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Nachhaltiger Tourismus
Gefährdete Nutztierrassen und ganzheitliche Landwirtschaft auf dem Archehof Klosterbuch

Heidschnucken auf dem Archehof
Heidschnucken auf dem Archehof | © Marina Bierbrauer

Dass Tiere wie Löwen, Tiger und viele Meeresbewohner vom Aussterben bedroht sind, wissen die meisten von uns. Aber auch vor unserer Haustür sind viele Tiere vom Aussterben bedroht oder bereits ausgestorben. Die Rede ist von alten Nutztierrassen. Grund genug, dieses Thema einmal genauer zu betrachten, denn glücklicherweise gibt es erfolgreiche Bemühungen, diese alten Rassen zu erhalten.

Von Marina Bierbrauer

Unsere heutige Landwirtschaft ist auf maximale Effektivität und Produktivität ausgelegt. Dadurch wird sich bei der Nutztierhaltung auf einige wenige, gezielt gezüchtete Hochleistungsrassen konzentriert. Aber auch bei Kühen, Hühnern, Schafen oder Ziegen gibt es eine große Rassenvielfalt, die ursprünglich alle ihre Funktion hatten, heutzutage aber immer weniger gehalten werden und daher vom Aussterben bedroht sind.

Grundgedanken der GEH und der Archehöfe

Die Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen e. V. (GEH) führt eine jährlich aktualisierte Rote Liste mit gefährdeten Haus- und Nutztierrassen. Derzeit stehen auf ihr über 90 Rassen.

Der Begriff „Archehof“ ist geschützt und Höfe müssen unterschiedliche Kriterien erfüllen, um die Bezeichnung tragen zu dürfen. Die wichtigsten sind die gezielte Züchtung gefährdeter Rassen, deren artgerechte Haltung und die Einbindung in den landwirtschaftlichen Betrieb.

Ein weiterer Schwerpunkt der GEH ist die Aufklärung und Sensibilisierung der Öffentlichkeit. Daher stehen die Höfe in der Regel für interessierte Besucher offen und durch pädagogische Angebote sollen Kinder mit dem Thema vertraut gemacht werden. Einer dieser Höfe ist der Archehof Klosterbuch.

Das Projekt ist erfolgreich: Seit Gründung der GEH im Jahr 1981 ist in Deutschland tatsächlich keine Rasse von der Roten Liste mehr ausgestorben.

Der Archehof Klosterbuch

Ursprünglich wollte ich etwas zur Haltung und Erhaltung bedrohter Nutztierrassen erfahren. Daraus wurde ein Nachmittag, an dem ich enorm viel über biodynamische, nachhaltige Landwirtschaft erfuhr. Neben der Tierhaltung werden in Klosterbuch mehrere Felder bewirtschaftet, eine Streuobstwiese und -plantage gehören ebenfalls dazu.

Auf dem von Bioland zertifizierten Hof wird mit der Dreifelderwirtschaft gearbeitet und die Bewirtschaftung erfolgt auf traditionelle und ursprüngliche Art und Weise. Dazu zählt unter anderem, dass in natürliche Kreisläufe einschließlich der Fortpflanzung der Nutztiere so wenig wie möglich eingegriffen wird. Aus den Erträgen des Hofes werden Lebensmittel sowie neues Saatgut hergestellt.

Die Natur ist ein Kreislauf, in dem alles eine Funktion hat. Alle Erzeugnisse werden in diesem Kreislauf belassen, z. B. indem Hühnermist als Dünger für Bäume verwendet wird.

Die Tiere auf dem Archehof Klosterbuch

Auf dem Archehof Klosterbuch kann man eine Reihe gefährdeter Rassen hautnah erleben. Dazu zählen das Rheinisch-Deutsche Kaltblut, Sachsenhühner, Deutsche Legegänse, Erzgebirgsziegen, der Meißner Widder sowie Moor- und Heidschnucken.

Dem Gedanken der Arche folgend, werden die Tiere ihren Eigenschaften entsprechend eingesetzt. Die Tiere werden nicht gehalten, um ausschließlich im Stall oder auf der Weide zu stehen, und der Hof möchte sich auch nicht als Zoo verstanden sehen. Artgerechte Haltung und landwirtschaftliche Nutzung gehen hier Hand in Hand.

Das Rheinisch-Deutsche Kaltblut z. B. ist eine Pferderasse mit sehr kräftiger Statur. Es diente ursprünglich als Zugpferd bei der Feldarbeit. In Klosterbuch wird es nach wie vor dazu eingesetzt und so kann auf kraftstoffbetriebene Fahrzeuge verzichtet werden.

Einen wichtigen Beitrag für das ganze Dorf leisten auch die Schafe (Moor- und Heidschnucken). Klosterbuch ist mit seiner Lage an der Freiberger Mulde grundsätzlich hochwassergefährdet. Die Schafe grasen auf dem neu angelegten Deich, treten dabei den Boden fest und sorgen so als wahre Landschaftspfleger für die Stabilität des Deiches. Beim großen Hochwasser 2002 wurde noch der gesamte Hof und das gegenüberliegende Kloster überflutet. Dank des neuen, höheren Deiches und der Schafe blieb der Hof bei der letzten Flut 2013 trocken.

Ferien auf dem Archehof

Wem der Sinn nach einer ruhigen Auszeit steht, findet im Gästehaus des Hofes eine einfache wie gemütliche Unterkunft. Das Gästehaus ist außerdem ein wichtiger Wirtschaftsfaktor als Teil des gesamten Betriebes. Das Ehepaar Pohl, Besitzer des Hofes, freut sich dabei besonders über junge Familien, Paare oder Einzelpersonen aus der Stadt, die Erholung in der Natur suchen und dabei etwas lernen wollen. Dem Ehepaar liegt es sehr am Herzen, ihr umfangreiches Wissen einer ganzheitlichen, natürlichen Lebensweise im Einklang mit der Umwelt an möglichst viele Menschen weiter zu geben.

Dabei ist jedem Gast selbst überlassen, einfach zu entspannen oder auf dem Hof mitzuhelfen. Die Tiere freuen sich in jedem Fall immer über eine Streicheleinheit.

Ein Teil der Übernachtungsgäste sind zudem Besucher des gegenüber gelegenen Klosters Buch, in dem regelmäßig Veranstaltungen und Hochzeiten stattfinden.

In dem alten, sanierten Fachwerkhaus gibt es insgesamt 20 Betten, die bewusst einfach aber nicht minder gemütlich gehalten sind. Jedes Zimmer ist unterschiedlich eingerichtet, teilweise noch mit Ofen beheizt und soweit möglich wurden alte Holzmöbel aufbereitet. Es gibt eine urige Gemeinschaftsküche, das Badezimmer teilt man sich ebenfalls mit den anderen Gästen.

Klosterbuch liegt in Mittelsachsen, relativ mittig zwischen Leipzig, Dresden und Chemnitz, und ist daher aus verschiedenen Richtungen gut zu erreichen. Neben den möglichen Aktivitäten auf dem Hof finden Natur- und Kulturliebhaber hier einen Ausgangspunkt für Wanderungen und Radtouren oder können die zahlreichen Burgen und Schlösser der Umgebung besuchen.

Nach meinem Tag auf dem Archehof Klosterbuch habe ich viel Wissen aufgenommen, das weit über mein ursprüngliches Interesse hinaus ging. Frau Pohl hat mich herzlich empfangen und sich ganz selbstverständlich viel Zeit für mich genommen. Neben den vielen Informationen fahre ich mit einigen leckeren Äpfeln von der Streuobstwiese und daraus hergestelltem Apfelgelee zufrieden nach Hause.
  • Wohnhaus Archehof Klosterbuch © Marina Bierbrauer
  • Familie Pohl und ihre Pferde © Elsbeth Pohl-Roux
  • verschiedene Hühnerrassen © Marina Bierbrauer
  • Frau Pohl auf einem ihrer Felder © Elsbeth Pohl-Roux
  • Äpfel von der Streuobstwiese © Elsbeth Pohl-Roux
  • Backen mit selbstgeernteten Äpfeln © Elsbeth Pohl-Roux

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