Mittwoch, 29.04.2026 | 19:00 Uhr
Gastarbeiter
Theaterlesung + Gespräch|Deutsch-spanische Erinnerung / Paco Gámez schreibt die NICHT-Geschichte seines Großvaters, der nach Deutschland ausgewandert ist
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Goethe-Institut Madrid, Madrid
- Sprache Spanisch und Deutsch (mit Übertitelung)
- Preis Eintritt frei mit Anmeldung über Eventbrite
Paco Gámez schreibt
Dieses Stück entstand aus einer Leere heraus. Der Leere eines Mannes, der fortging und eine Lücke in der Familie hinterließ, eine Wunde, die schwer in Worte zu fassen ist. Auswandern bedeutet nicht nur, den Ort zu wechseln, sondern auch, für die anderen zu einer Abwesenheit zu werden. Zu einem Bruch, zu einer Distanz, zu einer Form des Nicht-Da-Seins.Jahrelang war mein Großvater für mich kaum mehr als „derjenige, der in Deutschland lebte“. Eine Figur, die zwischen fremden Erinnerungen, Schweigen und Erzählungen zerrissen war, die nie ganz zusammenpassten. Als ich versuchte, ihm näherzukommen, tauchte auch eine andere Frage auf: Was geschieht mit denen, die zurückbleiben? Welchen Platz nimmt diese Leere bei denen ein, die um diese Präsenz herum aufwachsen?
Der Begriff GASTARBEITER deutet auf eine Distanz hin: Man wird eingeladen, zu arbeiten, aber nicht unbedingt dazuzugehören. Man braucht den Körper, die Arbeitskraft, die Zeit; nicht immer das ganze Leben. Viele dieser Männer und Frauen blieben zwischen zwei Orten hängen; sie gehörten nicht ganz hierher, aber auch nicht dorthin.
In dieser Übergangsphase wurden sie zu einer Brücke. Zu wichtigen Rädchen im Getriebe: dem des sogenannten Wirtschaftswunders, das auch durch ihren Schweiß, durch ihre Entwurzelung und durch diese stille Form der Aufopferung getragen wurde, die auf beiden Seiten Spuren hinterlässt.
Dieser Text versucht nicht, eine Geschichte abzuschließen, sondern sich in diesem Bruch aufzuhalten. Auf das zu hören, was am Rande zurückbleibt: die Distanz, die Mehrdeutigkeit, die Unmöglichkeit, ein Leben vollständig zu rekonstruieren. Und dabei vielleicht zu begreifen, dass Erinnerung nicht nur aus dem besteht, woran wir uns erinnern, sondern auch – und vor allem – aus dem, was fehlt.
Was erwartet Sie am Abend im Goethe-Institut Madrid
Der Theatertext, den Paco Gámez geschrieben hat, wird von Schauspielern gelesen.Im Anschluss an die Lesung werden alle Teilnehmer, der Autor selbst und Franziska Muche, die mit Paco Gámez an der Übersetzung ins Deutsch im Goethe-Institut Madrid in Residenz arbeitet, Rede und Antwort stehen.
Die Teilnehmer
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Paco Gámez
Dramatiker
Er ist der meistausgezeichnete spanische Theaterautor seiner Generation und wurde mit renommierten Preisen wie dem Lope-de-Vega-Preis, dem Preis des Komödienwettbewerbs des Teatro Español, dem Calderón-de-la-Barca-Preis, dem Jesús-Campos-Preis des Verbandes der Theaterautoren sowie Finalist bei den Max-Preisen als bester Nachwuchsautor, LAM der SGAE, SGAE-Preis für Kindertheater, Jesús-Domínguez-Preis, Gewinner des Dramaturgie-Wettbewerbs des Teatro Español…
Von seinen zahlreichen Texten, wollen wir nur einige herausheben, von den einige bereits ins Deutsche übersetzt wurden: Mieter (Inquilino (Numancia 9, 2º A), Katana, Der Boden, der Hande hält (El suelo aque sostiene a Hande), Impunidad (Unbestraft), El Fin (das Ende) oder Lagunas y Niebla (Lagunen und Nebel), Versionen wie Prag, 1941, Eneida oder El perro del hortelano (Der Hund des Gärtners), und Opernlibrettos wie Las horas vacías (leere Stunden). -
Franziska Muche
Übersetzerin
(1976, Zittau, Deutschland) ist eine auf Theater spezialisierte Übersetzerin. Sie hat einen Abschluss in Sprachwissenschaften, Wirtschaft und Zivilisation der Universität Passau, einen Abschluss in Übersetzen und Dolmetschen der Universität Granada und eine Ausbildung als Schauspielerin und Dramaturgin am Michael-Tschechow-Studio in Berlin (2007-2010). Sie übersetzt Stücke spanischsprachiger Autoren ins Deutsche und, in Zusammenarbeit mit Pilar Sánchez Molina, vom Deutschen ins Spanische. Gemeinsam haben sie u.a. Werke von Sibylle Berg, Rebekka Kricheldorf, Anna Gschnitzer und Thomas Perle übersetzt. Im Jahr 2020 wurde sie mit einem „Exzellenzstipendium“ des Deutschen Übersetzerfonds ausgezeichnet, und 2022 erhielt sie einen Übersetzungsaufenthalt am Goethe-Institut in Madrid. In Zusammenarbeit mit Mitgliedern des Vereins Drama Panorama arbeitete sie 2021 und 2022 an zwei Bänden einer Anthologie zur hispanischen Dramaturgie, die sie zusammen mit Carola Heinrich auch als Herausgeberin zeichnete. Sie lehrt Theaterübersetzung an verschiedenen Hochschulen, unter anderem im Masterstudiengang Literaturübersetzung in Düsseldorf. Sie lebt in Berlin, wo sie die szenische Lesereihe Ambigu am Theater unterm Dach leitet.