|

19:00 Uhr

Mucha Mierda | Kultur im Widerstand – das Goethe-Institut und der Schauspielerstreik von 1975

Filmvorführung und anschließend runder Tisch|Künstlerische Freiheit und institutionelle Verantwortung

Eine Collage aus acht Schwarz-Weiß-Porträts von Schauspielerinnen und Schauspielern vor rotem Hintergrund ©

Eine Collage aus acht Schwarz-Weiß-Porträts von Schauspielerinnen und Schauspielern vor rotem Hintergrund ©

Kein Theater in Madrid hebt am 4. Februar 1975 den Vorhang. „Die Schauspieler sind nicht erschienen, deshalb wird die Vorstellung abgesagt“, stand auf den Plakaten, die an den Türen hingen. Es ist der erste Tag eines historischen Streiks von Schauspielerinnen und Schauspielern, der neun Tage lang alle Aktivitäten des Landes lahmlegen wird. Sie fordern, was das Gesetz vorschreibt: einen freien Tag pro Woche. Was als Arbeitskampf beginnt, avanciert zu einer politischen Herausforderung. Der Film wird von der Regisseurin Alba Sotorra  persönlich vorgestellt.

Nach der Vorführung findet eine Podiumsdiskussion statt, bei der der Produzent David Lara und die Schauspielerinnen und aktiven Teilnehmerinnen des Streiks Petra Martinez und Enriqueta Caballeira über die Möglichkeiten künstlerischer Freiheit und institutioneller Verantwortung diskutieren werden.

Im Gegensatz zu anderen europäischen Ländern, die den spanischen Übergang zur Demokratie aus einer gewissen Distanz begleiteten, setzten sich die Deutschen entschieden für die Demokratie in Spanien ein. Wir wollen an die Rolle der zivilgesellschaftlichen Organisationen, der politischen Stiftungen, der Universitäten, der (Auslands-)journalisten, des Goethe-Instituts, aber auch der Künstler*innen, Philosoph*innen und Autor*innen in dieser Zeit erinnern und fragen, was wir daraus für unsere Gegenwart und Zukunft lernen können. In einem langfristig angesetzten Veranstaltungszyklus verschiedener deutscher Organisationen in Spanien sollen die mutigen, avantgardistischen, progressiven Stimmen Gehör finden, die oft wenig bekannt sind. In diesen Jahren, vor allem zwischen 1975 und 1978, entstand eine enges und vertrauensvolles Verhältnis zwischen den beiden Ländern und vor allem zwischen seinen Menschen. Es ist die Basis für unser gemeinsames Wirken für Demokratie und gegen Polarisierung heute – in Europa und darüber hinaus.

Teilnehmer:innen:
Petra Martínez (Spanien), Schauspielerin und Teilnehmerin des Streiks.
Enriqueta Caballeira (Spanien), Schauspielerin und Teilnehmerin des Streiks.
Moderation: David Lara (Spanien), Produzent und kreativer Supervisor.

Alba Sotorra

Regisseurin

Alba Sotorra ist eine unabhängige Produzentin, die sich auf Realfilm, Animation und Dokumentarfilme für das Kino spezialisiert hat. Motiviert durch den Mangel an Vielfalt an Perspektiven in der Branche produziert sie Geschichten, die von Frauen und Personen aus unterrepräsentierten Gemeinschaften erzählt werden. Ihre Filme setzen sich mit zeitgenössischen sozialen und politischen Themen aus einer geschlechtersensiblen Perspektive auseinander.
Zu ihren bekanntesten Produktionen gehören Rock Bottom (2024, Annecy), Sima’s Song (2024, Tokio), Upon Entry (2022, Tallinn Black Nights), Mi vacío y yo (2022, San Sebastián), Sica (2021, Berlinale), El Retorno: la vida después del ISIS (2020, SXSW) und Comandante Arian (2018, HotDocs).

  • Petra Martínez wurde 1944 in Linares geboren und zog als Kind nach Madrid. Während ihres Aufenthalts in London, wo sie Englisch lernte, entdeckte sie ihre Leidenschaft für das Theater. Zurück in Spanien begann sie ihre Ausbildung als Schauspielerin am Teatro Estudio von William Layton. Gemeinsam mit anderen Mitstreiter*innen gründete sie die unabhängige Theatergruppe Tábano, mit der sie das Stück Castañuela 70 auf die Bühne brachte. Dieses wurde ein großer Erfolg, bis es schließlich von der Zensur verboten wurde. Dadurch war die Gruppe gezwungen, ins Exil zu gehen und in den 1970er Jahren einen Großteil Europas und Amerikas zu bereisen, womit sie zu einem Symbol des freien und engagierten Theaters wurde.
    Nach ihrer Rückkehr schloss sie sich zusammen mit ihrem Ehemann Juan Margallo El Gallo Vallecano an, einer weiteren der bedeutendsten unabhängigen Theatergruppen der Epoche, die es sich zum Ziel gesetzt hatte, die darstellenden Künste in kritischem und volksnahem Geist den Menschen näherzubringen. 1985 gründeten Petra Martínez und Juan Margallo die Compagnie Uroc Teatro, mit der sie 2010 mit der Goldmedaille für Verdienste um die Schönen Künste ausgezeichnet wurden. Gemeinsam haben sie eine der solidesten Karrieren des spanischen Theaters aufgebaut und dabei stets ein starkes Engagement für die zeitgenössische Schöpfung und die szenische Experimentation bewahrt.
    Im Laufe ihrer Karriere arbeitete Petra Martínez auch für Film und Fernsehen und erlangte in den letzten Jahren große Popularität mit ihrer Rolle als Doña Fina in der Serie La que se avecina. Sie wirkte in Filmen mit, die Teil der Geschichte des spanischen Kinos sind, und arbeitete mit namhaften Regisseuren wie Jaime Rosales, Miguel Albadalejo, Achero Mañas, Mateo Gil, Pedro Almodóvar oder Mar Olid zusammen, wobei sie ihre große darstellerische Vielseitigkeit unter Beweis stellte.
    2020 spielte sie die Hauptrolle in La vida era eso von David Martín de los Santos, wofür sie für den Goya als Beste Schauspielerin nominiert wurde und unter anderem den Feroz-Preis als Beste Schauspielerin gewann. 2022 erhielt sie gemeinsam mit Juan Margallo den Nationalen Theaterpreis in Anerkennung einer gesamten Laufbahn, die 2025 erneut mit dem Ehrenpreis der Max-Preise ausgezeichnet wurde.
    Petra Martínez ist weiterhin eine unbestrittene Referenzfigur der spanischen Theaterszene. Sie vereint Nähe zum Publikum, die Verteidigung des Theaters als Lebensform und eine künstlerische Karriere, die vom unabhängigen Theater bis hin zum Autorenkino und zum populärsten Fernsehen reicht.

  • Eine herausragende Persönlichkeit des spanischen Kinos seit den 1960er Jahren: Enriqueta Carballeira debütierte mit Cerca de las estrellas (1962) und festigte ihre Karriere mit Filmen wie La tía Tula (1964), Oscuros sueños de agosto (1966), Cateto a babor (1970), La mitad del cielo (1986), La casa de Bernarda Alba (1987) und Cómo ser mujer y no morir en el intento (1991).
    Ihre Vielseitigkeit erstreckte sich auch auf das unabhängige Theater, wo sie mit dem TEI und der Gruppe Tábano zusammenarbeitete, sowie auf die Synchronarbeit, wobei sie die spanische Stimme von Julie Andrews in Mary Poppins war. Zudem führte sie Regie bei Kurzfilmen, verfasste Essays über Schauspielkunst und ist die Mutter der Filmemacherin Arantxa Aguirre.

  • Drehbuchautor, Regisseur und Produzent mit mehr als zwei Jahrzehnten Erfahrung: David Lara hat eine Filmografie geschaffen, die von einem kritischen Blick und narrativem Antrieb geprägt ist. Sein jüngster Dokumentarfilm Mucha Mierda schloss 2024 die Sektion Made in Spain des Festivals von San Sebastián ab und festigte damit eine Laufbahn, die souverän zwischen Fiktion und Dokumentarischem verläuft.
    Als Ko-Drehbuchautor der Miniserie El Aceite de los Pobres (SGAE-Preis) entwickelt er derzeit 180 Días, ein fiktionales Projekt, das durch die Entwicklungsförderung der Autonomen Gemeinschaft Madrid unterstützt wird. Als Produzent und Regisseur hat er preisgekrönte Kurzfilme wie Lo Cotidiano und Dantzariak-Bailarines realisiert, und als Dokumentarfilmer zeichnete er verantwortlich für Titel wie Miguel Hernández, La Fuente de la Vida und El 5º Por la Izquierda, die bei RTVE, Movistar und Discovery Max ausgestrahlt wurden.
    Sein Kino, getragen von sozialem Anspruch und einem festen narrativen Rhythmus, dringt in die Risse des Alltäglichen ein, um das Außergewöhnliche sichtbar zu machen.

  • Logo Espana en Libertad - 50 anos - horizontal
  • Festival Cine por Mujeres Madrid
  • Logo DEtransicionES