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20:00 Uhr
Kunstcafé: Julia Gaisbacher
Gespräch
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Goethe-Institut Belgrad, Bibliothek, Beograd
Gespräch über das Buch „One Day You Will Miss Me“
Mit: Julia Gaisbacher, Künstlerin
Moderator: Dr. Selman Trtovac, Leiter der Bibliothek des Goethe-Instituts Belgrad
Mit: Julia Gaisbacher, Künstlerin
Moderator: Dr. Selman Trtovac, Leiter der Bibliothek des Goethe-Instituts Belgrad
Von 2017 bis 2019 dokumentierte und analysierte Julia Gaisbacher in ihrer medienübergreifenden Werkserie One Day You Will Miss Me die durch das großräumige Immobilienprojekt Belgrade Waterfront ausgelösten urbanen Transformationsprozesse in Belgrad. Ihre Fotografien bilden den Kern ihrer räumlichen Bestandsaufnahmen und soziokulturellen Recherchen.
Die gleichnamige Publikation umfasst neben dem fotografischen Einblick in Julia Gaisbachers Arbeit fünf Texte in deutscher und englischer Sprache. Elke Krasny, Professorin an der Akademie der bildenden Künste Wien, Kuratorin und Kulturtheoretikerin, Barbi Marković, Schriftstellerin, Dubravka Sekulić, Belgrader Architektin, unterrichtet als Senior Tutor am Royal College of Art London, Jovana Timotijević, gesellschaftspolitische Aktivistin aus Belgrad, Iva Čukić, Belgrader Raumplanerin und Aktivistin, und Reinhard Braun, Künstlerischer Leiter von Camera Austria und Herausgeber der Zeitschrift Camera Austria International, bringen ein breites Spektrum an Perspektiven auf Gaisbachers Werk ein. Der renommierte mexikanische Fotograf Alejandro Cartagena konzipierte die Bildsequenz.
Das Gespräch mit Julia Gaisbacher wird in Zusammenarbeit mit dem Österreichischen Kulturforum verwirklicht.
Veränderungen sind ein immanentes Charakteristikum belebten, urbanen Raums. Während die städtischen Gefüge historischer Innenstädte meist organisch wuchsen, greifen Immobilienentwicklungsprojekte wie Belgrade Waterfront disruptiv ein. Finanziert durch die international tätige Investorengruppe Eagle Hills zählt es zu den größten Bauvorhaben in Europa und transformiert seit 2015 die gesamte Stadtlandschaft Belgrads nachhaltig. Großformatige Glasund Stahlvolumen kontrastieren mit der historisch gewachsenen Stadt, zugleich dominiert das Bauprojekt stadtplanerisch, ökonomisch und visuell den Alltag Belgrads. Daraus resultieren nicht nur architektonische Verwerfungen, sondern ebenso sozioökonomische Spannungen.
Julia Gaisbacher beschäftigte sich in diesem Projekt mit der fortlaufenden visuellen Dokumentation und Analyse der Belgrade Waterfront – für die Künstlerin ein exemplarisches Beispiel für viele Umbrüche der Gegenwart. In urbanen Porträts hielt Gaisbacher wiederkehrend die Umformung des Belgrader Stadtgefüges sowie die baulichen Veränderungen fest – ein Archiv des sich langsam verändernden Belgrads.
Die entstandene Serie rückt in Schwarz-Weiß- und Farbfotografien die historische Belgrader Stadtlandschaft in den Mittelpunkt. Zum weithin sichtbaren Symbol werden dabei die Betonskelette der ersten Wohntürme der Belgrade Waterfront. Obgleich nie im Fokus der Aufnahmen, sind sie aufgrund ihrer Dimension und Materialität stets als Fremdkörper präsent.
Zeitgleich trat Julia Gaisbacher einen Schritt näher an das Bauprojekt und seine Auswirkungen auf den Alltag der Bewohner*innen Belgrads heran. Aus dieser Perspektive fokussiert sie auf die Diskrepanz zwischen der Lebensrealität vieler Belgrader*innen und den Hochglanzsujets, Bewerbungs- und Vermarktungsstrategien der geplanten Wohnungen. Julia Gaisbachers Beobachtungen sind ebenso als visuelle Metapher politischer Entwicklungen und urbaner Transformationsprozesse im globalen Kontext lesbar.
Anna Resch
Julia Gaisbacher beschäftigte sich in diesem Projekt mit der fortlaufenden visuellen Dokumentation und Analyse der Belgrade Waterfront – für die Künstlerin ein exemplarisches Beispiel für viele Umbrüche der Gegenwart. In urbanen Porträts hielt Gaisbacher wiederkehrend die Umformung des Belgrader Stadtgefüges sowie die baulichen Veränderungen fest – ein Archiv des sich langsam verändernden Belgrads.
Die entstandene Serie rückt in Schwarz-Weiß- und Farbfotografien die historische Belgrader Stadtlandschaft in den Mittelpunkt. Zum weithin sichtbaren Symbol werden dabei die Betonskelette der ersten Wohntürme der Belgrade Waterfront. Obgleich nie im Fokus der Aufnahmen, sind sie aufgrund ihrer Dimension und Materialität stets als Fremdkörper präsent.
Zeitgleich trat Julia Gaisbacher einen Schritt näher an das Bauprojekt und seine Auswirkungen auf den Alltag der Bewohner*innen Belgrads heran. Aus dieser Perspektive fokussiert sie auf die Diskrepanz zwischen der Lebensrealität vieler Belgrader*innen und den Hochglanzsujets, Bewerbungs- und Vermarktungsstrategien der geplanten Wohnungen. Julia Gaisbachers Beobachtungen sind ebenso als visuelle Metapher politischer Entwicklungen und urbaner Transformationsprozesse im globalen Kontext lesbar.
Anna Resch
© Theresa Wey
Julia Gaisbacher, geb. 1983 in Grambach bei Graz (AT), lebt als freischaffende Künstlerin und Fotografin in Wien (AT). Sie studierte Kunstgeschichte an der Karl-Franzens-Universität Graz, Bildhauerei/Dreidimensionales Gestalten an der Hochschule für Bildende Künste Dresden (DE) und an der Hogeschool Sint-Lukas / LUCA School of Arts, Brüssel (BE). Julia Gaisbacher hat das Staatsstipendium Fotografie des Bundeskanzleramts Österreichs (2020), den Förderungspreis des Landes Steiermark für zeitgenössische bildende Kunst (2019), den Erste Bank MehrWERT-Kunst- Anerkennungspreis (2018) und den Fotoförderungspreis der Stadt Graz (2016) erhalten. Darüber hinaus ist sie für ein Förderstipendium der DZ Bank Kunstsammlung (DE) nominiert. Die Künstlerin präsentierte Auszüge aus One Day You Will Miss Me im Goethe-Institut, Belgrad (RS), in der Akademie Graz, der MUSA Startgalerie, Wien, sowie im weissen haus, Wien. Aktuell werden ihre Arbeiten in drei Ausstellungen gezeigt: Kunsthaus Graz, Fotohof, Salzburg (online, AT), Mobiler Pavillon der Steiermarkschau (AT).Links zum Thema
Ort
Goethe-Institut Belgrad, Bibliothek
Knez Mihailova 50
11000 Beograd
Serbien
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