Alle gegen Alles

Goethe On Demand | Punk@50

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Gruppenbild der Punkband Kleenex © Salzgeber (Detail)

Gruppenbild der Punkband Kleenex © Salzgeber (Detail)

1976 hatte der Punk, der als Untergrundbewegung begann, mit seinem kühnen neuen Sound, seinem Anti-Establishment-Ethos und seiner kraftvollen Do-it-Yourself-Haltung im politischen wie persönlichen Ausdruck seinen Siegeszug um die Welt angetreten. Zum fünfzigjährigen Jubiläum des Punk präsentieren das German Film Office und die Goethe-Institute in Nordamerika bis 31. Dezember 2026 auf Goethe on Demand die kostenfreie Streamingreihe Alle gegen Alles: Punk@50 .
Mit Dokumentationen über die Punkszene in Ost- und Westdeutschland, einem Blick auf Frauenbands, die allen Gender-Erwartungen trotzten, und Spielfilmen über junge Rebellen, die im Punk ihre eigene Stimme finden, wirft diese Reihe einen Blick auf die explosive Geschichte des Punk als kraftvolle Form des Widerstands und darauf, wie die Bewegung auch in der heutigen Zeit noch ein Gegenmittel zum Konformismus bietet.

Programm

Verschwende deine Jugend
In den goldenen Zeiten des New Wave der 1980er-Jahre ist eine Banklehre in München nicht das, was sich Harry für sein Leben vorgestellt hat. Während er tagsüber einer alles andere als glamourösen Tätigkeit nachgeht, versucht er nachts, als Manager von Apollo Schwabing, der Band eines Freundes, in der Musikszene Fuß zu fassen. Er wittert seine Chance, als er Apollo Schwabing als Vorband für ein Konzert der legendären Elektropunk-Formation D.A.F. buchen kann. Doch seine Hoffnungen zerplatzen wie Seifenblasen, als Apollo Schwabing die Zusage in letzter Minute verpasst. Nun muss er alles dafür tun, dass die Show doch noch stattfindet: Er verkauft seine geliebte Plattensammlung, klaut Gitarren und begeht schließlich noch gewagtere Verbrechen …
Als wichtiger Meilenstein in der Karriere von Schauspieler Tom Schilling („Fabian oder Der Gang vor die Hunde“, „Oh Boy“) ist VERSCHWENDE DEINE JUGEND eine leidenschaftliche Liebeserklärung an die junge Avantgarde der Punkbewegung. Um es mit den Worten von D.A.F. in ihrem Song „Verschwende deine Jugend“ zu sagen: „Tu, was du willst, solange du noch kannst. Verschwende deine Jugend!“
Dorfpunks
Der 17-jährige Malte, der sich am liebsten „Roddy Dangerblood“ nennt, hat gerade mit zehnjähriger Verspätung den Punk für sich entdeckt. Es ist 1984 und das verschlafene Ostseekaff Schmalenstedt nicht gerade der Hotspot der Rebellion. Roody hat in diesem Sommer also einiges nachzuholen, als ihn das Aufbegehren gegen das Establishment packt. Gemeinsam mit Freunden gründet er eine Band mit dem Kampfnamen „Warhead“. Sie liefern sich Schlägereien mit den Jungs von den Bauernhöfen im Ort, schmeißen Partys, verwüsten Häuser und versuchen, bei den Mädchen zu landen, wie Roddy bei seinem Schwarm Maria. Doch als es zwischen den Mitgliedern von Warhead zum Streit kommt, und Roddys Chancen bei Maria immer weiter schwinden, muss sich der junge Rocker entscheiden: Wie wichtig ist ihm der Punk wirklich, und ist die Anarchie den ganzen Ärger überhaupt wert?
DORFPUNKS basiert auf dem autobiografischen Roman des Musikers Rocko Schamoni. In dieser einfallsreichen Geschichte vom Erwachsenwerden verlegt er die Punkbewegung kurzerhand in ein kleines Dorf abseits der Großstädte. Wo im Verlauf eines unvergesslichen Sommers Kühe und Felder auf Lederkutten und Iros treffen.
B-Movie - Lust & Sound in West-Berlin
Auf den Spuren von Legenden wie David Bowie und CAN zieht der Punkrocker und Liebhaber früher Elektronik-Acts, Mark Reeder, 1979 von Manchester in das geteilte Berlin. Und filmt dort glücklicherweise alles, was ihm vor die Linse kommt: Teenager in schwarzer Lederkluft mit wilden pink-roten Mähnen, Gigs in ranzigen Kellerlöchern und bekannte Szenegrößen wie Nick Cave, Gudrun Gut von Mania D. und Blixa Bargeld von den Einstürzenden Neubauten. Als Insider/Outsider wirft Reeder einen Blick in das Epizentrum der deutschen Untergrundkultur – von den systemsprengenden Sternstunden der Bewegung bis zu ihrem langsamen Ausklang in den Jahren nach der Wiedervereinigung.
Mit seiner liebevollen Auswahl von Film- und Tonmaterial aus einem faszinierenden Jahrzehnt liefert „B-Movie: Lust & Sound in West-Berlin“ einen rasanten, aber doch intimen Einblick in die Subkultur der Berliner Punk- und Elektronikszene durch die Augen eines ihrer größten Verehrer.
Einfach Machen – She-Punks von 1977 bis heute
Punk war von Anfang an mehr als nur Musik: Er war Haltung, Protest, DIY-Kultur und Ausdruck einer tiefen Unzufriedenheit mit den Verhältnissen. Und genau deshalb ist Punk auch heute wieder hochaktuell – in einer Zeit, in der junge Menschen weltweit nach neuen Ausdrucksformen, Selbstermächtigung und Widerstand suchen. EINFACH MACHEN widmet sich den Musikerinnen der Punk-Szene der späten Siebziger- und frühen Achtzigerjahre. Nach Vorbildern in England gründen sich in Düsseldorf Östro 430, in West-Berlin Mania D, später Malaria!, und in Zürich Kleenex, später LiLiput. Es entstehen Songs über Rollenklischees und Spießertum, über Machos und dogmatische Feministinnen. Ein Film über Punk aus weiblicher Perspektive und ein unvergleichliches, unwiederbringliches Lebensgefühl.
Flüstern & SCHREIEN
Der Dokumentarfilm FLÜSTERN & SCHREIEN ist ein schrilles Zeugnis der ostdeutschen Musikszene in den späten 1980er-Jahren. DDR-Punk und -Rock sowie das musikalische Lebensgefühl einer ganzen Generation werden hier dokumentiert. Nicht nur bekannte Bands wie Silly, auch Underground-Bands, ihre Fans und das Publikum auf Livekonzerten kommen in Interviews zu Wort. Sie sprechen darüber, welche Rolle Musik in ihrem Leben hat und wie sich darin ihr Lebensgefühl ausdrückt. Auch Konflikte mit Eltern und dem politischen Klima in der DDR werden diskutiert.
FLÜSTERN & SCHREIEN zeigt Musik als Protestmittel einer Subkultur, die darin ihre Rebellion gegen das politische System ausdrückt. Ganz nebenbei entsteht auch ein lebendiges Bild der Mode, Jugend- und Gegenkultur im Umfeld von Bands wie Feeling B., Sandow oder Chicorée. Der vom staatlichen DEFA-Studio für Dokumentarfilme produzierte Film lockte bei seinem Erscheinen ein Jahr vor dem Mauerfall hunderttausende Publikumspersonen in die Kinos der DDR.