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19:00 Uhr

Goethe-Kino: Rainer Werner Fassbinder: Warnung vor einer Heiligen Nutte

Film|Goethe-Kino (Kinovorführung)

  • Goethe-Institut London, London

  • Preis Preis: £6, £3 ermäßigt und für Goethe-Institut Sprachkursteilnehmer*innen & Bibliotheksmitglieder.
  • Teil der Reihe: Goethe-Kino 2026

Eine weiße Frau mit rotblondem Haar in einem Boot vor einem Hintergrund von blauen Meer und Küstenlandschaft R.W. Fassbinder: Warnung vor einer Heiligen Nutte © Rainer Werner Fassbinder Stiftung, Bild: Michael Ballhaus

Eine weiße Frau mit rotblondem Haar in einem Boot vor einem Hintergrund von blauen Meer und Küstenlandschaft R.W. Fassbinder: Warnung vor einer Heiligen Nutte © Rainer Werner Fassbinder Stiftung, Bild: Michael Ballhaus

Im Rahmen des Goethe‑Kinos präsentieren wir diesen Monat – ergänzend zur Retrospektive Anguish & Ecstasy – The Cinema of Werner Schroeter im ICA – Rainer Werner Fassbinders bissig‑sarkastisches Porträt eines zwischen Apathie und Melodrama schwebenden Filmteams. Der Film nimmt bewundernd Bezug auf Schroeters Eika Katappa – den Eröffnungstitel der Retrospektive – und bietet Auftritte von Schroeter selbst sowie seiner ikonische Darstellerin Maria Montezuma.

Der Film spielt in einem Hotel irgendwo an der spanischen Küste und folgt einem gestrandeten Filmteam – Technikern, Schauspieler*innen und Produzenten –, das auf den Regisseur, den Hauptdarsteller, das Filmmaterial und die Produktionsgelder wartet. Man lungert in der Lobby herum, steht an der Bar, beobachtet einander, streitet oder geht fragile Allianzen ein. Als der egozentrische Regisseur endlich eintrifft, verschärfen sich die Spannungen: Eifersucht, Demütigungen, Verletzungen und Enttäuschungen entfalten sich in Zyklen melodramatischen Leidens und flüchtiger Momente des Triumphs.

Der Film beginnt mit dem jungen Werner Schroeter mit schwarzem Hut und langem Haar, der dem Hintergrund eines blassen Himmels einen Disney‑Cartoon mit Goofy, dem Hund, nacherzählt, in dem Cross‑Dressing und Täuschung eine Rolle spielen – eine ironische Einstimmung auf die emotionalen Maskeraden, die folgen werden. Zudem erscheint Schroeter hier an der Seite von Magdalena Montezuma, dem Star vieler seiner Filme und einer seiner engsten künstlerischen Weggefährtinnen. Fassbinder gibt Montezuma eine orangeblonde Perücke, den Namen und die Stimme der Schauspielerin Irm Hermann, einmal loyal ergebenen Mitglied des Fassbinderzirkels, die oft seinen Demütigungen ausgesetzt war – so wie Montezuma hier vom fiktiven Regisseur des Films erniedrigt wird, den Fassbinder ersichtlich als Spiegelbild seiner eigenen Unberechenbarkeit und Neigung zu Machtspielen erdacht hat.

Montezumas trauriges Entkommen aus dieser destruktiven Dynamik ist in einer schönen Sequenz eingefangen: Auf einem kleinen Boot entfernt sie sich vom Ufer, ihr Gesicht und ihr Haar heben sich deutlich gegen das Meer und die Küstenlandschaft ab, das Spiel des Sonnenlichts auf ihrem Nacken von Kameramann Michael Ballhaus eingefangen. Dieser Moment der Ruhe in dem ansonsten angespannten Film erinnert an eine ähnliche Szene aus Schroeters Eika Katappa – dem Eröffnungsfilm der Retrospektive –, in der ein junger Mann in einem Boot Neapel hinter sich lässt. Fassbinder bat Schroeter um die Erlaubnis, diese Einstellung „kopieren“ zu dürfen, was Schroeter als „Widmung, als Hommage“ verstand. Eine weitere Übernahme aus Eika Katappa ist der Satz „Life is so precious – even now“, den Fassbinder in seinem Film Hanna Schygulla in den Mund legt.

Nach der Eröffnungszene tritt Schroeters nur noch vereinzelt auf. Wenn er nicht an Montezumas Seite zu sehen ist, erscheint er in Gruppenkompositionen – immer am Rand, ohne Dialog, zugleich Teil und nicht Teil des Teams. Diese stille, schwebende Präsenz scheint die komplexe Verbindung zwischen Schroeter und dem Neuen Deutschen Film auszudrücken: Bewunderung, Distanz, Einfluss und ein gemeinsames Engagement für die unterschiedlichen Wege, ein anderes Kino zu schaffen.

BRD 1971, Farbe, 104 Min. Mit englischen Untertiteln.
Regie: Rainer Werner Fassbinder. Mit Marquard Bohm, Lou Castel, Eddie Constantine, Rainer Werner Fassbinder, Hannes Fuchs, Ulli Lommel, Maria Montezuma, Kurt Raab, Karl Scheydt, Werner Schroeter, Hanna Schygulla, Monica Teuber, Margarethe von Trotta u. a.