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19:30 Uhr
Rosa von Praunheim: Der Einstein des Sex
Kinovorführung | Rosa von Praunheim Filmreihe
-
Rio Cinema, London E8 2PB
- Preis £7, £4 Mitglieder
- Teil der Reihe: Pink, Kitsch & Revolution: The Filmmaker and Activist Rosa von Praunheim
Von Praunheims bewegendes, von skurrilem Humor durchzogenes Porträt des einst international renommierten jüdischen Sexualwissenschaftlers und Wegbereiters der modernen Schwulenbewegung Magnus Hirschfeld.
Bitte beachten Sie, dass diese Film im Rio Cinema im Rahmen der Pink Palace Reihe gezeigt wird.
„Einstein des Sex“: So nannte die amerikanische Presse den einst weltbekannten jüdischen Sexualwissenschaftler Magnus Hirschfeld (1868–1935), den Rosa von Praunheim mit seinem biografischen Film in Erinnerung rufen möchte. Chronologisch zeichnet der Film Hirschfelds Lebensweg nach: Er zeigt ihn als Kind mit früh erwachtem wissenschaftlichem Interesse am Sexualverhalten von Tieren ein, als Medizinstudenten, der sich im Hörsaal die Pathologisierung Homosexueller als degeneriert anhören muss, sowie als Arzt für „Seelische Leiden und Naturheilkunde“, der durch den Suizid eines jungen homosexuellen Offiziers tief erschüttert wird. Dieser richtet seinen Abschiedsbrief an Hirschfeld und ruft ihn damit dazu auf, für die gesellschaftliche Akzeptanz und rechtliche Gleichstellung homosexueller Menschen einzusetzen.
Der Film begleitet Hirschfeld weiter auf seinem Weg als unermüdlichen Aktivisten: 1897 gründet er in Berlin das Wissenschaftlich-humanitäre Komitee (WhK) mit, das sich über Jahrzehnte für die Abschaffung des § 175 und damit für die Entkriminalisierung homosexueller Handlungen einsetzt. 1919 folgt die Gründung des weltweit ersten Instituts für Sexualwissenschaft in Berlin. Dort versucht Hirschfeld, mit wissenschaftlichen Methoden die Vielfalt geschlechtlicher und sexueller Identitäten zu erforschen und seine Theorie der „sexuellen Zwischenstufen“ als Ausdruck natürlicher menschlicher Diversität zu belegen.
Von Praunheim, selbst oft als Impulsgeber der modernen deutschen Schwulenbewegung bezeichnet, erweist seinem historischen Vorläufer mit einem bewusst konventionell erzählten, stellenweise humorvollen Film die Reverenz. Immer wieder setzt er historische Archivaufnahmen ein, die nicht nur Zeitkolorit vermitteln, sondern auch aufrütteln, etwa die Fotografien homosexueller Männer, die sich das Leben nahmen.
Von Praunheim zeichnet Hirschfeld als warmherzigen und leidenschaftlichen Idealisten, zugleich auch als tragischen,traurigen Mann, der um seine wissenschaftlichen und aktivistischen Ziele willen lange seine eigene Homosexualität nicht auslebt, Gewalt erfährt und schließlich sein Lebenswerk durch die Nationalsozialisten zerstört sieht. Praunheim verdichtet dies buchstäblich und prägnant, indem er Hirschfeld die Zerstörung des Instituts in einer Wochenschau in einem Pariser Kino miterleben lässt.
Von Praunheim umgibt seinen Protagonisten mit einem Kreis historisch verbürgter Weggefährt*innen, deren Lebensgeschichten ebenfalls von Gewalt und gesellschaftlicher Stigmatisierung geprägt sind. Zu ihnen gehört auch Dora Richter, von Hirschfeld liebevoll „Dorchen“ genannt. Die trans Frau arbeitete als Dienstmädchen im Institut für Sexualwissenschaft und erhielt dort eine Reihe geschlechtsangleichender Eingriffe, darunter auch die erste registrierte Vagina-Konstruktion. Anders als die ihr gewidmeten Zeilen im Abspann des Films nahelegen, überlebte Richter jedoch nach heutigem Forschungsstand sowohl die NS-Zeit als auch den Zweiten Weltkrieg. Nach Jahren in ihrer böhmischen Heimat in der damaligen Tschechoslowakei kam sie als Flüchtling nach Allersberg bei Nürnberg, wo sie 1966 starb.
Deutschland, Niederlande 1999, Farbe und s/w, DCP (Originalformat 35mm), 100 Min. Mit englischen Untertiteln.
Regie, Produktion: Rosa von Praunheim, Buch: Rosa von Praunheim, Chris Kraus, Valentin Passoni, Friedl von Wangenheim, Kamera: Elfi Mikesch, Schnitt: Mike Shephard, Musik: Karl-Ernst Sasse. Mit Kai Schuhmann, Friedel von Wangenheim, Ben Becker, Meret Becker, Olaf Drauschke, Otto Sander, Gerd Lukas Storzer, Wolfgang Völz, Monika Hansen, Gehard Ludwig Storzer, Tima die Göttliche.
Pink Palace ist ein entspannter Raum, um queere Filmgeschichte zu entdecken und gemeinsam darüber ins Gespräch zu kommen. Jede Woche führen wir in den Film ein oder laden Gäste ein, die dessen historischen und kulturellen Kontext beleuchten und über seine heutige Relevanz sprechen. Die Vorführungen finden als informelles Pop-up-Format in der Kellerbar statt, mit einer lockeren Mischung aus Stühlen und Hockern.
Bleiben Sie nach dem Film gern noch auf einen Drink und ein Gespräch. Gerne können Sie selbst Filme vorschlagen oder vorstellen möchtet. Bitte beachten: Es gibt keine Werbung oder Trailer, und die Filme beginnen pünktlich zur angekündigten Startzeit.
Bitte beachten Sie, dass diese Film im Rio Cinema im Rahmen der Pink Palace Reihe gezeigt wird.
„Einstein des Sex“: So nannte die amerikanische Presse den einst weltbekannten jüdischen Sexualwissenschaftler Magnus Hirschfeld (1868–1935), den Rosa von Praunheim mit seinem biografischen Film in Erinnerung rufen möchte. Chronologisch zeichnet der Film Hirschfelds Lebensweg nach: Er zeigt ihn als Kind mit früh erwachtem wissenschaftlichem Interesse am Sexualverhalten von Tieren ein, als Medizinstudenten, der sich im Hörsaal die Pathologisierung Homosexueller als degeneriert anhören muss, sowie als Arzt für „Seelische Leiden und Naturheilkunde“, der durch den Suizid eines jungen homosexuellen Offiziers tief erschüttert wird. Dieser richtet seinen Abschiedsbrief an Hirschfeld und ruft ihn damit dazu auf, für die gesellschaftliche Akzeptanz und rechtliche Gleichstellung homosexueller Menschen einzusetzen.
Von Praunheim, selbst oft als Impulsgeber der modernen deutschen Schwulenbewegung bezeichnet, erweist seinem historischen Vorläufer mit einem bewusst konventionell erzählten, stellenweise humorvollen Film die Reverenz. Immer wieder setzt er historische Archivaufnahmen ein, die nicht nur Zeitkolorit vermitteln, sondern auch aufrütteln, etwa die Fotografien homosexueller Männer, die sich das Leben nahmen.
Von Praunheim zeichnet Hirschfeld als warmherzigen und leidenschaftlichen Idealisten, zugleich auch als tragischen,traurigen Mann, der um seine wissenschaftlichen und aktivistischen Ziele willen lange seine eigene Homosexualität nicht auslebt, Gewalt erfährt und schließlich sein Lebenswerk durch die Nationalsozialisten zerstört sieht. Praunheim verdichtet dies buchstäblich und prägnant, indem er Hirschfeld die Zerstörung des Instituts in einer Wochenschau in einem Pariser Kino miterleben lässt.
Von Praunheim umgibt seinen Protagonisten mit einem Kreis historisch verbürgter Weggefährt*innen, deren Lebensgeschichten ebenfalls von Gewalt und gesellschaftlicher Stigmatisierung geprägt sind. Zu ihnen gehört auch Dora Richter, von Hirschfeld liebevoll „Dorchen“ genannt. Die trans Frau arbeitete als Dienstmädchen im Institut für Sexualwissenschaft und erhielt dort eine Reihe geschlechtsangleichender Eingriffe, darunter auch die erste registrierte Vagina-Konstruktion. Anders als die ihr gewidmeten Zeilen im Abspann des Films nahelegen, überlebte Richter jedoch nach heutigem Forschungsstand sowohl die NS-Zeit als auch den Zweiten Weltkrieg. Nach Jahren in ihrer böhmischen Heimat in der damaligen Tschechoslowakei kam sie als Flüchtling nach Allersberg bei Nürnberg, wo sie 1966 starb.
Deutschland, Niederlande 1999, Farbe und s/w, DCP (Originalformat 35mm), 100 Min. Mit englischen Untertiteln.
Regie, Produktion: Rosa von Praunheim, Buch: Rosa von Praunheim, Chris Kraus, Valentin Passoni, Friedl von Wangenheim, Kamera: Elfi Mikesch, Schnitt: Mike Shephard, Musik: Karl-Ernst Sasse. Mit Kai Schuhmann, Friedel von Wangenheim, Ben Becker, Meret Becker, Olaf Drauschke, Otto Sander, Gerd Lukas Storzer, Wolfgang Völz, Monika Hansen, Gehard Ludwig Storzer, Tima die Göttliche.
Pink Palace ist ein entspannter Raum, um queere Filmgeschichte zu entdecken und gemeinsam darüber ins Gespräch zu kommen. Jede Woche führen wir in den Film ein oder laden Gäste ein, die dessen historischen und kulturellen Kontext beleuchten und über seine heutige Relevanz sprechen. Die Vorführungen finden als informelles Pop-up-Format in der Kellerbar statt, mit einer lockeren Mischung aus Stühlen und Hockern.
Bleiben Sie nach dem Film gern noch auf einen Drink und ein Gespräch. Gerne können Sie selbst Filme vorschlagen oder vorstellen möchtet. Bitte beachten: Es gibt keine Werbung oder Trailer, und die Filme beginnen pünktlich zur angekündigten Startzeit.
Ort
Rio Cinema
107 Kingsland High St
London E8 2PB
Vereinigtes Königreich
107 Kingsland High St
London E8 2PB
Vereinigtes Königreich