„Risse in der Realität“ bei Goethe on Demand

Film|„Shahid“ (2024) von Narges Kalhor

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  • Sprache Deutsch mit spanischen Untertiteln
  • Preis kostenlos

Shahid Schmidbauer-Film Verleih, DFF © Leonie Huber

Shahid Schmidbauer-Film Verleih, DFF, © Leonie Huber

Während des Jahres 2026 bieten wir auf der Plattform Goethe on Demand die Filmreihe mit dem Titel „Risse in der Realität“ an. Monat für Monat können Sie neue Filme entdecken, die hinterfragen, was wir für Realität halten, und jene Momente sichtbar machen, in denen das fragile Konstrukt der Wirklichkeit ins Wanken gerät.

Das Spiel mit Schein und Wirklichkeit findet vor allem in der Narration von Spielfilmen Anwendung - die Täuschung der Zuschauer*innen wird zumSpannungsträger, zum Ausdruck der seelischen Verfassung der Figuren oder zur filmischen Selbstreflexion.

Gezeigt werden Filme, die mit dem Einbruch des Surrealen in eine vermeintlich gesetzte Wirklichkeit spielen: Die bewusste Irritation des Publikums wird zum Stilmittel, der Riss wird zur dramaturgischen Setzung und eröffnet ungeahnte Spiel-Räume.

Im Februar wird dieser Zyklus mit „Shahid“ (2024) von Narges Kalhor fortgesetzt. Es handelt sich um ein Werk, das sich mit dem Absurden auseinandersetzt und eine Brücke zwischen Realität und Fiktion sowie zwischen Theater und Musical schlägt. Darin versucht die Regisseurin – von einer Schauspielerin dargestellt –, ihren Nachnamen zu ändern, der „Märtyrer“ bedeutet. In diesem Versuch thematisiert sie zugleich die deutsche Bürokratie und das Leben im Exil.
 

SHAHID
Farbe, Deutsch, Farsi, 86 Min.
2023/2024, NargesKalhor

In ihrem autofiktionalen Filmwerk macht Filmemacherin Narges Kalhor ein komplexes identitätspolitisches Spannungsfeld sichtbar. Im Zentrum steht dabei die Frage nach weiblicher Identität zwischen ihrem Heimatland Iran und Deutschland – sowie nach der Sprache, die diese Identität prägt. Narges Kalhor möchte den mittleren Teil ihres Namens „Shahid“ ablegen, dessen Bedeutung „Märtyrer“ sie als schwere Last wahrnimmt. Er geht zurück auf einen Urgroßvater, der nach religiösen und politischen Mythen im Iran diesen Ehrentitel erhielt und ihn seinen Nachkommen ungefragt weitergab. Diesem Erbe begegnet Narges Kalhor mit reichlich Humor und einigen filmischen Kunstgriffen: Der legendäre Vorfahr erscheint gemeinsam mit seinen Gefährten als gespenstische Figuren, die das filmische Double der Regisseurin umtanzen und zurückgewinnen wollen. Die Kamera schwebt mit ihnen durch Filmkulissen, während die Protagonistin zugleich mit bürokratischen Hürden und psychologischen Gutachten ringt. Realität und Fiktion, Dokumentation und Performance, Theater, Schattenspiel und persische Bildtradition verschränken sich zu einem doppelbödigen Mix, der von Musik und absurdem Humor getragen wird.
Auszeichnungen:
IFF Berlin 2025: Preis der deutschen Filmkritik, Beste Musik
Hessischer Film- und Kinopreis 2024: Bester Spielfilm
IFF Berlin 2024: Caligari Filmpreis;CicaeArt Cinema Award, Forum