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16:00–17:30 Uhr

Literaturabend mit Markus Thielemann

Literaturgespräch|Die Germanistik-Dozentin Hella Liira im Gespräch mit dem Autor des Romans „Von Norden rollt ein Donner“

  • Stadtbibliothek Tartu, Tartu

  • Sprache Deutsch und Estnisch
  • Preis Freier Eintritt

Portraitfoto des Schriftstellers Markus Thielemann. Er hat kurze braune Haare, graue Augen, einen Dreitagebart und lächelt leicht in die Kamera. © Gregor Kieseritzky

Portraitfoto des Schriftstellers Markus Thielemann. Er hat kurze braune Haare, graue Augen, einen Dreitagebart und lächelt leicht in die Kamera. © Gregor Kieseritzky

Am Mittwoch, den 7. Mai, um 16 Uhr begrüßt das Literaturfestival Prima Vista den Autor Markus Thielemann. Hella Liira, Germanistik-Dozentin an der Universität Tartu, spricht mit ihm über seinen neu auf Estnisch erschienenen Roman „Von Norden rollt ein Donner“ („Põhjakaares kõmab kõu“, Eesti Raamat, Übersetzung Piret Pääsuke), der die Lüneburger Heide auf die literarische Landkarte setzt.

Die Lüneburger Heide ist als erster Naturpark Deutschlands heute mit seinen graszupfenden Schafsherden eine bekannte Touristenattraktion. Im Roman demontiert Thielemann Stück für Stück dieses beschaulich friedliche Bild und verweist auf die komplexe Widersprüchlichkeit des Ortes – die Koexistenz von Idylle und Gewalt: Neben der KZ-Gedenkstätte Bergen-Belsen befinden sich mehrere Militärübungsplätze in der Heide, in der auch der Rüstungsbauer Rheinmetall seit über 100 Jahren Waffen, Munition und Fahrzeuge erprobt.

Die Hauptfigur des Romans ist der 19-jährige Hirte Jannes, dessen Familie seit mehreren Generationen von der Schafzucht lebt, heute aber mit allerlei Schwierigkeiten zu kämpfen hat. Unter anderem ist der Wolf zurück in der Heide – auch in Estland ein aktuelles Thema. Schafsbestände und die traditionelle Weidebewirtschaftung sind bedroht. Menschen reagieren mit Angst und Aggression. Auch Jannes spürt diese Angst. Hinzu kommen mythische und träumerische Visionen über die bisher verschwiegene Familiengeschichte.

Der Roman, der in einer reich poetischen Sprache verfasst ist, greift darüber hinaus gekonnt Themen wie aufkommender Nationalismus, psychische Gesundheit, Verständigung zwischen den Generationen und die Entscheidungsfreiheit junger Menschen auf.

„Von Norden rollt ein Donner“ ist ein überaus gelungenes Beispiel für den im deutschen Sprachraum verbreiteten Anti-Heimatroman, der nach dem Zweiten Weltkrieg als Gegengewicht zum Heimatroman entstand, in dem die Schönheit der Landschaft und Berge im Gegensatz zum Stadtleben verherrlicht wurde.

Der Autorenabend ist Teil von Thielemanns Lesereise durch Estland und Finnland. Bereits am 5. Mai findet ein Gespräch in der Deutschen Bibliothek Helsinki statt. Am 8. Mai ist Markus Thielemann zu Gast in der Estnischen Nationalbibliothek in Tallinn.

Markus Thielemann, geboren 1992, aufgewachsen in Niedersachsen, lebt in Hannover. Er studierte Geographie und Philosophie, anschließend Literarisches Schreiben in Hildesheim. Sein zweiter Roman „Von Norden rollt ein Donner“ stand auf der Shortlist für den Deutschen Buchpreis 2024.
Hinweise zur Barrierefreiheit:
Anfahrt: Die Bushaltestelle „Raeplats“ ist ca. 200 Meter entfernt (Buslinien 6, 7, 13, 22, 31, 31R). Fahrzeuge mit Behindertenausweis können auf dem gekennzeichneten Parkplatz gegenüber dem Haupteingang in der Kompanii-Straße 4 parken. Hinter dem Bibliotheksgebäude (Vabaduse pst) befindet sich ein gebührenpflichtiger Parkplatz.

Vor Ort: Alle öffentlichen Bereiche der Bibliothek sind für Rollstuhlfahrer*innen zugänglich: ein Aufzug führt zu den verschiedenen Etagen. Behindertengerechte Toiletten befinden sich im ersten, zweiten und dritten Stock. Die Behindertentoilette im 1. OG ist verschlossen, der Schlüssel kann an der Servicetheke der angrenzenden Kinderabteilung erfragt werden. Weitere Informationen finden Sie auf der Bibliothekswebseite.

Fragen zur Barrierefreiheit: +372 5645 4945 oder markus.koecher@goethe.de