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Aufklärung
Garlieb Merkel: Aufklärer und Befreier der Letten

Gedenkplatte für Garlieb Merkel im Rāmavas muiža.
© Alexander Welscher

Mit der deutschen Bundeskanzlerin ist er weder verwandt noch verschwägert. Und für viele Letten wegen seines Einflusses auf das nationale Erwachen ohnehin der viel wichtigere Deutsche: Garlieb Merkel.

Von Alexander Welscher

Vielen Letten gilt er als ein geistiger Wegbereiter der nationalen Bewegung: Garlieb Merkel (1769-1850) war einer der ersten Deutschen, der sich für die Rechte des lettischen Volkes einsetzte. In mehreren Schriften befasste sich der Schriftsteller eingehend mit den sozialen Verhältnissen in Livland, dem Gebiet des heutigen Estland und Lettland. Darin verurteilte er die durch die Kirche und Hanse eingeleitete jahrhundertelange deutsche Vorherrschaft in der damals zum Russischen Zarenreich gehörenden Ostseeprovinz.

Als Hauptwerk des „livländischen Voltaire“ (Neue Zürcher Zeitung) gilt die sozialkritische Schrift „Die Letten, vorzüglich in Liefland, am Ende des philosophischen Jahrhunderts“, die eine der Grundlagen der lettischen Geschichtsschreibung bildet. Ausführlich berichtet der entschiedene Gegner der Leibeigenschaft in dem 1796 erschienenen Buch über die menschenunwürdige Behandlung der Letten durch deutsche Gutsherren.

Merkel, vom Dichter Johann Gottfried Herder als „rühmlichst bekannter Verfasser der Letten“ geschätzt, war bereits früh mit dem Elend der Landbevölkerung konfrontiert. In jungen Jahren arbeitete der Sohn eines freisinnigen Landpastors auf Gutshöfen des baltischen Adels – erst als Hofmeister auf dem Pastorat Pernigel, danach als Hauslehrer auf dem Gut Annenhof. Dort untersuchte er die Lebensart der Letten.

Später war Garlībs Merķelis, wie der Anhänger der Aufklärung auf Lettisch genannt wird, in verschiedenen Berufen in Deutschland tätig, ehe er 1820 als Herausgeber und Redakteur mehrerer Zeitschriften wieder in seine Heimat zurückkehrte. Dort starb Merkel, nach dem die Merķeļa iela in der Rigaer Innenstadt benannt wurde, auf dem von ihm 1808 erworbenen Gut Depkinshof, in dessen Nähe er begraben liegt.

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