Beldocs 2026

Filmfestival|Das internationale Dokumentarfilmfestival

  • Belgrad

Beldocs 2026 © Beldocs

Beldocs 2026 © Beldocs

Belgrad wird auch in diesem Frühjahr wieder zum Zentrum des zeitgenössischen Dokumentarfilms: Vom 20. bis 26. Mai findet die 19. Ausgabe des Internationalen Dokumentarfilmfestivals Beldocs an mehreren Spielorten in der ganzen Stadt statt. Das Publikum erwartet ein vielseitiges Programm, das einen spannenden Überblick über aktuelle Tendenzen des internationalen Dokumentarfilms bietet – mit besonderem Fokus auf Autor*innen aus Serbien und der Region, ebenso wie auf eine sorgfältige Auswahl internationaler Festivalhighlights und preisgekrönter Dokumentarfilme sowie eine Vielzahl an Welt- und Europapremieren.

Die diesjährige Festivalausgabe präsentiert mehr als 100 Filme unterschiedlicher Formate und Längen, darunter auch innovative VR-Arbeiten und Videospiele, die neue zeitgenössische Seherfahrungen eröffnen. Thematisch stechen insbesondere Filme hervor, die sich mit Wissenschaft und Technologie, Migration, dem Verhältnis des Menschen zur Natur und zu Tieren befassen, ebenso wie biografische und musikalische Dokumentarfilme, die seit Jahren auf großes Publikumsinteresse stoßen. Ein besonderer Fokus liegt außerdem auf Werken, die Archivmaterial nutzen und historische Perspektiven erforschen, sowie auf Filmen, die die Rolle der Medien und die Bedeutung von Medienkompetenz in der heutigen Gesellschaft reflektieren.

Auch in diesem Jahr bietetBeldocseine starke Unterstützung für heimische Filmschaffende durch ein sorgfältig kuratiertes nationales Programm, das ein kontinuierliches Wachstum in Qualität und Vielfalt verzeichnet. Das Festival versteht sich als Plattform für neue Stimmen und innovative filmische Handschriften und verbindet zugleich die lokale Szene mit internationalen Entwicklungen.

Neben dem Filmprogramm bringt der umfangreicheBeldocsIndustry‑Bereich Filmschaffende aus dem In- und Ausland zusammen–in Workshops, Trainings, Panels, Gesprächen undMasterclasses. Autorinnen erhalten die Möglichkeit, ihre Projekte weiterzuentwickeln und vor renommierten Mentorinnen und Entscheidungsträgerinnen zu präsentieren, darunter Vertreterinnen von Festivals, Fernsehsendern, Filmförderinstitutionen, Vertriebsfirmen und VOD-Plattformen.

Der Ticketverkauf beginnt Ende April über die offizielle Website des Festivals. Dort werden in Kürze auch detaillierte Informationen zum Programm und zu den Vorführzeiten verfügbar sein.

Deutsche Produktionen und Koproduktionen bei Beldocs 2026

No Compromises, Belgrade
Deutschland, Serbien, 2026

Regie: Alexander Baptiste Kaiser, Samuel Oswald
Dauer: 49 Min.

Zwei Freunde reisen nach Belgrad, um eine Musikszene zu erkunden, die jenseits staatlicher Finanzierung und institutioneller Unterstützung existiert. Zwischen Trap-, Hardcore- und Alternative-Rock-Kollektiven begegnen sie Künstlerinnen, die unter schwierigen Bedingungen ihre eigenen kreativen Räume schaffen. Das Talent, der Ehrgeiz und die Gastfreundschaft der serbischen Musikerinnen hinterlassen einen tiefen Eindruck. Ein dokumentarischer Blick auf Widerstand, Gemeinschaft und Sound in Belgrad.

This Desirable Device
Serbien, Deutschland, 2026

Regie: Mina Simendić
Dauer: 17 Min.

Indem Sprache als Bedeutungsapparat verstanden wird, beschäftigt sich der Film mit der übertragbaren Kraft, die der Sprache selbst innewohnt – dem Wert, der sich aus dem Medium ergibt und nicht aus der Bedeutung. Vor dem Hintergrund der Möglichkeit, mit dem kostspieligen und zugleich verführerischen 16‑mm-Filmmaterial in einem restriktiven politischen Klima zu arbeiten, reflektiert eine Filmemacherinüber die Tauschgeschäfte, die der Prozess der Migration nach Deutschland mit sich bringt. Was muss man aufgeben, um im „gelobten Land“ leben zu können? Indem der analoge Film selbst als sprachliches Medium begriffen wird, richtet sich der Film auf seine eigenen Ausdrucksmittel zurück und hinterfragt die Nutzung von Filmmaterial in der Gegenwart.

Kukata Miti
Deutschland, Indonesien, Demokratische Republik Kongo, 2026

Regie: Daniel Kötter
Dauer: 79 Min.

Über die Wälder Deutschlands, Indonesiens und der Demokratischen Republik Kongo hinweg entfaltet sich dieser vielschichtige Essay der visuellen und politischen Anthropologie, der unterschiedliche Praktiken, Werkzeuge und Motive der Holzgewinnung untersucht. Der Film beleuchtet historische und ökonomische Ungleichheiten zwischen dem Westen und dem Globalen Süden ebenso wie den gemeinsamen Drang zur Ausbeutung natürlicher Ressourcen.

Mit Hasan in Gaza
Deutschland, Palästina, Frankreich, Katar, 2025

Regie: Kamal Aljafari
Dauer: 106 Min.

Drei MiniDV-Kassetten mit Aufnahmen aus dem Gaza-Streifen aus dem Jahr 2001 wurden kürzlich wiederentdeckt. Dieses Material ist heute ein Zeugnis eines Ortes und einer Zeit, die nicht mehr existieren. Was als Suche nach einem ehemaligen Mitgefangenen aus dem Jahr 1989 begann – einem Mann, der im Strudel von Zeit und Krieg verloren ging – führte zu einer unerwarteten Reise von Nord- nach Süd-Gaza mit Hasan, einem lokalen Begleiter, dessen Schicksal bis heute ungewiss ist. Eine filmische Reflexion über Erinnerung, Verlust und den Lauf der Zeit, die ein vergangenes Gaza und Leben festhält, die möglicherweise nie wiedergefunden werden.

80 Angry Journalists
Ungarn, Deutschland, Tschechische Republik, Dänemark & Norwegen, 2026

Regie: András Földes & Anna Kis
Dauer: 94 Min.

Im Jahr 2020 brach Ungarns größte unabhängige Online-Redaktion Index.huunterwachsendem politischen Druckzusammen. In einem historischen Akt des Protests kündigten mehr als 80 Journalist*innen kollektiv. Einer von ihnen, der Krisenreporter AndrásFöldes, blieb mit seiner Kamera zurück und dokumentierte den Zerfall einer Redaktion aus nächster Nähe.

„80 AngryJournalists“ ist ein außergewöhnlich intimes Porträt dieses Zusammenbruchs und dessen Folgen: der Gründung eines neuen Mediums, Telex.hu, das von demselben Team in Echtzeit aufgebaut wurde – nun unter anderen, aber nicht minder heimtückischen Formen des Drucks.

Durch unmittelbare Beobachtung und persönliche Reflexionenvon Journalist*innen, die sich weigerten, Kompromisse einzugehen, untersucht der Film, was mit einer demokratischen Institution geschieht, wenn die Systeme, die sie eigentlich schützen sollen, versagen. Angesichts der bevorstehenden Parlamentswahlen ist die Geschichte von Index nicht nur Vergangenheit, sondern Warnung und Prüfstein für all jene, die an Pressefreiheit glauben.

Around Paradise
Deutschland, 2026

Regie: Yulia Lokshina
Dauer: 121 Min.

In einer der ärmsten Regionen Paraguays liegtCaazapá, die „Stadt der Magie und Legenden“. Hier suchen zwei junge paraguayische Schülerinnen nach Glück, Gold und einem magischen Vogel. Hinter den Zäunen einer Gated Community suchen europäische Aussteigerinnen nach Freiheit, Heilung und Erlösung vor dem Armageddon – für sich selbst und ihr Erspartes. Zwischen ihnen liegen zwölf Kilometer roter Erde, die sich während der Regenzeit in einen Morast verwandeln. In der feuchten Hitze und begleitet vom Zirpen der Zikaden erforscht der Film Schritt für Schritt die neue Gemeinschaft der Siedler*innen und die lokale Bevölkerung. Die Kamera streift durch Baustellen, Schulen, Behandlungsräume und Schießstände, richtet den Blick zum Himmel und ins Internet. Während die Neuankömmlinge territoriale Konflikte und Verluste erleben, folgen die Einheimischen eigenen Mythen, die bis in die Missions- und Kolonialgeschichte des Landes zurückreichen. Jede Gruppe hat ihre eigene Vorstellung vom Paradies.

Super Paradise
Griechenland, Deutschland, 2025

Regie: Steve Krikris
Dauer: 88 Min.

Innerhalb von nur einem halben Jahrhundert verwandelte sich Mykonos von einer abgelegenen Fischerinsel zu einem Zufluchtsorthippier Freiheit und schließlich zu einem Symbol exklusiven Massentourismus. „Super Paradise“ blickt mithilfe umfangreicher Recherchen, Interviews und seltenen Archivmaterials auf die goldene Ära der Insel zurück. Vor dem Hintergrund der Militärdiktatur in Griechenland und des Vietnamkriegs wurde Mykonos zu einem Leuchtturm von Freiheit und Selbstentfaltung, der Künstler*innen, Hippies und queere Communities anzog. Im Laufe der Zeit zog derbohemischeGeist Prominente an und ebnete den Weg für Gier und kompromisslose Kommerzialisierung. Doch „Super Paradise“ ist mehr als ein Porträt von Mykonos – es ist eine ebenso ernüchternde wie unterhaltsame Fallstudie darüber, wie Paradiese entdeckt, verkauft und letztlich verloren werden. Eine Geschichte, die vielen Orten weltweit vertraut erscheinen dürfte.

Robert Wilson and the CIVIL warS
USA, 1987

Regie: Howard Brookner
Dauer: 94 Min.

„Robert Wilson andtheCIVILwarS“ erzählt von einem der ambitioniertesten Theaterprojekte des 20. Jahrhunderts. Anfang der 1980er-Jahre machte sich der visionäre Regisseur Robert Wilson daran, mittheCIVILwarSeine multinationale Oper für das Olympic Arts Festival 1984 in Los Angeles zu schaffen. Der Film begleitet seine Zusammenarbeit mit einem außergewöhnlichen Kreis von Künstler*innen wie Philip Glass, David Byrne und GavinBryarsund fängt sowohl die Euphorie als auch die Belastungen der Arbeit an einem Werk ein, das in separaten Teilen rund um den Globus entstand. Mit wachsenden logistischen und finanziellen Herausforderungen entwickelt sich der Dokumentarfilm zu einem intimen Porträt eines Künstlers an einem kreativen Wendepunkt – eine Reflexion über künstlerischen Anspruch, kulturellen Austausch und die Fragilität großer Ideen angesichts der Realität.

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