Ana Lessing Menjibar

Nahaufnahme eines Porträts: Eine Person mit zu einem tiefen Dutt gebundenem Haar wird von intensiven blauen und roten Lichtfarben beleuchtet. Die Augen sind geschlossen, eine Hand berührt das Gesicht und zeigt einen auffälligen, organisch geformten Ring. Die Haut wirkt glänzend, fast feucht, was eine dramatische und ästhetische Stimmung erzeugt. © Synthtati

Datum: März 2023
Projekt: Third Skin [Dritte Haut]

Die Produktionsresidenz am Goethe-Institut Madrid hat dazu beigetragen, dass THIRD SKIN im Oktober 2023 in den Uferstudios Berlin Premiere feiern konnte.

Über die Residenz

Third Skin (Premiere 2023) ist der Titel der Neuproduktion der deutsch-spanischen Choreografin Ana Lessing Menjibar. In Zusammenarbeit mit Isabel Gatzke (Dramaturgie), Philipp Kullen und Nikola Pieper (Musik), Gesine Försterling (Kostüm), Ana Rajcevic (Körperskulptur), Joseph Wegmann (Licht), Lina Gómez und Alberto Cortés (Choreografisches Outside Eye), dient die Familiengeschichte der Künstlerin als Ausgangspunkt, um Kriegs- und Faschismuserlebnisse, kollektive wie individuelle Wunden, und Geschichten des politischen Widerstandes in eine auto-fiktionale Performance zu übersetzen. 

Die künstlerischen Strategien für diese Auseinandersetzung gehen von der choreografischen Praxis Ana Lessing Menjibars aus, die sich an der Schnittstelle von zeitgenössischem Tanz, der Dekonstruktion von Flamenco, bildender Kunst und Musik-Komposition befindet. Die spezifische choreografische Arbeitsweise der Künstlerin im Zusammenspiel mit Bewegung, Rhythmus, Musik und Stimme öffnet im Moment der Aufführung einen kollektiven Raum, in dem – in Anlehnung an Jean-Luc Nancy – der Körper als Wunde gehalten werden kann. Gleichzeitig ermöglicht das Experimentieren, die Aktualisierung und die Dekonstruktion dieser traditionellen Kunstform, dass das ihr inhärente (Körper-)Wissen weitergeführt wird und daraus in die Zukunft gerichtete Entwürfe von Körper und Gesellschaft entstehen können.
Für Third Skin entwirft die Künstlerin darauf aufbauend eine Mythologie, in welcher sie sich in ständiger Metamorphose der Öffnung der Familiengeschichte und den daraus entstehenden gesellschaftlichen Fragen widmet.

Interview mit Ana Lessing-Menjibar

© Goethe-Institut Madrid

Premiere in den Uferstudios Berlin (16.10.2023)

Die Performance Third Skin der deutsch-spanischen Choreografin und Künstlerin Ana Lessing Menjibar ist eine poetische Reaktion auf die Öffnung ihrer Familiengeschichte, die sich den Kriegs- und Faschismuserlebnissen, kollektiven wie individuellen Wunden und Geschichten des politischen Widerstandes dreier Generationen widmet.

In Resonanz auf diese Auseinandersetzung und in Reflexionen zur Gegenwart entwirft die Künstlerin in enger Zusammenarbeit mit der Dramaturgin Isabel Gatzke und gemeinsam mit ihrem Team die Fiktion einer Chimäre in ständiger Metamorphose. In Third Skin entsteht so ein energetischer Kosmos aus Körper, Klang, Rhythmus, Sprache und skulpturalen Objekten, in denen Zustände von Widerstand und Porosität entstehen und zerfallen, während die Haut als durchlässige Oberfläche zur Trägerin von Markern der Zeit wird.

In einem hybriden Raum zwischen Installation und Bühne, greift Ana Lessing Menjibar das dem Flamenco inhärenten (Körper-) Wissen auf, und setzt dieses in ihrer spezifischen, transdisziplinären Arbeitsweise mit Elementen aus der bildenden Kunst, dem zeitgenössischen Tanz und der elektronischen Musik-Komposition neu zusammen. Durch das De- und Rekodieren von Bewegungsmaterial entstehen neue Bezugsräume, in denen historisch gewachsene Strukturen, kulturelle und politische Bezüge und eine mythologische Welt multisensorisch erfahrbar werden.
 

Über die Künstlerin

Ana Lessing Menjibar

Tänzerin, Choreografin und multidisziplinäre Künstlerin

Ana Lessing Menjibar ist eine deutsch-spanische Performerin, Tänzerin, Choreografin und multidisziplinäre Künstlerin, geboren und wohnhaft in Berlin. Im Jahr 2020 schloss sie den Masterstudiengang Solo/Dance/Authorship (SoDA) in Performing Arts am HZT-Berlin, dem Interuniversitären Tanzzentrum der UdK, ab.

Zuvor studierte sie Visuelle Kommunikation in Berlin und Sydney und schloss 2008 ihr Studium an der Universität der Künste Berlin (UdK) ab. Sie arbeitete als Art Director und Redakteurin im Bereich Kultur und Kunst. Gleichzeitig arbeitet Ana Lessing Menjibar seit Jahren als Choreografin und Solistin im Flamenco-Tanz. Ein Tanz, den sie von klein auf studierte.

In ihrer interdisziplinären Praxis erforscht sie Begriffe des Performativen und arbeitet mit Tanz, Choreografie, Sound und Medien wie Fotografie, Video und Installation. In ihren Performances verwebt sie Körper und Klang zu multimedialen Installationen, um poetische Welten zu erschaffen, die eine Reihe von Zuständen offenbaren und emotionale und energetische Reisen unterstützen. Sie erforscht kontinuierlich eine konzeptionelle Interpretation des Flamencos, indem sie das Vokabular von Genre und Bewegung erweitert, um dessen transformatives Potenzial im Kontext von Performance und zeitgenössischem Tanz zu verorten. In ihren Performances wird der Körper als einzigartige Klang- und Rhythmusquelle betrachtet und die Fähigkeit des Klangs, als Performer im Raum zu agieren, erweitert.

Sie ist Gründungsmitglied des Mineralwasser Kollektivs Berlin, einer internationalen Gruppe von interdisziplinären Künstlern, die an der Konstruktion von Situationen arbeiten, die auf Performance, Bewegung und Gemeinschaft basieren.
Für 2020/21 wurde Ana Lessing Menjibar für das Forschungsstipendium der Tanzpraxis Berlin ausgewählt, das von der Berliner Senatsverwaltung für Kultur und Europa unterstützt wird.
Sie hat unter anderem in den Uferstudios Berlin, den Sophiensaele, der Komischen Oper Berlin, dem tanzhaus nrw und dem Kammermusiksaal der Berliner Philharmonie, in der Villa Romana (Italien), der PHotoEspaña oder im Centre Pompidou Málaga (Spanien) performt, Regie geführt oder ausgestellt.