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19:00–18:00 Uhr

Kino und Musik im deutschen Untergrund

Filmreihe|Diese Trilogie lädt dazu ein, in die lebendige deutsche Gegenkultur der 1980er- und 1990er-Jahre einzutauchen, in der Klang und Bild zu Waffen des Widerstands und der Kreativität wurden.

  • Cinemateca de Bogotá, Bogotá

  • Sprache Deutsch mit spanischen Untertiteln
  • Preis 7.000 COP

Design mit Bild von Einstürzende Neubauten © Cinemateca de Bogotá

Design mit Bild von Einstürzende Neubauten © Cinemateca de Bogotá

Von der subversiven Kapitalismuskritik in Decoder, über das dokumentarische Porträt der experimentellen Kraft von Einstürzende Neubauten, bis hin zur Evokation der kulturellen Aufbruchsstimmung im West-Berlin in B-Movie vereint dieser Zyklus drei Perspektiven, die zeigen, wie Musik und Film ein alternatives Deutschland prägten – gekennzeichnet von Rebellion, Experimentierfreude und dem Streben nach künstlerischer Freiheit. 

FILMPROGRAMM

B-Movie: Lust & Sound in West-Berlin

Regie: Jörg A. Hoppe, Heiko Lange und Klaus Maeck, 90 Min., Deutschland, 2015

Der Film entführt uns in die pulsierende Atmosphäre West-Berlins während eines Jahrzehnts, das von kulturellen Umbrüchen und künstlerischer Freiheit geprägt war. Der Film beginnt mit der Ankunft des britischen Musikenthusiasten Mark Reeder in der geteilten Stadt, die trotz oder gerade wegen ihrer Isolation eine blühende Subkultur hervorbrachte. Reeder, angezogen von der magnetischen Anziehungskraft der Berliner Avantgarde, findet schnell seinen Platz in einer Szene, die ebenso vielfältig wie exzentrisch ist. Durch eine faszinierende Mischung aus Archivaufnahmen und Reeders persönlichen Erinnerungen zeichnet der Film ein lebendiges Bild dieser Ära. Von den anarchischen Punkshows bis hin zu den ersten Techno-Partys, die unter dem Einfluss der Berliner Mauer entstanden, erleben die Zuschauer eine Stadt im kreativen Ausnahmezustand.
3. März | 19 Uhr | Saal 2
*Filmvorführung mit Q&A + DJ-Set und Bier nach der Präsentation

8. März | 16:30 Uhr | Saal 2
*Filmvorführung

Decoder

Regie: Muscha, 90 Min., Deutschland, 1984

Musik als Waffe! Im chaotischen Heimstudio decodiert Soundtüftler FM Muzak, die manipulative, einlullende Beschallung der Fast-Food-Läden und Einkaufstempel der Stadt, setzt sie neu zusammen und erschafft so die Gegenwaffe der Stadtguerilla: die umgepolten Geräuschkulissen wiegeln auf und werden so den herrschenden Mächten gefährlich. Unruhen sind die Folge. Das zu verhindern versucht Jäger, ein melancholischer Agent, der bald schon FMs Freundin Christiana verfällt... 

Frei nach Theorien und den Cut-Up-Methoden des legendären Beat-Poeten William S. Burroughs feierte die Kapitalismus- und Konsumkritik im Orwell-Jahr 1984 ihre Leinwandpremiere. Die damals wenig freundliche Rezeption seitens der Kritik hat dem heutigen Ruf des Films nicht geschadet über 40 Jahre später ist DECODER vielmehr aktueller denn je und gilt in vielen Ländern als subversiver (Cyber)Punk-Kultklassiker.

Keinen geringen Anteil daran haben auch sein beeindruckend illuminierter Look, der Soundtrack (u.a. Einstürzende Neubauten und Soft Cell) und die Mitwirkung bekannter Protagonisten der Gegenkultur: von Christiane F. und Genesis P-Orridge bis Burroughs höchstpersönlich.
5. März | 19 Uhr | Saal 2
*Filmvorführung mit Q&A

7. März | 16:30 Uhr | Saal 3
*Filmvorführung

Einstürzende Neubauten: Liebeslieder

Regie: Klaus Maeck und Johanna Schenkel, 100 Min., Deutschland, 1993

Diese 1993 erstmals veröffentlichte Dokumentation beleuchtet anhand von Interviews mit der Band und Wegbegleitern, seltenen Archivaufnahmen und Videoclips die erste Schaffensphase der Band, von der Aufnahme der ersten Single unter einer Autobahnbrücke bis zu brillanten Live-Aufnahmen der letzten Tournee in der Originalbesetzung (Blixa Bargeld, N.U.Unruh, FM Einheit, Mark Chung, Alexander Hacke). 

4. Marz | 19 Uhr | Saal 2
*Filmvorführung mit Q&A

6. März | 16:30 Uhr | Saal 3
*Filmvorführung

GAST

Klaus Maeck (Drehbuchautor, Regisseur, Produzent)

1979, als der Punkrock nach Deutschland schwappte, eröffnete Maeck ‚Rip Off‘, den legendären Plattenladen und Vertrieb für die neue deutsche Musik der Zeit. In den 80er Jahren entstanden seine ersten Filme ‚Decoder‘ (1984) und ‚William S. Burroughs: Commissioner of Sewers’ (1989) sowie die Buchveröffentlichungen ‚Decoder Handbuch‘ (1984) und ‚Einstürzende Neubauten: Hör mit Schmerzen‘ (1989). Später war er Mitbegründer und langjähriger Geschäftsführer des unabhängigen ‚Freibank‘ Musikverlags. Durch seine Tätigkeit als Musikberater für Filme traf er den jungen Regisseur Fatih Akin und noch während der Arbeit an dem später mit dem Goldenen Bären ausgezeichneten Film Gegen die Wand (2004) gründeten sie gemeinsam ihre eigene Produktionsfirma corazón international, mit der sie Akins Filme und die anderer Regisseure produzierten. Im Jahr 2013 gründete Maeck seine eigene Filmproduktionsfirma ‚Interzone Pictures‘. Die von ihm koproduzierte Doku ‚B-Movie: Lust & Sound in West-Berlin‘ (2015) wurde schnell zum Berliner Kultfilm. Sein letzter Film ‚Alles ist eins. Außer der 0.’ über die Geschichte der deutschen Computerhacker wurde 2021 veröffentlicht.