Film-Spezial: Rosa von Praunheim
Pionier des Queeren Kinos in Deutschland
Über das Film-Spezial
Das Goethe-Institut Tokyo widmet dem 2025 verstorbenen Filmemacher, Künstler und LGBTQ-Aktivisten Rosa von Praunheim eine besondere Filmreihe. Insgesamt vier Filme werden am 09. und 10. Oktober gezeigt: Sein wegweisendes Frühwerk Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt (1971) sowie die Kultkomödie Die Bettwurst (1971), welche zum Ersten Mal mit japanischen Untertiteln gezeigt werden, und Anita, Tänze des Lasters (1987) sowie der Dokumentarfilm Underground and Emigrants (1976).
Neben den Filmvorführungen bietet ein Rahmenprogramm die Möglichkeit, Rosa von Praunheims Werk aus unterschiedlichen Perspektiven kennenzulernen. Der Film- und Kulturjournalist Jan Künemund gibt in einer Online-Lecture Einblicke in die Entstehungsgeschichte und Wirkung von Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt. Die Vorführungen werden zudem von Einführungen des Filmwissenschaftlers Tetsuya Shibutani begleitet. Gemeinsam eröffnen sie neue Zugänge zu einem Werk, das bis heute gesellschaftliche Debatten über Identität, Sichtbarkeit und Vielfalt prägt.
Rosa von Praunheim
Rosa von Praunheim (1942–2025), geboren als Holger Mischwitzky, war Filmregisseur, Autor und einer der wichtigsten Wegbereiter der Schwulen- und Lesbenbewegung im deutschsprachigen Raum. Sein Künstlername Rosa bezieht sich auf den rosa Winkel, welchen Homosexuelle in Nazi Konzentrationslagern tragen mussten. Mit mehr als 150 Filmen prägte er über fünf Jahrzehnte das queere Kino und verband Kunst konsequent mit politischem Aktivismus. Auch später blieb Praunheim eine polarisierende, aber zentrale Stimme des queeren Aktivismus. Seine Arbeiten zu AIDS, Erinnerungspolitik und Sichtbarkeit machten ihn zu einer Schlüsselfigur kultureller Emanzipation in Deutschland.
Filmografie
(Auswahl)
1971 Die Bettwurst
1971 Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation in der er lebt; Dokumentarfilm
1976 Ich bin ein Antistar. Das skandalöse Leben der Evelyn Künneke; Dokumentarfilm
1978 Tally Brown, New York; Dokumentarfilm
1981 Unsere Leichen leben noch; Dokumentarfilm
1983 Stadt der verlorenen Seelen (The City of Lost Souls); Dokumentarfilm
1984 Horror Vacui
1985 Ein Virus kennt keine Moral
1987 Anita – Tänze des Lasters
1989 Überleben in New York; Dokumentarfilm·Schweigen = Tod(Silence = Death); Dokumentarfilm
1992 Ich bin meine eigene Frau (I Am My Own Woman); Dokumentarfilm
1996 Neurosia – 50 Jahre pervers
1999 Der Einstein des Sex (The Einstein of Sex)
2002 Tunten lügen nicht; Dokumentarfilm
2005 Dein Herz in meinem Hirn
2011 Die Jungs vom Bahnhof Zoo; Dokumentarfilm
2015 Härte
2022 Rex Gildo – Der letzte Tanz(Rex Gildo – The Last Dance); Dokumentarfilm
2024 Dreißig Jahre an der Peitsche (Twenty Years at the Whip); Dokumentarfilm
2025 Satanische Sau (Satanic Sow); Dokumentarfilm