74 chinesische Jugendliche im Reisefieber

Ausreiseseminar für 74 vom Goethe-Institut geförderter PASCH Jugendkursstipendiaten und 5 Begleitlehrkräften am 4. August 2018 in Peking mit anschließendem Nachtflug nach Deutschland.

74 Stipendiaten bei dem Ausreiseseminar in Peking ©Goethe-Institut (China)

Die 2008 vom Auswärtigen Amt gestartete Initiative „Schulen: Partner der Zukunft (PASCH)“ fördert weltweit rund 1800 lokale Schulen, an denen Deutsch einen besonders hohen Stellenwert hat. In China unterstützt das Goethe-Institut Peking 82 PASCH-Schulen und hat seit 2008 rund 700 chinesische Jugendliche zu Sommerkursen nach Deutschland eingeladen. Ziel ist es, den jungen Deutschlernern zu ermöglichen, die Sprache und Kultur hautnah zu erleben und erste Austauscherfahrungen in der Ferne zu sammeln. Um sich gemeinsam auf den Aufenthalt in einer neuen und noch etwas fremden Kultur vorzubereiten, veranstaltete das Goethe-Institut China bereits zum dritten Mal ein vorbereitendes Seminar und lud hierzu alle Stipendiaten am 4. August nach Peking ein. Austausch über Erwartungen, Stereotypen, Unterschiede und Gemeinsamkeiten der chinesischen und deutschen Kultur in Anwendung der bereits erworbenen Deutschkenntnisse standen im Vordergrund der Veranstaltung. Dass sich junge Menschen mit einer offenen, neugierigen und toleranten Haltung verständigen und kennenlernen, sind Maxime der Jugendkursbegegnungen in Deutschland.

Im Interview erzählen uns Wang Xiaoya (Wuhan), Guan Furui (Shenyang) und Huang Ziyang (Peking), 3 junge Deutschlerner chinesischer PASCH-Schulen von ihrer Motivation fürs Deutschlernen und ihren Eindrücken aus Deutschland.
 
Warum lernt ihr Deutsch?
Huang Ziyang: An meiner Schule, der Zhichunli Grundschule in Peking, wird Deutsch als Wahlfach angeboten, da ich dies als etwas Neuartiges empfand, habe ich mich kurzerhand angemeldet und bin der Klasse beigetreten. Nach fleißigem Lernen stellten sich bereits kleine Erfolg ein.
Wang Xiaoya: Ich interessiere mich sehr für Fremdsprachen, die Auswahl hierfür ist an meiner Schule, der Mittelschule Nr.1 der Zentralchinesischen Pädagogischen Universität in Wuhan, sehr breitgefächert, z.B. Spanisch, Französisch usw. Ich habe mich schließlich aufgrund der hohen Anwendbarkeit für Deutsch entschieden, meine Familie befürwortet zudem die Lebensweise und Werte in Deutschland, wovon ich sicher viel lernen kann. Das Erlernen einer weiteren Sprache bedeutet den Erwerb einer zusätzlichen Fertigkeit, neue Freunde und hilft mir bei Reisen nach Deutschland.
Guan Furui: Eines der Wahlfächer unserer Schule ist Deutsch, wofür ich mich entschieden habe. Mit dem Erlernen der deutschen Sprache kann man etwas Wirklichkeitsnahes und Anwendbares erlernen. Deutsch macht mir, seit ich die Lieder des Sängers CRO entdeckt habe, nun noch viel mehr Spaß.
 
Welche Erwartungen habt ihr an den Jugendkurs und euren Aufenthalt in Deutschland?

Guan Furui: Das sind ganz schön viele! Ich möchte die deutsche Kultur kennenlernen, typische deutsche Speisen probieren und hoffe, dass ich mich mit Menschen anderer Kulturen austauschen und Freundschaften schließen kann. Natürlich möchte ich auch gerne mein Deutsch verbessern und zudem unbedingt modische Schuhe von Adidas kaufen.
Huang Ziyang: Ich bin total aufgeregt. Dass ich an diesem Jugendkurs teilnehmen darf, habe ich auch meinem eigenen Fleiß zu verdanken, so habe ich mich wenigstens nicht umsonst angestrengt. Deutschland ist ein entwickeltes und fortgeschrittenes Land, ich möchte von dessen Kultur und hochmoderner Technik lernen. Überhaupt möchte ich später noch viel mehr von Deutschland lernen und bin voll freudiger Erwartung auf diesen Aufenthalt.
Wang Xiaoya: Ich möchte gerne meinen eigenen Horizont erweitern, Menschen aus anderen Ländern und für mich fremden Kulturen begegnen. Wissen kommt sowohl vom Lesen vieler Bücher als auch von den Erfahrungen in der Welt. Die Welt aus einem anderen Winkel und einer anderen Sichtweise zu betrachten, ist für mich als Person eine wichtige Entwicklungschance. Außerdem möchte ich gerne das Zeugnis einer bestandenen Prüfung mit nach Hause nehmen. In meiner Zeit als Gymnasiastin ein Zeugnis einer zweiten Fremdsprache erwerben zu können, würde für mich ein Erfolgserlebnis bedeuten.

  • Spiele zum Kennenlernen als Seminarauftakt © Goethe-Institut China
    Spiele zum Kennenlernen als Seminarauftakt
  • Spaß beim Deutschlandquiz © Goethe-Institut (China)
    Spaß beim Deutschlandquiz
  • Helden und bekannte Persönlichkeiten der chinesischen und Deutschen Kultur © Goethe-Institut (China)
    Helden und bekannte Persönlichkeiten der chinesischen und Deutschen Kultur
  • Beschäftigung mit kulturellen Stereotypen © Goethe-Institut (China)
    Beschäftigung mit kulturellen Stereotypen
  • Beschäftigung mit kulturellen Stereotypen © Goethe-Institut (China)
    Beschäftigung mit kulturellen Stereotypen
  • Endlich in Deutschland gelandet. Müde aber glücklich! © Goethe-Institut (China)
    Endlich in Deutschland gelandet. Müde aber glücklich!
  • Erster Tag am Kursort Hohebuch © Goethe-Institut (China)
    Erster Tag am Kursort Hohebuch

Was nehmt ihr aus dem Ausreiseseminar vom 4. August in Peking mit?
Huang Ziyang: Ziemlich viel! Ich habe einige Kulturelle Unterschiede begriffen, neue Freunde getroffen, mit welchen ich nun gemeinsam nach Deutschland reisen und mehr als 20 Tage zusammen verbringen werde. Darüber freue ich mich, das alles ist wirklich eine tolle Sache.
Wang Xiaoya: Über die deutsch-chinesischen Kulturunterschiede habe ich viel erfahren. Das Ausreiseseminar hat mir gezeigt, dass Deutschland ein sehr tolerantes und vielschichtiges Land ist. Wichtig ist auch, dass wir, während wir eine neue Kultur entdecken, auch unsere eigenen Wurzeln und Traditionen wahren und reflektieren. Beide Kulturen zu verbinden und zu vergleichen, gibt mir einen profunderen Einblick in meine eigene Herkunft.
Guan Furui: Chinaweite Freundschaften habe ich mitgenommen. Zudem habe ich viel über unterschiedlichen Kulturen und über meine eigene Einstellung in Bezug auf Begegnungen mit Fremdem gelernt. Meine Hüfte hat ein wenig vom Herumsitzen auf dem Boden geschmerzt. 

Wie sind eure ersten Eindrücke von eurem Kursort und von euren Mitschülern?
Wang Xiaoya: Die Qualität der Luft ist prima und das Wetter sehr angenehm. Chinesen reisen gerne in etwas kühlere Gegend, um der Hitze der Heimat zu entfliehen. Das Wohnheim gefällt mir sehr gut, nur komisch, dass es keine Wäscheleinen im Zimmer gibt und dass es nur Toiletten mit Sitz, nicht aber zum Hocken wie bei uns gibt.
Guan Furui: Meinen ersten Eindruck kann ich mit Adjektiv „klein“ wiedergeben. Nachdem wir ankamen, unternahmen wir eine Führung durch den Campus, die in nur 10 Minuten beendet war. Das Wohnheim, das wir zu dritt beziehen, ist wirklich mega-klein, ins Badezimmer kommt man kaum rein, meine Sachen bringe ich kaum unter und das Bett ist ebenfalls mini! Der Gesamteindruck allerdings der sehr grünen Umgebung ist großartig, eingerahmt von einem Wäldchen und Wiesen, das gefällt mir sehr!

Was ist für euch nun der größte greifbare Unterschied zwischen der deutschen und der chinesischen Kultur?
Wang Xiaoya: Das Konzept von „Ladies first“ in Deutschland gefällt mir unglaublich gut.
Guan Furui: Einen wirklich großen Unterschied habe ich gar nicht bemerkt, nur die UNO Spielregeln sind unterschiedlich.

Wie läuft der Austausch mit den anderen Teilnehmern und Teilnehmerinnen am Kursort?
Wang Xiaoya: Am Jugendkursort habe ich 2 Teilnehmer/-Innen kennengelernt, die ein wenig Chinesisch sprechen, eine davon kommt aus Estland, der andere aus Korea. Das Sprachniveau der Jugendkursteilnehmer/-Innen aus China bewegt sich zum größten Teil auf einem A1 Niveau, somit sind fast alle Chinesinnen und Chinesen im A1 Kurs. Wir können uns noch kaum auf Deutsch mit anderen austauschen oder verständigen, aber ich habe mir fest vorgenommen, das zu ändern und nicht aufzugeben. Hauptsächlich verständige ich mich mit den anderen Jugendlichen auf Englisch, das klappt ganz gut, obgleich wieder andere nicht so gut Englisch sprechen, sondern eine andere Fremdsprach besser beherrschen, wie eben Deutsch oder Französisch.
Guan Furui: Beim Austausch gibt es keine großen Probleme, es ist unglaublich interessant, dass an unserem Kursort Menschen aus den unterschiedlichsten Ländern und Kulturen zugegen sind, wir uns gegenseitig umgangssprachliche Ausdrücke beibringen, zum Beispiel „malaka, car, blierd“ usw. Das macht wirklich total Spaß. Außerdem gefällt es mir, mich mit meinen beiden Mitbewohnern (einer kommt aus Albanien, Boris, der andere aus Malaysia, Adam) auszutauschen. Am Abend vor dem Schlafen chatten wir über unsere unterschiedlichen Lebensweisen, über unsere Gefühle, über unsere Lieblingsspeisen, Spiele, Politik, Musik, Religion, Girls, Movies. Vor ein Uhr nachts schlafe ich eigentlich nie! Das ist unglaublich, ich bin ganz high!

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Weitere Informationen zu den Jugendkursen in Deutschland:
www.pasch-net.de