgas, Bulgarien Foto: © Marin Kafedzhiyski
    „Endangered Species“, 2015, Fassade der Schule „Gebrüder Miladinowi“ in Burgas, Bulgarien
  • „Home is where your heart is“, 2015, „Meeting of Styles“ Graffiti Festival in Mailand, Italien Foto: © privat
    „Home is where your heart is“, 2015, „Meeting of Styles“ Graffiti Festival in Mailand, Italien
  • „Love the brown bear“, 2013, Fassade der 23. Schule „Frederic Joliot Curie“ in Sofia, Bulgarien Foto: © privat
    „Love the brown bear“, 2013, Fassade der 23. Schule „Frederic Joliot Curie“ in Sofia, Bulgarien

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