IGNACIA GONZÁLEZ
Ignacia González ist Regisseurin und absolvierte ihr Schauspielstudium sowie einen Master of Arts in Theaterwissenschaften an der Universidad Católica (Santiago). 2015 gründete sie die freie Theatergruppe Teatro Persona mit dem Ziel, szenische Projekte zu realisieren, die in ihrer Inszenierung ihren Schwerpunkt auf die Verbindung von Klang und Dunkelheit legen. Der Prozess der kollektiven Reflexion über aktuelle sozial-politische Themen, welcher durch das Theater angestoßen werden soll, ist ein ebenso wichtiger Pfeiler ihrer Bühnenprojekte. In 2015 führte Ignacia González erstmals Regie bei dem Stück La Fábrica de Vidrio, ein Site-Specific, das in einer alten Glas- und Keramikfabrik in Santiagos Stadtteil Recoleta präsentiert wurde. 2016 war sie Co-Regisseurin bei Telepatia, la nostalgia del cuerpo, welches im Teatro del Puente (Santiago) gezeigt wurde. 2019 führte sie im Rahmen des chilenischen Dramatikfestivals Rebelión de las Voces Regie bei der Inszenierung des Gewinnertexts Ella y los cerdos des chilenischen Autors Leonardo González. In 2020 war das Stück ebenso Teil des chilenischen Theaterfestivals Santiago OFF. Gefördert durch ein ITI-Stipendium realisierte Ignacia González 2019 eine Hospitanz bei Rimini Protokoll und war Teil der Produktion „Granma. Posaunen aus Havanna“, uraufgeführt am Maxim Gorki Theater in Berlin. Als Schauspielerin hat sie mit namhaften nationalen wie auch internationalen Regisseur*innen zusammengearbeitet, unter anderen mit Manuela Infante im Rahmen des Stücks Una Odisea (2013), mit TEATROPAN in Romeo y Julieta (2014) und mit She She Pop bei Oratorium (2019). Derzeit lebt sie in Puerto Montt im Süden Chiles, wo sie im Rahmen diverser Projekte die lokale Theaterszene stärken will.
PUNTO CIEGO
Das Stück PUNTO CIEGO führt die Zuschauenden zu einer überraschenden Begegnung mit den Konzepten der biologischen und der kulturellen Blindheit. Hierfür verknüpft das Stück den juristischen Prozess, den der chilenische Staat im Jahre 1880 gegen die sogenannten "Hexen von Chiloé" führte mit den realen Erfahrungen von Lorenzo Morales, einem 70-jährigen Blinden. Ein Bühnenbild bzw. die Bühne an sich bleiben in dieser Inszenierung verborgen, so dass die die Zuschauenden der Wahrnehmung einer blinden Person folgend eine alternative Art des Beobachtens und des Denkens der Welt erfahren. Ausgehend von einer interdisziplinären Arbeit werden die Zuschauenden in ihrer üblichen Art des Erfahrens und des Wahrnehmens provoziert und dazu angestoßen, diese vor allen Dingen in Richtung des Klangs zu öffnen. Das Stück gründet auf einer szenischen Annäherung an die „Kultur der Blindheit“ und richtet sich sowohl an blinde als auch sehende Zuschauer*innen. PUNTO CIEGO geht hierbei verschiedenen Vorurteilen auf den Grund, die sich über viele Jahre hinweg haben halten können und auch nach wie vor bestehen. Bedeutet etwas sehen zu können automatisch auch zu verstehen? Was sehen wir, wenn wir uns andere Menschen oder uns unbekannte Länder vorstellen? Wie sehen wir den*die „andere*n“ und wie nehmen wir jene wahr, die am Rande unserer Gesellschaft stehen? Was verbergen letztlich all die Bilder, die von einer Gesellschaft zu einem bestimmten Thema erzeugt werden?
Die Besonderheit, mit der sich das Stück PUNTO CIEGO mit dem Thema Blindheit befasst sowie der innovative Ansatz in Hinsicht auf den Zugang und die Barrierefreiheit für blinde Personen im Theaterkontext zeichnen diese Arbeit speziell aus. Gemeinsam mit dem blinden Schauspieler Lorenzo Morales, der ebenso fester Teil der Theatergruppe Teatro Persona ist, wurde das Stück nicht nur viele Male aufgeführt, sondern die Künstler*innen wurden ebenso dazu eingeladen auch im internationalen Kontext Workshops zu ihrer besonderen Arbeitsweise zu geben, darunter im Rahmen von Encuentro Otros Territorios (Mexiko, 2020) und Primer Simposio Acciones transversales inclusivas (México, 2019). Ignacia González hält regelmäßig Vorträge zu diesem Thema und ist eine der wenigen Theaterschaffenden in Chile, die sich intensiv mit dem Aspekt der Barrierefreiheit und Inklusion im Theater beschäftigt.
Trailer
MINI-DOKU ÜBER DEN ENTSTEHUNGSPROZESS
Bildergalerie zum Stück
Kritiken
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