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Kulinarik
Valmiermuiža: Deutsche Braukunst für den lettischen Gaumen

Kornkammergebäude des Gutshauses Valmiermuiža.
© Valmiermuižas alus darītava

Bierbrauer aus Deutschland haben im Ausland einen guten Ruf – auch in Lettland. Dort setzt die kleine Brauerei Valmiermuiža mit Erfolg auf einen Bierkünstler aus Baden.

Von Alexander Welscher

Wenn Matthias Saile durch die Brauerei Valmiermuiža in der Nähe der lettischen Kleinstadt Valmiera führt, glänzen seine Augen. Stolz und freudestrahlend zeigt der meisterliche Brauer seine blitzblanken Kessel, in die ausschließlich Hopfen, zu Braumalz verarbeitete Gerste und Wasser kommen. „Unser Bier wird streng nach dem deutschen Reinheitsgebot von 1516 gebraut“, betont der Endvierziger.

Seit acht Jahren braut der Deutsche in der Brauerei rund 100 Kilometer nordöstlich von Riga das bernsteinfarbene Bier mit malzigem Geschmack und leicht süßlich-bitterer Note. Das Rezept dafür stammt von ihm – ebenso wie für die anderen acht Biersorten, die die kleine Brauerei im Angebot hat.

Valmiermuiža nahm 2008 den Braubetrieb auf. Damals braute Saile fast zwei Dutzend Biere nach traditionellen Rezepten, aus denen mit Hilfe von Verkostungen der für den lettischen Gaumen schmackhafteste Gerstensaft ausgewählt wurde. Im Frühjahr 2009 wurde Valmiermuiža auf den Markt gebracht, ein Jahr später kam ein dunkles Bier hinzu. Heute umfasst das Sortiment auch Weizen- und Bockbier, ein Rauchbier, Pale ale und ein Holunder Radler. Dazu kommen verschiedene Fruchtgetränke.

Alle Biersorten werden in schonenden Brauverfahren größtenteils noch in Handarbeit hergestellt. „Wir wollen ein gutes, natürliches Bier machen, das den Leuten schmeckt“, erklärt Brauereibesitzer Aigars Ruņģis. Gemeinsam mit zwei Investoren verwandelte er für drei Millionen Euro das Anwesen eines Gutshauses, das Katharina die Große einst 1762 Generalfeldmarschall Peter August von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Beck vermachte, in eine kleine Brauerei.

Das Vorhaben schien verwegen: Lettland befand sich damals inmitten der EU-weit schwersten Wirtschaftskrise. Dazu steht den Letten rein statistisch der Durst deutlich weniger nach Hopfen und Malz als etwa anderen Europäern. Doch der Jungunternehmer setzte auf die Künste seines eigens engagierten deutschen Chefbrauers und die Geschmacksqualität des Bieres. Dazu kam ein Marketingkonzept, das an die Historie und Tradition der Braustätte anknüpft.

Der Erfolg stellte sich schnell ein. In nur wenigen Jahren konnte Valmiermuiža eine kleine Nische im lettischen Biermarkt erobern. In Restaurants und Szene-Lokalen steht das Bier heute ebenso wie im Rest des Landes hoch im Kurs – in Umfragen und Geschmackstests belegt es regelmäßig einen der vorderen Ränge. Auch Bundespräsident Joachim Gauck konnte sich bei seinem Lettland-Besuch im Sommer 2013 von der Qualität des Bieres überzeugen.

Weil es den Beruf des Bierbrauers in Lettland nicht gibt, nimmt Saile die praktische Ausbildung bei Valmiermuiža selbst in die Hand – und weiht lettische Mitarbeiter in die Geheimnisse des Brauens und Mälzens ein. Dafür wurde die Brauerei von der Deutsch-Baltischen Handelskammer ausgezeichnet.

Der gebürtige Badener aus Emmendingen selbst hatte die Braukunst einst bei der Riegeler Brauerei am Kaiserstuhl erlernt. Im Oktober 2016 feierte der Brauer sein 30-jähriges Dienstjubiläum. Langsamer angehen will er es deshalb aber nicht: Saile tüftelt schon wieder fleißig an neuen Rezepten.

Probieren können Besucher die Biere von Valmiermuiža bei einer Tour durch das Brauhaus. In Riga betreibt die Brauerei zudem ein Bierrestaurant im Alternativviertel rund um die Miera iela. Angeboten wird dort auch ein Degustationsmenü mit abgestimmter Bierbegleitung. Damit will Brauereichef Ruņģis stilvollen Biergenuss in Lettland kultivieren.

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