Präsentation DIGAR – Das Digitalarchiv der Estnischen Nationalbibliothek im realen Raum

Ülle Laos Führende Expertin der Digitalabteilung der Estnischen Nationalbibliothek.
Foto: Goethe-Institut Riga/ Z.Murovska

Die mögliche Verwendung des Digitalarchivs hängt von dessen Bestand ab. Dabei müssen sowohl rechtliche als auch technische Aspekte berücksichtigt werden. Doch jedes neue Problem bringt dabei neue Lösungen mit sich.

Wir bemühen uns, den Bestand des Archivs für Leser möglichst sichtbar zu machen. Hinweise auf konkrete, archivierte Ausgaben im DIGAR befinden sich sowohl als Links im elektronischen Katalog ESTER als auch greifbar in den Bücherregalen mit einem QR-Code ausgestatteten Verweisungszeichen. Virtuelle Ausstellungen, die in der Bibliothek oft parallel zu tatsächlichen Ausstellungen von Druckausgaben präsentiert werden, sind keine Seltenheit. Ein großer Teil des Digitalarchivs ist für dessen Benutzer nur in der physischen Bibliothek zugänglich. Dies umfasst ebenfalls diejenigen Ausgaben mit aktuellen Informationen, die für den Leser von großem Interesse sind. Ist es uns daher möglich, diese Einschränkung zu umgehen, indem wir die Zugangsmöglichkeiten erweitern?

Die Entwicklung der Medien erfordert seitens des Digitalarchivs ebenso neue technische Lösungen. Andernfalls verliert das Digitalarchiv für seine Nutzerinnen und Nutzer – in erster Linie für junge Leute – seine Attraktivität. Der Zugang zum Digitalarchiv muss durch die Nutzung von PCs oder Tablets sowie durch iPads oder iPhones gewährleistet werden. Wir können unseren Lesern schon jetzt diese Möglichkeiten bieten vor dem Hintergrund, möglichst komfortable Lösungen zu entwickeln.

Mit jeder weiteren Entwicklung wird das Digitalarchiv benutzerfreundlicher. Das DIGAR bietet die Option, eigene virtuelle Bücherregale zu vervollständigen, eine personalisierte Auswahl zu verwenden wie auch persönliche Vorlieben ohne Verzögerung in sozialen Netzwerken zu teilen. Diese bieten auch für die Entwicklung unseres Archivs zusätzliche Möglichkeiten, z.B. „Digitalgud“ – Crowdsourcing-Projekt der estnischen Gedächtnisinstitutionen zu digitalisierten historischen Fotos.

Neben Schülern haben ebenfalls viele Lehrer die Möglichkeiten des Digitalarchivs DIGAR wahrgenommen. Für Nutzer alter Bücher ist es häufig eine angenehme Überraschung, wenn sie die recherchierten Bücher auch zu Hause unbegrenzt nutzen und durchforsten können. Dabei ist die Vergrößerungsoption eine willkommene Hilfe. Unser Lesesaal für seltene Drucke ist mit Computern ausgestattet und das gedruckte Buch wird nicht immer gebraucht. Dem Inhalt des Archivs wird häufig ganz neues Leben verliehen in Form einer Abkehr seiner digitalen Gestalt hin zu illustrativem Material im realen Raum. Und das nicht notwendigerweise nur auf Bücherseiten, sondern auch als ein neues, selbständiges und vielleicht ein wenig unerwartetes Objekt.

Die Estnische Nationalbibliothek nimmt aktiv an der Ausarbeitung des neuen Gesetzes des Pflichtexemplars teil, welches auch Druckdateien mit einbezieht. Zudem wird das Digitalarchiv DIGAR all diejenigen aktuellen Ausgaben enthalten, die in der Bibliothek digital genutzt werden können – auch wenn eine konkrete Ausgabe ausschließlich für die Produktion gedruckt wurde. Die Digitalisierung wird weiter aktiv fortgesetzt und die Entwicklung einer strategischen Richtung für die nächsten fünf Jahre zeigt sich dahingehend, einen möglichst großen Teil estnischer Ausgaben digital verfügbar zu machen, die dann wiederum hauptsächlich dem Bestand der Estnischen E-Nationalbibliothek dienen werden. Dabei werden sämtliche damit einhergehende Herausforderungen den Lesern andererseits zweifellos neue, erweiterte Möglichkeiten bieten.