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19:00 Uhr

Goethe-Kino - Special Preview: Christian Petzold: Miroirs No. 3

Film|Goethe-Kino (Kinovorführung)

  • Goethe-Institut London, London

  • Preis Preis: £6, £3 ermäßigt und für Goethe-Institut Sprachkursteilnehmer*innen & Bibliotheksmitglieder.

Eine du © Schramm Film

Eine dunkehaarige und eine hellhaarige Frau stehen in einem Feld und halten sich an den Armen fest © Schramm Film

Wir freuen uns, Ihnen einen Preview von Christian Petzolds neuem Film Miroirs No. 3 vor dem britischen Kinostart am 17. April präsentieren zu können. Der Film, der 2025 bei der Quinzaine des cinéastes in Cannes seine Premiere feierte, erzählt die Geschichte einer jungen Pianistin, die nach einem Unfall bei einer älteren Frau scheinbar Zuflucht findet. Eine mit sommerlicher Leichtigkeit und subtilem Humor erzählter, jedoch geheimnisvoller Film über Verlust und Trauer.

Laura ist Musikstudentin an der Universität der Künste in Berlin. Als wir sie zum ersten Mal sehen – aufs Wasser blickend –, wirkt sie unglücklich. Als sie mit ihrem Freund und einem befreundeten Paar für ein Wochenende aufs Land fährt, möchte sie, kaum angekommen, schon wieder zurück nach Berlin. Ihr Freund fährt sie zum nächsten Bahnhof. Doch auf dem Weg dorthin passiert ein Unfall. Lauras Freund stirbt, sie selbst überlebt nahezu unversehrt. Verstört von dem Ereignis findet sie Unterkunft bei einer älteren Frau namens Betty, die in der Nähe des Unfallorts wohnt. Die beiden Frauen freunden sich an, und Laura bleibt; scheint es ihr doch, als habe sie einen Ort gefunden, an dem sie das Unglück und ihr tiefer sitzendes Unglücklichsein überwinden kann. Aber die Idylle täuscht.
 

Junge Frau mit langem lockigem Haar in rosa Pullover im Profil © Schramm Film, Foto: Hans Fromm

Wie schon Roter Himmel, Petzolds letzter Film, spielt Miroirs No. 3 im Sommer auf dem Land. Die Atmosphäre ist leicht und luftig. Nach den Elementen Wasser und Feuer, die in Petzolds vorherigen Filmen Undine bzw. Roter Himmel eine zentrale Rolle spielen, ist dieser Film vom Element der Luft geprägt. Doch die sommerliche Leichtigkeit wird von einem latenten Unbehagen überschattet. Man redet über Kuchenteig, ist heiter, und doch liegt etwas Geheimnisvolles, ja sogar etwas von Horror in der Luft. Petzold greift frühere Motive auf – den Autounfall, die verlorene Tochter, die Nähe zum Totenreich –, um eine Geschichte über eine zerbrochene Familie zu erzählen.

Gedreht hat er wieder mit ihm vertrauten Team und Schauspieler*innen, in den Hauptrollen Paula Beer, bekannt aus Transit, Undine und Roter Himmel sowie Barbara Auer, die bereits 2000 in Die innere Sicherheit und später in Yella und Transit mitspielte. Auch gibt es wieder einen schönen Moment mit Musik, die Petzold immer sehr gezielt einsetzt. Laura und Bettys Sohn Max sitzen draußen an einem Tisch, trinken Bier und hören ein Musikstück. Es ist nicht der melancholische titelgebende dritte Teil von Ravels Miroirs („Spiegelbildern“), sondern der von einem dynamischen Beat vorangetriebene Northern-Soul-Klassiker The Night von Frankie Valli and the Four Seasons. Ein kleiner Moment der Freiheit – für die Charaktere und ihre Darsteller*innen.

Deutschland 2025. Farbe, 86 Min. Mit englischen Untertiteln.
Regie: Christian Petzold. Mit Philip Froissant, Paula Beer, Barbara Auer, Victoire Laly, Matthias Brandt, Enno Trebs, Christian Koerner, Marcel Heuperman.


Regisseur Christian Petzold wird für Q&As in London sein – im BFI Southbank (Mi, 15. April, NFT 1) und im Ciné Lumière (Do, 16. April, 18:00 Uhr). Miroirs No. 3 startet am Freitag, den 17. April in den britischen Kinos.

Mit besonderem Dank an New Wave Films.


 

 

Christian Petzold

Christian Petzold

Christian Petzold wurde am 14. September 1960 in Hilden, Westdeutschland, geboren. Nach dem Abschluss seines Zivildienstes zog er 1981 nach Berlin, um an der Freien Universität Berlin Germanistik und Theaterwissenschaft zu studieren. Nach seinem Abschluss 1989 schrieb er sich an der Deutschen Film‑ und Fernsehakademie Berlin (dffb) ein. Während seines Studiums arbeitete er als Regieassistent für Hartmut Bitomsky und Harun Farocki – der später an vielen von Petzolds Spielfilmen mitwirkte – sowie als Filmkritiker für verschiedene Zeitungen und Magazine.
Nach mehreren Kurzfilmen, darunter Süden und Das warme Geld, schloss Petzold 1994 seinen Abschlussfilm Pilotinnen ab, produziert von Schramm Film Koerner & Weber, mit denen er bis heute zusammenarbeitet. Im Jahr 2000, nach seinen viel beachteten Fernsehfilmen Cuba Libre und Die Beischlafdiebin, drehte Petzold Die innere Sicherheit, der ihm zahlreiche Auszeichnungen einbrachte, darunter den Deutschen Filmpreis in Gold für den Besten Film. Damit etablierte er sich als einer der einflussreichsten Filmemacher des zeitgenössischen deutschen Kinos.
2001 arbeitete Petzold erstmals mit der Schauspielerin Nina Hoss zusammen – im gefeierten Fernsehthriller Toter Mann. Der Film erhielt sowohl den Adolf-Grimme-Preis als auch den Deutschen Fernsehpreis. Hoss spielte anschließend auch in Petzolds nächstem Kinofilm Wolfsburg, der 2003 auf der Berlinale mit dem FIPRESCI-Preis ausgezeichnet wurde und im selben Jahr den Adolf-Grimme-Preis in Gold erhielt.

Zu Petzolds regelmäßigen künstlerischen Weggefährten zählen Kameramann Hans Fromm, Editorin Bettina Böhler, Szenenbildner K.D. Gruber und Komponist Stefan Will. Dieses Team arbeitete auch an Petzolds Film Gespenster zusammen. Sein nächster Film Yella mit Nina Hoss in der Hauptrolle brachte ihr 2007 den Silbernen Bären für die Beste Darstellerin auf der Berlinale sowie 2008 den Deutschen Filmpreis ein. 2008 folgte eine weitere Zusammenarbeit mit Hoss in Jerichow. Anschließend steuerte Petzold den Film Etwas Besseres als den Tod zu dem dreiteiligen Projekt Dreileben bei. Gemeinsam mit den Beiträgen von Christoph Hochhäusler und Dominik Graf feierte er 2011 im Forum der Berlinale Premiere.
2012 wurde Petzolds Film Barbara, erneut mit Nina Hoss, im Wettbewerb der Berlinale uraufgeführt, wo er den Silbernen Bären für die Beste Regie erhielt. Bei den Deutschen Filmpreisen gewann Barbara die Silberne Lola für den Besten Film. Petzolds Phoenix, ebenfalls mit Nina Hoss, feierte 2014 seine Premiere beim Toronto International Film Festival. Das Drehbuch markierte seine letzte Zusammenarbeit mit Harun Farocki, der im Juli 2014 verstarb. Der Film wurde vielfach ausgezeichnet, darunter mit dem FIPRESCI-Preis des Filmfestivals San Sebastián, sowie mit dem Deutschen Filmpreis für die Beste weibliche Nebenrolle für Nina Kunzendorf.
Anschließend inszenierte Petzold zwei Episoden der Fernsehreihe Polizeiruf 110 Kreise (2015) und Wölfe (2016) –, beide mit Matthias Brandt, der später auch in Transit, Roter Himmel und Miroirs No. 3 mitwirkte.
Im Mai 2017 begann Petzold mit der Arbeit an seinem nächsten Spielfilm, einer freien Adaption von Anna Seghers’ Roman Transit. Der Film feierte 2018 im Wettbewerb der Berlinale Premiere. Petzolds nächster Film Undine, eine zeitgenössische Neuinterpretation des Undine-Mythos, lief 2020 ebenfalls im Wettbewerb der Berlinale und war – wie Transit – mit Paula Beer und Franz Rogowski besetzt. Undine wurde sowohl für den Deutschen Filmpreis als auch den Europäischen Filmpreis als Bester Spielfilm nominiert. Bei der Berlinale 2023 wurde sein Film Roter Himmel im Wettbewerb uraufgeführt, wo Petzold mit dem Großen Preis der Jury ausgezeichnet wurde. Sein jüngster Film Miroirs No. 3 mit Paula Beer feierte 2025 in der Quinzaine des Réalisateurs bei den Filmfestspielen von Cannes Premiere.
Christian Petzold ist mit der Dokumentarfilmerin Aysun Bademsoy verheiratet und lebt mit seiner Familie in Berlin‑Kreuzberg.