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19:00 Uhr

Rosa von Praunheim: Überleben in New York

Kinovorführung | Rosa von Praunheim Filmreihe

3 weiße Frauen stehen auf einem Boot und gucken in die Kamera. Hinter ihnen sieht man die Skyline von Manhatten mit dem World Trade Centre. Rosa von Praunheim: Überleben in New York © missingFILMs GmbH

3 weiße Frauen stehen auf einem Boot und gucken in die Kamera. Hinter ihnen sieht man die Skyline von Manhatten mit dem World Trade Centre. Rosa von Praunheim: Überleben in New York © missingFILMs GmbH

Von Praunheims mit Neugier und Nähe erzählter Dokumentarfilm über drei deutsche Frauen, die im New York der 1980er Jahre zwischen Scheinehen, Go-Go-Bars, neuen Lieben und Gewalterfahrungen ihren ganz eigenen Weg finden.

Anfang der 1980er Jahre kommen Claudia, Anna und Ulli aus Deutschland nach New York. Für jede von ihnen entwickelt sich das Abenteuer anders, doch alle kämpfen mit finanziellen Schwierigkeiten, durchleben verschiedene Beziehungen. Claudia, die mit ihrem Freund in die USA gekommen ist, entdeckt zunehmend ihr Interesse an Frauen. Ohne Arbeitserlaubnis hält sie sich zunächst mit schlecht bezahlten Jobs über Wasser, bis sie mit einem Schauspieler eine Scheinehe eingeht. (Es ist John Edward Heys, der u.a. in von Praunheims Film Anita – Tänze des Lasters eine größere Rolle spielt). Anna verdient als Go-Go-Dancer gut, finanziert damit ihre Ausbildung zur Psychotherapeutin und lernt in den Bars zwei für ihr Leben wichtige Männer kennen. Die eher naive Ulli lebt mit Ronnie, einem Vietnamveteranen mit psychischen Problemen, zusammen; was sie verbindet, ist ihre große Liebe zu Tieren.

3 weiße in der einem U-Bahnwagon, dessen Wände vollständig mit Graffiti bemalt sind. Rosa von Praunheim: Überleben in New York © missingFILMs GmbH


Nachdem Rosa von Praunheim in Stadt der Verlorenen Seelen den Überlebenskampf queerer US-amerikanischer Künstlerinnen im West-Berlin der frühen 1980er Jahre als grell-buntes, schrilles Musical inszeniert hatte, richtet er seinen Blick nun auf drei deutsche Frauen in New York. In seinem zurückhaltenden Dokumentarfilm gibt er den Protagonistinnen Raum, ihre Erfahrungen selbst zu erzählen und zu reflektieren. Die Kamera beobachtet sie im Alltag, streift durch die Straßen und die Architektur der Metropole oder lässt sie direkt in die Kamera sprechen. Zugleich interessiert sich von Praunheim für ihr soziales Umfeld, für Partner*innen und Freund*innen wie den jüdischen Exilautor Hans Sahl, den Claudia bei seiner Arbeit unterstützt.
Während Stadt der Verlorenen Seelen die Nachwirkungen des Nationalsozialismus mehrfach anspricht, reflektiert Claudia hier, wie ihr die Begegnung mit Hans Sahl den Blick auf die Erfahrungen jüdischer Emigrantinnen sowie auf die Perspektiven von Verfolgten und Widerstandskämpferinnen eröffnet hat. Rosa von Praunheims langjährige Faszination für die widersprüchliche Realität New Yorks verbindet sich in Überleben in New York mit seinem Interesse an weiblichen Lebenswelten und alternativen Lebensentwürfen. Das Publikum dankte es ihm: Der Film wurde zu einem seiner größten kommerziellen Erfolge. In seinem Film Memories of New York (2010) begegnet er Anna und Claudia etwa 20 Jahre später wieder. Sie sind noch immer in New York und reflektieren mit von Praunheim darüber, wie die Stadt sich verändert hat.

BRD, 1989, Farbe, DCP (original format: 16mm - Blow-Up 35mm), 90 Min., mit englischen Untertiteln.
Regie & Buch: Rosa von Praunheim, Kamera: Jeff Preiss, Schnitt: Mike Shepard, Ton: Steven Robinson, Phillip B. Roth, Musik: Roy Campbell, Produktion: Rosa von Praunheim / WDR. Mit Claudia Steinberg, Anna Steegmann, Ulli Buschbacher.