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Berlinale-Blogger 2020
Schwarzer Humor oder Liebesdrama?

Szene aus „Le Sel des Larmes“. Regisseur Philipp Garrel
Szene aus „Le Sel des Larmes“. Regisseur Philipp Garrel | Foto (Detail): © RECTANGLE PRODUCTIONS - CLOSE UP FILMS

Zu den besten Momenten eines Filmfestivals gehört es, wenn im Kinosaal absolute Ratlosigkeit über die Richtung eines Werks herrscht. Genau dies geschah während der Vorführung des Films „Le Sel des Larmes”, den der routinierte Philippe Garrel im Wettbewerb der Berlinale 2020 präsentierte.
 

Von Erick Estrada

Nach dem Filmabspann machte sich auf den Treppen des Kinosaals Unbehagen breit, die Unruhe und der in der Luft schwebende Zweifel waren förmlich mit Händen zu greifen. Es schien, als ob sich aus Garrels vorherigen Film etwas auf dieses neue Werk übertragen hätte, in dem die Nicht-Liebe ein durchgängiges Motiv ist. In Liebhaber für einen Tag aus dem Jahr 2017 konfrontierte Regisseur Garrel eine Frau mit der neuen, ihr fast gleichaltrigen Partnerin des Vaters. In Le Sel des Larmes – wieder ein eigenwilliger Titel – präsentiert er eine kaum erträgliche Hauptfigur namens Luc: ein schon älterer, unreifer Student, der sich weigert, die Konsequenzen seiner Handlungen zu tragen, die ebenso kapriziös und egozentrisch ausfallen wie der Name der Films.

Szene aus „Le Sel des Larmes“. Regisseur Philipp Garrel Szene aus „Le Sel des Larmes“. | Foto (Detail): © RECTANGLE PRODUCTIONS - CLOSE UP FILMS

Viele Fragen, keine Antworten

Garrel lässt uns konsequent darüber im Unklaren, ob es sich bei seinem Film um eine bittere Komödie über einen Provinzler, den es nach Paris verschlägt, handelt. Ebenso wenig legt er offen, warum Luc so verachtenswert agiert, indem er etwa seinen eigenen Vater, der in die Stadt gekommen ist, um ihn zu besuchen, einfach seinem Schicksal überlässt. Wir werden auch nicht erfahren, ob die Begegnung Lucs mit Betsy, einer jungen Frau, die eine ähnliche Vorstellung von Liebe und Verantwortung hat wie er, ein Coup des Schicksals ist oder eine Aussage darüber, dass unsere Zeiten genauso sind.

Das Beste an dem Abend war nicht, Antworten auf all diese Fragen zu suchen, sondern zu entdecken, wie das Publikum darauf reagiert, wenn jemand wie Garrel alles entfernt, was dazu beiträgt, dass wir es uns mit einem Film gemütlich machen – etwa ein interessantes Ende und der Möglichkeit von rationalen Schlussfolgerungen.
 
Als wir das Kino verließen, waren sich wenige von uns sicher, ob sie nun einen schlechten Film oder eine gewagte Story gesehen hatten. Wir stimmten jedoch darin überein, dass man einen Film wie diesen auf einem Festival wie der Berlinale doch gerne anschaut: ein Aufeinandertreffen von Ideen, die provozierend von der Leinwand ins Publikum hineinwirken und uns das bieten, was einen Film ausmachen soll.

 

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