Künstlerresidenz 2016 Marc Brandenburg

Detail, Zeichnung von M. Brandenburg
© Marc Brandenburg

Mit dem Aufenthaltsstipendium bietet das Goethe-Institut in Kooperation mit dem Wellington City Council Kulturschaffenden aus Deutschland die Möglichkeit, im Rahmen eines dreimonatigen Stipendiums in Neuseeland zu leben und zu arbeiten. Der Aufenthalt in Wellington soll den Stipendiatinnen und Stipendiaten dabei Inspiration und künstlerische Orientierung zugleich sein. Im direkten persönlichen Austausch mit der Kulturszene vor Ort können sie konkrete Projektvorhaben weiterentwickeln und umsetzen sowie nachhaltige Arbeitskontakte zu neuseeländischen Kultureinrichtungen und Kulturschaffenden aufbauen oder vertiefen. Auf diese Weise entfaltet sich ein interkultureller Dialog, der sowohl für die Stipendiatinnen und Stipendiaten als auch für die neuseeländische Kulturszene eine Bereicherung darstellt.

Residenzkünstler 2016: Marc Brandenburg

Marc Brandenburg wurde 1965 in Berlin geboren und verbrachte seine Kindheit in den USA und in Deutschland. Heute lebt und arbeitet er in Berlin.

Der Autor Oliver Koerner von Gustorf schreibt: "Marc Brandenburg vereint Zeichnung mit einer räumlichen, fast filmischen Erfahrung, die sich sowohl in der Zeichnung abspielt als auch dreidimensional in den Raum fortsetzt. Seitdem er 2002 in der Ausstellung Hirnsturm in der New Yorker Galerie Paul Morris seine Zeichnungen in einem komplett schwarzen Raum unter Schwarzlicht zeigte, hat er in zahlreichen Installationen und Werken versucht, den Betrachter körperlich mit in das gezeichnete Kopfkino einzubeziehen. Die Zeichnungen werden dabei immer zu Sequenzen montiert. (...) Brandenburg inszeniert seine Bilder wie eine Choreografie, die sich von Zeichnung zu Zeichnung fortsetzt. Dabei geht es ihm um das Dazwischen, um das, was passiert, wenn man von einem Motiv zum anderen sieht: 'Das ist etwa wie ein Schnitt im Film, oder wie bei Einzelbildern, aus denen sich ein Film zusammensetzt. Das ist eher, als ob man versucht eine Aura bildlich darzustellen.'

Marc Brandenburg steht in seiner Ausstellung auf Filmstreifen. Der weiße Anzug leuchtet im Schwarzlicht. © Marc Brandenburg Für seine Ausstellung Normex entwickelte er eine gigantische Schatten- und Projektionswelt, für die er auf Folie geplottete Zeichnungen wie Filmstreifen sampelte. Während sich im ersten Ausstellungsraum zwei Streifen gegenläufig um die die Wand ziehen, erzeugen im zweiten Schwarzlichtraum unzählige Motivstreifen einen flirrenden, op-artigen Effekt, die totale visuelle Überforderung. Zugleich wird der Betrachter in diesen Schwarzlicht-Installationen selbst zu so etwas wie einer grafischen, im Dunklen glimmenden Zeichnungsfigur, die von schwebenden Bildern umgeben und gleichermaßen erfüllt ist. Brandenburg behandelt sowohl den gezeichneten als auch den realen Körper als Behausung, als Bildraum, in dem Bilder verarbeitet und wie Visionen gesehen werden.

Bereits Anfang der 2000er-Jahre begann Marc Brandenburg, die Motive seiner Zeichnungen als transparente Sticker in einer limitierten Auflage anzufertigen. Ab 2003 entstanden Installationen, für die er Fenster von Bars und Museen mit Hunderten von Stickern beklebte, die Cluster in unterschiedlicher Dichte bildeten. 2009 entstand für den Berliner Club Berghain eine gigantische Siebdruckarbeit mit einem Ornament aus zeichnerisch gesampleten Mechaniken von Rummelplatzgeräten, das an einen Rorschach-Test erinnert.

Der Bildkörper wird hier zum Resonanzkörper, auf die die unterschiedlichsten Bilder und Sinneseindrücke einprallen. Dieses Prinzip führt Brandenburg auch mit seinen temporären Tattoos  konsequent weiter. Er deklariert seine ebenso wie die Sticker auf Zeichnungsmotiven basierenden Tattoos sehr entschieden als Kunst, gleichwertig mit seinen anderen Werken. Der Körper wird zum Schauplatz einer Miniretrospektive von Brandenburgs Werken, die überall im Stadtraum auftauchen kann: an der Ampel, in der Sauna oder im Theater. Zugleich ist er auch das, was die anderen Körper auf Brandenburgs Zeichnungen sind – ein Haus der Bilder."

Zwischen dem 26.02. und dem 24.04.2016 werden seine Arbeiten in der "Linie Line Linea" Ausstellung bei der Adam Art Gallery Te Pātaka Toi in Wellington zu sehen sein.

Einzelaustellungen (Auswahl):

Zeichnung/ Skulptur/Performance, Museen Stade, 2015
Interior/Exterior, Galerie Thaddaeus Ropac, Paris, 2013
NORMEX, Städtischen Galerie, Wolfsburg, 2012
Zeichnung, Hamburger Kunsthalle, Hamburg, 2011
Deutsch-Amerikanische Freundschaft, Denver Art Museum, Denver, 2010
Marc Brandenburg Ausstellung, Museum für Moderne Kunst, Frankfurt, 2005
Hirnsturm, Gallery Paul Morris, New York, 2002
 
Gruppenausstellungen (Auswahl):

Letztes Jahr in Marienbad, Galerie Rudolfinum, Prag, Tschechische Republik, 2016
Zeichnungsräume, Hamburger Kunsthalle, Hamburg, 2016
Zeitgeist-Arte da nova Berlin, CCBB / Goethe-Institut Rio de Janeiro, Brasilien, 2015
Disegno – Zeichenkunst für das 21. Jahrhundert, Staatliche Kunstsammlungen Dresden - Kupferstichkabinett, Dresden, 2015
10, Berghain, Berlin, 2014
The Paths of German Art from 1949 to the present, Moscow Museum of Modern Art – MMOMA, Moskau, 2014
Weltreise / Kunst aus Deutschland unterwegs. Werke aus dem Kunstbestand des ifa 1949 bis
heute
, ZKM Museum für Neue Kunst, Karlsruhe, 2013
Forever Young. Über den Mythos der Jugend, Kunsthalle Nürnberg, 2013
Disaster / The End of Days, Galerie Thaddaeus Ropac, Paris, 2013
The end of the line: Attitudes in drawing, a touring exhibition, Hayward Gallery, London, MIMA Middlesbrough Institute of Modern Art, The Bluecoat, Liverpool, City Museum and Art
Gallery, Bristol, The Fruitmarket Gallery, Edinburgh, 2009-10
compass in hand: selections from the Judith Rothschild Foundation contemporary drawings collection, Museum of Modern Art, New York, 2009.
Das achte Feld - Geschlechter, Leben und Begehren in der Kunst seit 1960, Museum Ludwig,
Köln, 2006
Heimat als Utopie, Goethe-Institut Tokio, Tokio, Japan, 2006

Daneben gibt es mehrfache Publikationen über und mit Marc Brandenburg. Hierzu gehören zum Beispiel die Publikation Vomit, Form, Fictitious Movement der Galerie Thaddaeus Ropac 2008 sowie verschiedene Artikel im Art Review, dem Tagesspiegel, der Welt am Sonntag, im Monopol, dem N.Y. Times Style Magazin und der Süddeutschen Zeitung.