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Vereinigtes Königreich London

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19:00 Uhr

Rosa von Praunheim: Härte

Kinovorführung | Rosa von Praunheim Filmreihe

Schwarzweißbild von einem Mann, der grimming nach vorne starrt und einer Frau, die ihre Sterne an seinen Kopf lehnt. Rosa von Praunheim: Härte © missingFILMs GmbH

Schwarzweißbild, das einen Mann der grimmig nach vorne guckt, und eine Frau, die ihren Kopf mit der Stirn an seinen lehnt Rosa von Praunheim: Härte © missingFILMs GmbH

In seinem intensiven Dokudrama über den ehemaligen Karateweltmeister und Zuhälter Andreas Marquardt findet von Praunheim zu einer neuen, kargen Ästhetik, die den bedrückenden Zusammenhang von Kindesmissbrauch und männlicher Gewalt eindringlich erfahrbar macht.

Härte erzählt die wahre Geschichte des Berliner Karateweltmeisters und ehemaligen Zuhälters Andreas Marquardt. Schon als Säugling ist er schwerer Gewalt durch seinen Vater ausgesetzt; später misshandelt und missbraucht ihn seine Mutter über Jahre hinweg sexuell. Erst als junger Erwachsener gelingt es ihm, sich ihren direkten Übergriffen zu entziehen, nicht jedoch ihrem Einfluss auf sein Leben. Über den Karatesport gerät er ins kriminelle Milieu, arbeitet als Geldeintreiber und wird schließlich zu einem brutalen Zuhälter. Mit einer Mischung aus Zuwendung, Gewalt, Demütigung und emotionaler Abhängigkeit bindet er Frauen an sich, darunter auch seine spätere Lebensgefährtin Marion Erdmann. Er häuft ein Vermögen an, bis eine Anzeige wegen Körperverletzung zu seiner Verhaftung führt. Die anschließende Haft wird zum Wendepunkt seines Lebens.

Nahaufnahme eines ältern weißen Mannes in einem Sportstudio. Rosa von Praunheim: Härte © missingFILMs GmbH

Von Praunheim basiert den Film auf der gleichnamigen Autobiografie, die Marquardt gemeinsam mit seinem Therapeuten verfasst hat. In einer strengen formalen Struktur wechselt Härte zwischen Gegenwart und Vergangenheit: In nüchternem Schwarzweiß und stilisierten Innenräumen zeichnen theaterhaft inszenierte Szenen Marquardts Entwicklung vom missbrauchten Kind zum gewalttätigen Manipulator nach. Dokumentarischen Farbsequenzen zeigen ihn dagegen nach seiner Haft als Karatelehrer für Kinder und bei der Rückkehr an Orte seiner Vergangenheit. Immer wieder sprechen er und Marion Erdmann direkt in die Kamera und berichten davon, wie sie sich auf unterschiedliche Weise aus der Spirale von Missbrauch und Gewalt lösen konnten und wieder zueinanderfanden.

Dank seiner konsequenten Ästhetik vermittelt der Film eindringlich die Perfidie sexuellen Missbrauchs und die Grausamkeit physischer wie psychischer Gewalt, während er zugleich genügend Distanz wahrt, um deren verhängnisvolle Wechselwirkung sichtbar werden zu lassen. Von Praunheims Vorstoß in einen strengeren Stil wurde von der Kritik ebenso gelobt wie die herausragenden schauspielerischen Leistungen seines Ensembles, allen voran Katy Karrenbauer als Mutter, Hanno Koffler als Andreas Marquardt und Luise Heyer als Marion.

Deutschland 2015, Farbe, DCP (Originalformat HD), 89 Min., mit englischen Untertiteln.
Regie: Rosa von Praunheim, Buch: Nico Woche, Jürgen Lemke, Rosa von Praunheim, nach dem Buch: HÄRTE: Mein Weg aus dem Teufelskreis der Gewalt von Andreas Marquardt mit Jürgen Lemke Kamera: Nicolai Zörn, Elfi Mikesch, Lichtkonzept: Elfi Mikesch, Ton: Thomas Schrader, Timo Kahlenberg, Lilly Grote, Kostüm: Ingrid Buhrmann, Christian Fritz, Maske: Beatrice Mendelin, Silvia Schwarzer, Musik: Andreas Wolter, Schnitt/Postproduktion: Mike Shephard, Schnittassistenz: André Krummel, Tonmischung: Christian Wilmes, Redaktion: Götz Schmedes WDR, Cooky Ziesche und Jens Stubenrauch RBB, Barbara Häbe ARTE, Production Companies: Rosa von Praunheim Filmproduktion in Koproduktion mit WDR, RBB, ARTE. Mit mit: Andreas Marquardt, Marion Erdmann sowie den Darstellern Hanno Koffler, Luise Heyer, Katy Karrenbauer, Rüdiger Götze, Ilse Amberger Bendin.