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#FridaysForFuture
Freitage der Zukunft oder Zukunft der Freitage

#FridaysForFuture Demonstration in Berlin, 25.01.2019
Seit Dezember 2018 halten die Demonstrationen an und die Zahl der Protestierenden steigt ständig. Auf dem Foto zu sehen ist der Protest vom 25 Januar in Berlin. | Foto: © Leonhard Lenz (CC0 1.0)

Am 15. März 2019 schwänzten Schüler_innen und Student_innen in vielen Ländern der Welt den Unterricht und protestierten gegen die Tatenlosigkeit der Politiker gegenüber dem Klimawandel. Die Jugendlichen sind ein Teil der Bewegung  #FridaysForFuture, die im August 2018 ihren Anfang nahm. Die damals fünfzehnjährige Greta Thunberg stellte sich vor das Schwedische Parlament und stand dort im Laufe von drei Wochen täglich, um den Erwachsenen ihre Versäumnisse im Klimaschutz vorzuhalten. Ihre Aktivitäten veröffentlichte sie auf Instagram und Twitter und bald verbreitete sich die Nachricht weltweit.
 

Von Rada Pletnyova

„Die Erwachsenen sind gescheitert.“

„Das Klima wandelt sich, die Politik - nicht.“

„Erst Natur, dann Abitur.“

„Тhis planet is getting hotter then young Leonardo Di Caprio.“

Dies ist nur ein Teil der Parolen bei den Schülerdemonstrationen in Deutschland. „Denn die Politiker und die Machthabenden haben nichts getan, um gegen die Klimakrise zu kämpfen. Doch wir werden dafür sorgen, dass sie sich nicht davonmachen. Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht, sie eben nicht“, sagte neulich Greta Thunberg, die für den Friedensnobelpreis nominiert wurde, nachdem sie die Bewegung #FridaysForFuture ins Leben gerufen hat.

Und weiter: „Man kann eine Krise nicht bewältigen, wenn man sie nicht als solche erkannt hat. […] Wenn die Entscheidungen innerhalb des Systems unmöglich sind, sollte man das System selbst ändern. Wir sind gekommen, nicht um die Weltpolitiker zu bitten, dass sie sich darum kümmern. […] Wir sind gekommen, um Ihnen zu sagen, dass eine Änderung bevorsteht, ob es Ihnen gefällt oder nicht. Die wirkliche Macht gehört den Menschen.“

Innerhalb von sechs Monaten konnte die junge Aktivistin weltweit Hunderte von Schüler_innen dafür begeistern, an Freitagen während der Unterrichtszeit zu protestieren, um die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf das Thema des Klimawechsels zu lenken.

Seit Dezember 2018 halten die Demonstrationen an und am 15. März 2019 fand einer der größten organisierten Streiks der Welt statt: An 2052 Orten in 123 Ländern auf allen Kontinenten kam es zu Protesten. Ungeachtet des regnerischen und kalten Wetters wurden in Deutschland 200 Proteste von tausenden Schülern in 37 Städten öffentlich unter dem Motto „Fridays for Future“ angekündigt. Nach neuesten Angaben beteiligten sich über 10 000 Jugendliche, meist Schüler_innen zwischen 14 und 18 Jahren, am Protestmarsch in Köln. In Münster kamen nach Polizeiangaben ca. 2300 zusammen, in Bonn waren es etwa 2500, über 5000 in Berlin, 1200 in Wupperthal und Hunderte in vielen anderen größeren und kleineren Städten Deutschlands.

Der Preis des Protestes

„Ich bin hier, damit auch meine Kinder später einmal Schnee sehen“, sagt die 16 Jahre alte Meryem in Frankfurt. „Ich finde es unglaublich, dass die Politiker, die im Bundestag sitzen, vom Ausmaß des Klimawandels wissen, aber trotzdem nicht genug dagegen tun. Der Klimawandel wird einfach unter den Teppich gekehrt“, kommentiert der 17-jährige Robert.

Für Kinder und Jugendliche zwischen 6 und 18 Jahren gilt in Deutschland die Schulpflicht. Rektoren machen darauf aufmerksam, dass mit dem Verlassen des Schulgeländes der Versicherungsschutz erlischt. Unentschuldigtes Fernbleiben vom Unterricht wird ins Reifezeugnis eingetragen und beeinflusst die Abschlussleistungen, die für die Aufnahme an eine Hochschule von Belang sind, auch eine Geldstrafe für die Eltern ist in bestimmen Fällen möglich.

Den Schüler_innen selbst ist das Risiko, das sie eingehen, bewusst. Der siebzehnjährige Lasse kommentiert: „An einem Ruhetag würde es nicht als Streik gelten.“ Die Bewegung „Freitage für die Zukunft“ benutzt die sozialen Medien, um die Menschen auf die Straße zu bringen. Die Absprachen erfolgen über soziale Medien, vor allem über den Messenger WhatsApp, sagt der fünfzehnjährige Linus Steinmetz, einer der Organisatoren. Die Anzahl der Protestierenden steigt ständig seit dem ersten Streik im Dezember. „Wir sind noch nicht müde vom Protest“, sagt Linus. „Jetzt müssen wir unserem Erfolg eine Richtung geben“. Dem Protest schlossen sich am 15. März viele Menschen an, die von ihren naheliegenden Büros kamen sowie zahlreiche Passanten, Radfahrer und Touristen.

Die Reaktionen auf die Proteste

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) forderte die Schulen in Hessen auf, keine Sanktionen wegen des am 15. März geplanten Protestes anzuordnen. „Das Bildungssystem hat nicht nur Kenntnisse in verschiedenen Fächern wie Mathe, Rechtschreibung und Fremdsprachen zu vermitteln“, sagte am Donnerstag in Frankfurt die GEW-Vorsitzende Maike Wiedwald. „In der Schule müssen wir die jungen Menschen zu einer informierten Beteiligung am Gesellschaftsleben erziehen.“

„Wenn sie später die Welt ändern wollen, ist jetzt ihre Bildung sehr wichtig“, sagte Wirtschaftsminister Peter Altmaier in einer Spiegel-Debatte im Zusammenhang mit dem Fernbleiben der Schüler_innen vom Unterricht, um an den Streiks für Umweltschutz teilzunehmen. Luisa Neubauer, eine der Organisatorinnen der Studentenproteste, sagte in der Spiegel-Debatte: „Wir machen das nicht, weil wir keine Lust haben, zur Schule oder zur Uni zu gehen. Sondern wir machen das hier, weil die Dringlichkeit, jetzt einen schnellen Kohleausstieg einzuleiten, so enorm ist.“

Die Elterninitiative „Eltern für die Zukunft“ steht auch an der Seite der Jugendlichen. Die Eltern verlangen von den Schulen, dass keine Disziplinarmaßnahmen verhängt werden, während die Kinder und Jugendlichen protestieren.
 
Vorige Woche begrüßten auch Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier die Schülerproteste. Viele Erwachsene haben immer noch nicht gemerkt, dass „die Uhr schon fünf Minuten vor zwölf geschlagen hat“, sagte Steinmeier zu den Schüler_innen in Neumünster. „Wir brauchen junge Menschen wie Sie, die eingreifen.“

In Zeiten, in denen die Politik schweigt und die Eltern viel zu beschäftigt sind, ergreifen Kinder und Jugendliche die Initiative mit der ihnen eigenen Energie, unermüdlich, bereit zu protestieren, bis endlich ernsthafte Maßnahmen getroffen werden. Auf einem der Protestplakate in Köln war zu lesen: „Ich will nicht, dass eines Tages meine Enkelkinder mich fragen: Opa, was ist ein Schneemann?

Die Schülerproteste halten an. Auf der offiziellen Website können sich Vertreter eines jeden Landes mit ihrer E-Mail Adresse anmelden und somit ständig in Kontakt mit der Bewegung zur Koordinierung der nächsten Initiativen stehen.

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