Tanja Ostojić: How much strength it takes…

Ausstellung|Kurator: Miroslav Karić

  • Legat von Milica Zorić und Rodoljub Čolaković, Belgrad

  • Preis Eintritt frei

Tanja Ostojić, Mlečike, 2025 © Tanja Ostojić

Tanja Ostojić, Mlečike, 2025 © Tanja Ostojić

Eröffnung der Ausstellung: Mittwoch, 20. Mai 2026, 18 Uhr
Workshop: 23. - 24. Mai 2026
Öffnungszeiten: 10–18 Uhr; dienstags geschlossen
Ausgehend von ihrer formalen Ausbildung im Bereich der Bildhauerei, ihrer langjährigen professionellen Tätigkeit im Feld der Performance sowie einer jüngeren Rückwendung zu neuen Untersuchungen der qualitativen und interpretativen Möglichkeiten von Textilien und natürlichen Materialien wurde diese thematische Retrospektive der international renommierten Künstlerin Tanja Ostojić konzeptionell entlang vielfältiger Aspekte von Materialität entwickelt, wie sie ihre über mehrere Jahrzehnte hinweg engagierte und feministisch ausgerichtete künstlerische Praxis prägen.

Auf drei Ebenen der Galerie des Legats Milica Zorić und Rodoljub Čolaković ist die Ausstellung in thematische Einheiten gegliedert, die sich problemorientiert ausgehend von drei zentralen Werkgruppen entfalten: Personal Space, Mis(s)placed Women? und Changed by Water. Diese Einheiten umfassen eine Auswahl der frühen Arbeiten mit skulpturalen Materialien und Performances, in denen die Künstlerin den eigenen Körper als Medium einsetzt, um die Grenzbereiche zwischen Kunst, Intimität und Machtpositionen zu untersuchen, bis hin zu forschungsbasierten, aktivistischen und kollaborativen Praktiken sowie einer umfangreichen Produktion der letzten Jahre, die sich dem Körper als transformierbarer Materie zuwendet. Ein bedeutender Teil dieser Arbeiten wird erstmals präsentiert.

Drawing series, 42 x 30 cm (x 30), a part of the “Changed by Water” drawing series and “Changed by Water” project © Tanja Ostojić

Die Auseinandersetzung mit den sozialen und politischen Implikationen von Materialien sowie mit ihrer aktiven Produktion von Bedeutung bildet eine der zentralen Achsen von Ostojićs langfristigen thematischen und problembezogenen Untersuchungen. Dieser Aspekt wurde bislang weder systematisch im Rahmen der Rezeption ihres Werkes noch im Hinblick auf ihre partizipativen Methodologien, die Politiken der Fürsorge und ihre interdisziplinären künstlerischen Forschungen eingehend berücksichtigt.

Die ausgestellten Arbeiten, entstanden zwischen 1992 und 2026, aus unterschiedlichen Lebensphasen der Künstlerin und realisiert in einer Vielzahl von Medien (Skulptur, Objekt, Zeichnung, Performance, Installation, Video, Fotografie, Stickerei, Collage sowie prozessuale und konzeptuelle Arbeiten, interdisziplinäre künstlerische Forschung, interaktive und kollaborative Projekte, Interventionen und Aktionen), sind ideell verbunden durch Ostojićs kontinuierliches Öffnen sensibler gesellschaftlicher Fragestellungen. Diese betreffen die Positionen von Individuen und Gemeinschaften innerhalb dominanter ideologischer Systeme, die auf Geschlechterordnungen, soziale Zugehörigkeiten und rassifizierte Zuschreibungen bezogene Formen von Diskriminierung und Ausbeutung reproduzieren und normalisieren.

In der Ausstellung werden diese Fragestellungen weiter ausgeleuchtet und vertieft durch Themen wie die relationale Natur des persönlichen Raums, die Sphären institutioneller Machtausübung, Intimität als Ort und Prozess der Reflexion von (Mikro-)Politiken des Körpers, insbesondere im Hinblick auf vergeschlechtlichte Körper, Aspekte der Frauengesundheit, Sexualität und die Unumkehrbarkeit biologischer Veränderungen sowie durch den emanzipatorischen Anspruch von Gemeinschaftlichkeit, Fürsorge, Solidarität und der Weitergabe von Erfahrungen und Wissen im Kontext von Migrantinnen, marginalisierten Gruppen und Minderheiten.

Drawing series, 42 x 30 cm (x 30), a part of the “Changed by Water” drawing series and “Changed by Water” project © Tanja Ostojić

Der retrospektive Überblick über die Entwicklung von Ostojićs Praxis, von der Skulptur über die Performance bis hin zu wissensproduzierenden künstlerischen Formaten, erweist sich als wesentlich für das Verständnis jener künstlerischen Prozesse, in denen Beziehungen zu Zeit, Raum und Körper ebenso verhandelt werden wie die Kategorien von Objekt und Aktion, Dauerhaftigkeit und Ephemerität, Materialität und erfahrungsbasierter Wahrnehmung.

Durch die Erforschung der substanziellen Dimensionen von Marmor, Stahl, Ton, Textil, Wasser und dem eigenen Körper konstituiert Tanja Ostojić ihre künstlerische Arbeit. Dabei hebt sie die immanenten Politizität der künstlerischen Praxis hervor und beleuchtet durch fortwährendes kritisches Nachdenken gesellschaftliche Materialität, die von normativen Ordnungen und patriarchalen Strukturen unseren Alltag und globale Realitäten prägt und regelt.

Die thematische Retrospektive von Tanja Ostojić ist Teil der Programmreihe der Galerie des Legats Milica Zorić und Rodoljub Čolaković, die fokussierte Einblicke in Poetik, Strategien und Ästhetiken von Künstler:innen ermöglicht und deren Werke durch neue Lesarten würdigt.

Am 23. und 24. Mai, leitet Tanja Ostojić einen zweitägigen Workshop für Frauen mit dem Titel „Changed by Water: Menopausal Tee Party mit Stickerei und Schwimmen“, der im Hof der Galerie des Legats Milica Zorić und Rodoljub Čolaković sowie am Savsko jezero stattfindet.

Die Realisierung der Ausstellung wird unterstützt vom Institut für Auslandsbeziehungen (ifa), Stuttgart.
Das Museum für zeitgenössische Kunst, Belgrad, und Tanja Ostojić danken dem Museum „Terra“ sowie dem Museum für zeitgenössische Kunst der Vojvodina für die Leihgaben.

Über die Künstlerin

Tanja Ostojić

Tanja Ostojić ist eine interdisziplinäre Künstlerin, Forscherin und Pädagogin aus Belgrad, die in Berlin lebt und arbeitet. Sie ist international bekannt als Pionierin der institutionellen Gender-Kritik und für ihre Arbeit auf dem Gebiet der gesellschaftlich und politisch engagierten feministischen Kunst und der Kunst im öffentlichen Raum. Seit 1994 entwickelt sie künstlerische Projekte, in denen Forschung und Performance im Mittelpunkt stehen und die sich mit Fragen der Genderpolitik, des Feminismus, der Migration, Umsiedlung, Arbeit und ethischer Teilhabe befassen. Ihre Arbeiten sind Teil bedeutender Museumssammlungen und wurden weltweit ausgestellt: im Brooklyn Museum in New York, auf der Biennale in Venedig (2001, 2011, 2024) und auf der Busan Biennale in Südkorea.