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19:00 Uhr

„Gedächtnis und Verantwortung“

Filmreihe|Dienstage des deutschen Films in Puerto Montt

  • Casa del Arte Diego Rivera, Puerto Montt

  • Sprache Deutsch mit spanischen Untertiteln
  • Preis freier Eintritt

Hanna Arendt © Heimatfilm

Hanna Arendt © Heimatfilm

Mehr als 80 Jahre sind seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs vergangen, doch seine Folgen wirken bis heute fort und haben angesichts des Erstarkens rechtsextremer Kräfte, die die Demokratie verunglimpfen und den Holocaust leugnen wollen, neue Aktualität gewonnen. Gedanken wie die von Hannah Arendt gewinnen dadurch erneut an Bedeutung.
Diese Filmreihe greift ihre Ideen auf und umfasst zudem neue deutsche Filme, die sich mit dieser Epoche auseinandersetzen. Dabei werden Themen wie Machtmissbrauch, der Widerstand gegen den Nationalsozialismus, die Suche der Opfer nach Würde sowie Erinnerungskultur behandelt.

Programm

01.09. Hannah Arendt (2011/2012), Margarethe von Trotta

08.09. Der Hauptmann (2017), Robert Schwendtke

15.09. Die Wannseekonferenz (2021), Matti Geschonneck

22.09. In Liebe, Eure Hilde (2022-2024), Andreas Dresen

29.09. Endlich Tacheles (2020), Jana Matthes & Andrea Schramm

Inhaltsangaben der Filme

HANNAH ARENDT
Farbe, 109 Min.
2011/2012, Margarethe von Trotta

Hannah Arendt ist Beobachterin im Prozess gegen Adolf Eichmann. Sie erwartet die Konfrontation mit einem Monster. Stattdessen erlebt sie einen banalen Bürokraten. Reflektiertes Portrait einer mutigen und entschlossenen Frau.
Biografischer Spielfilm über die Philosophin Hannah Arendt (1906-1975), vor allem ihre Beobachtung und Bewertung des Prozesses gegen Adolf Eichmann in Jerusalem. Verdichtet zum dynamisch erzählten Porträt einer Ausnahme-Intellektuellen des 20. Jahrhunderts, beeindruckt der Film auch mit seinen intimen Schilderungen des New Yorker Milieus der deutsch-jüdischen Emigranten zu Beginn der 1960er Jahre. Über die Dialoge, die Arendt in dieser Zeit mit ihrem Mann Heinrich Blücher, sowie ihrer Sekretärin Lotte Köhler führt, wird der Zuschauer über einige ihrer biografischen sowie die politisch-philosophischen Hintergründe und Motive ihrer Positionen informiert. Nach zwei Jahren intensiver Arbeit an diesem Essay wird er 1963 in fünf Teilen veröffentlicht und provoziert schon nach dem Erscheinen der ersten Folge sofort einen weltweiten Skandal. Hannah Arendt zieht sich aufs Land zurück, um sich der öffentlichen Aufmerksamkeit zu entziehen. Auch viele ihre Freunde kritisieren sie heftig und werfen ihr eine Verharmlosung des Holocausts vor. Ihre akademische Karriere scheint gefährdet, und die Veröffentlichung der Artikelserie als Buch (Eichmann in Jerusalem. Ein Bericht von der Banalität des Bösen) soll sie auf Drängen des israelischen Auslandsgeheimdienstes Mossad aufgeben. Arendt jedoch bleibt konsequent bei ihrer Haltung und scheut keine Auseinandersetzungen. Bei ihren weiteren Vorlesungen sind die Hörsäle überfüllt, die Studenten hören mit Interesse ihre Analysen und unerschrockenen Schlussfolgerungen, denn sie wirkt, gerade für junge Menschen, wegweisend in ihrem Verständnis von Menschlichkeit, persönlicher Verantwortung und engagiertem Denken.
 
DER HAUPTMANN
s/w, Deutsch mit span. Untertiteln, 119 Min.
2017, Robert Schwendtke

In den letzten Wochen des Zweiten Weltkriegs findet der junge Gefreite Willi Herold auf der Flucht eine Hauptmannsuniform. Ohne zu überlegen, streift er die ranghohe Verkleidung und die damit verbundene Rolle über. Schnell sammeln sich versprengte Soldaten um ihn – froh, wieder einen Befehlsgeber gefunden zu haben. Aus Angst enttarnt zu werden, steigert sich Herold nach und nach in die Rolle des skrupellosen Hauptmanns und verfällt dem Rausch der Macht. „Der Hauptmann" zeigt auf eindringliche Weise, wie selbst im Chaos der letzten Kriegstage etablierte Befehlsketten und Machtmechanismen funktionieren, und stellt den Zuschauer vor die Frage: Wie würde ich handeln?
Gewinner vom Preis der Jury beim Filmfestival San Sebastián 2017 für beste Kamera, Deutscher Filmpreis 2018 für beste Tongestaltung, Europäischer Filmpreis 2018 für bestes Sounddesign, Bayerischer Filmpreis 2019 für bester Nachwuchsdarsteller.
 
DIE WANNSEEKONFERENZ
Farbe, 104 Min.
2021, Matti Geschonneck

Bei einer „Besprechung mit anschließendem Frühstück“ soll die „Endlösung der Judenfrage“ erörtert werden. So liest sich zumindest die Einladung zu jenem Zusammentreffen ranghoher Bürokraten des Nationalsozialistischen Regimes am 20. Januar 1942, das heute unter dem Namen Wannseekonferenz fungiert. Die Vernichtung der europäischen Juden war beschlossene Sache und das Massenmorden nicht nur in den besetzten Ostgebieten längst in Gange, das Zusammentreffen diente vor allem der effizienteren Organisation des Völkermords. Beinahe in Echtzeit re-inszeniert der Film die historische Konferenz als Kammerspiel brillanter Schauspieler, basierend unter anderem auf dem von Adolf Eichmann akribisch angefertigten Protokoll und weiteren überlieferten Dokumenten. Nicht anders als in jeder Behörde oder auch in den Sitzungen von Unternehmen geht es vornehmlich um das Abstecken von Zuständigkeiten und Kompetenzen, um Hierarchiefragen unter Abteilungsleitern oder um effiziente Kosten-Nutzen-Rechnungen. Gerade in der Nüchternheit des als Verwaltungsakt beschlossenen Genozids liegt das Schockierende der Wannseekonferenz, das dieser Film eindringlich rekonstruiert.
 
IN LIEBE, EURE HILDE
Farbe, 125 Min.
2022-2024, Andreas Dresen

Drama nach einer realen Begebenheit. Berlin, Anfang 1942: Der Zweite Weltkrieg ist in vollem Gange. Die 22-jährige Arzthelferin Hilde Coppi hat sich einer Widerstandsgruppe angeschlossen, die man später die "Rote Kapelle" nennen wird. Zu dieser Zeit lernt sie ihren künftigen Ehemann Hans kennen und lieben. Zwischen den Aktionen der Gruppe und ständiger Gefahr der Verhaftung verleben die beiden einen zauberhaften Sommer miteinander. Schließlich werden sie verhaftet, Hilde kommt schwanger ins Gefängnis und bringt schließlich in Haft ihr Kind zur Welt. Kurz darauf wird sie zum Tode verurteilt. In den letzten Monaten hilft ihr die Mutterschaft, nicht an ihrem Schicksal zu zerbrechen.
 
ENDLICH TACHELES
Farbe, 104 Min.
2020, Jana Matthes & Andrea Schramm

Lässt sich Geschichte spielend ändern? Warum haben sich die Juden im Krakauer Ghetto nicht gegen die Nazis gewehrt? Und hätte der SS-Mann nicht auch Juden retten können? Im Computerspiel „Als Gott schlief“, das die drei jungen Gamedesigner*innen Yaar, Marcel und Sarah gemeinsam entwickeln wollen, soll all dies möglich werden. Als Vorbilder dienen Yaars jüdische Großmutter, die einen Großteil ihrer Verwandten im Holocaust verloren hat, und ein SS-Mann aus Marcels Familie. Man spürt nur allzu deutlich, wie die beiden jungen Männer den ihnen zugeschriebenen Rollen in der routinierten deutschen Gedenkkultur entfliehen wollen. Für „atmosphärische“ Recherchen mieten sie sich eine leerstehende Villa in Krakau, jener Stadt, in der Yaars Vorfahren einst gelebt hatten. Kaum überraschend kommt das Entsetzen von Yaars Vater gegenüber der Spiel-Idee seines Sohnes, doch letzten Endes wird die Auseinandersetzung um Wurzeln, Erinnerung und Traumabewältigung die beiden Männer einander näherbringen. Und spätestens als es darum geht, ob man das Spielziel überhaupt als Happy End gestalten könne, gerät die Geschichtsrevision an ihre Grenzen.